Plünderungen und Jubel für Bush: Saddam am Ende?
Einwohner von Bagdad begrüßen in einem Vorort einmarschierende US-Marines. (Foto: AP)

Reuters

Einwohner von Bagdad begrüßen in einem Vorort einmarschierende US-Marines.

 
Im Zentrum Bagdads scheint die irakische Regierungsgewalt zusammengebrochen zu sein. Trotz Plünderungen ließ sich die irakische Polizei nicht blicken. Alliierte Truppen, die von von Norden und Osten in die Stadt einmarschierten, wurden von Bewohnern jubend begrüßt.

 

Schiiten begrüßen vorrückende Einheiten
Journalisten berichten, dass Irakis den Militärkonvois "Gut, gut, Bush!" und "Nie wieder Saddam Hussein" entgegen riefen. US-Marineinfanteristen seien bei ihrem Marsch durch das Armenviertel Saddam-Stadt im Nordosten der Stadt mit Blumen beworfen worden. Einige Männer hätten sich Fußball-Trikos von westlichen Vereinen wie Manchester United übergezogen. In Saddam-Stadt leben etwa zwei bis drei Millionen Schiiten, während die irakische Regierung überwiegend aus Sunniten besteht.

 

 

 

 

 

 

Menge plündert Regierungsgebäude

In einem Vorort im Südosten Bagdads haben Einwohner ein staatliches Kaufhaus geplündert. (Foto: AP)

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In einem Vorort im Südosten Bagdads haben Einwohner ein staatliches Kaufhaus geplündert.

 


Gleichzeitig kam es zu Plünderungen. "Niemand ist mehr da, um sie davon abzuhalten", berichtete ein BBC-Reporter. Er wertete die Szenen als "Anfang vom Ende" der Regierung Saddam Husseins. Ein weiterer BBC-Journalist schilderte, dass die Menschen hektisch Möbel und Wertgegenstände aus Geschäften und Regierungsgebäuden wegschleppten.

US-Militär: Schlacht noch nicht zuende
Das Zentralkommando der US-Armee reagierte jedoch zurückhaltend. Ein Sprecher in Katar sagte: "Ich glaube, es ist verfrüht, zu diesem Zeitpunkt bereits über ein Ende dieses Einsatzes zu sprechen." Um den Präsidentenpalast im Zentrum Bagdads entbrannten am Mittwoch erneut schwere Gefechte. Artilleriefeuer und Gewehrsalven erschütterten das Gebiet rund um das Gebäude am Westufer des Tigris. US-Kampfflugzeuge unterstützten die Bodentruppen aus der Luft.

 

 

 

 

 

Weniger Luftangriffe auf Bagdad
Gleichzeitig berichteten Journalisten, dass die Alliierten offenbar weniger Luftangriffe auf die irakische Hauptstadt fliegen. Die US-Streitkräfte wollen damit offenbar vermeiden, dass bei Luftangriffen eigene Soldaten in Bagdad zu Schaden kommen. Es sei ein "gutes Zeichen", dass keine Bomben mehr abgeworfen werden sollen, sagte ein amerikanischer Kampfpilot auf dem Flugzeugträger "USS Kitty Hawk".

Pentagon: Ende von Husseins Regime nahe
Die US-Streitkräfte bauen ihre Positionen in und um Bagdad stetig aus. Derzeit sei eine komplette Armeebrigade in der Innenstadt von Bagdad, sagte ein Mitglied des US-Generalstabs in Washington. Die amerikanischen Einheiten bewegten sich "nach Belieben" in Bagdad. Das Ende des Regimes von Saddam Hussein sei "näher, als viele geglaubt haben". Noch leisten die irakischen Truppen in der Hauptstadt aber "intensiven Widerstand", berichtet CNN weiter.

Spekulationen über Schicksal Saddams

Brennendes Foto des Diktators (Foto: dpa)

Ein Foto des irakischen Diktators geht in der Stadt Kalat Sukkar in Flammen auf. Eine Einheit der US-Marines suchte in der Stadt nach Waffen und zerstörte die Bilder Saddams. (Foto: dpa)


Unterdessen festigt sich die Überzeugung britischer und amerikanischer Militärs, dass Saddam Hussein auch den zweiten Bombenangriff auf ihn überlebt hat. Der irakische Diktator sei dem Angriff vermutlich um Minuten entkommen, berichtet die BBC unter Berufung auf Geheimdienstquellen. Möglicherweise habe Saddam Hussein das bombardierte Restaurant im Bagdader Villenviertel Mansur durch einen Tunnel oder mit dem Auto verlassen, heißt es in den Zeitungen "The Times" und "The Guardian".

US-Militär: Elitetruppen erhalten noch Befehle
Auch Generalmajor Stanley McChrystal vom US-Verteidigungsministerium sagte, der irakische Regierungschef kontrolliere offenbar noch immer Einheiten der Republikanischen Garde und Todesschwadrone. Die Elitetruppen erhielten noch Befehle, aber vielfach seien sie nicht mehr in der Lage, diese auszuführen: "Sie sind keine
effektive Streitmacht."

US-Panzer im Zentrum - Bagdad ist gefallen

Drei Wochen nach Kriegsbeginn steht das irakische Regime offenbar vor dem Zusammenbruch. Trupps der Alliierten rückten bis ins Zentrum Bagdads vor. Eine Kolonne von US-Panzern fuhr vor dem Hotel "Palestine" in der Innenstadt vor, aus dem fast alle ausländischen Journalisten berichteten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Chaos in der Hauptstadt

In einem Vorort im Südosten Bagdads haben Einwohner ein staatliches Kaufhaus geplündert. (Foto: AP)

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In einem Vorort im Südosten Bagdads haben Einwohner ein staatliches Kaufhaus geplündert.

 

 


In mehreren Stadtteilen strömten die Zivilisten in Scharen auf die Straße, nachdem es erstmals seit einer Woche kaum nächtliche Luftangriffe gegeben hatte. Irakische Militärs und Vertreter der Saatsmacht waren hingegen nicht zu sehen. Auch gegen Plünderungen schritt die Polizei nicht mehr ein. Die Einwohner der Stadt drangen vielerorts in Geschäfte und Regierungsgebäude ein und schleppten Computer, Fernsehgeräte, Möbel und andere Geräten davon.

 

Schiiten begrüßen vorrückende Einheiten
Journalisten berichten, dass Irakis den Militärkonvois "Gut, gut, Bush!" und "Nie wieder Saddam Hussein" entgegen riefen. US-Marineinfanteristen seien bei ihrem Marsch durch das Armenviertel Saddam-Stadt im Nordosten der Stadt mit Blumen begrüßt worden. Einige Männer hätten sich Fußball-Trikos von westlichen Vereinen wie Manchester United übergezogen. In Saddam-Stadt leben etwa zwei bis drei Millionen Schiiten, während die irakische Regierung überwiegend aus Sunniten besteht. Auch an anderen Stellen der Stadt begrüßten Einwohner die amerikanischen Soldaten und winkten ihnen zu. Bilder des Machthabers wurden heruntergerissen.

Journalisten frei von Überwachung
Ausländische Journalisten konnten am Mittwoch erstmals ohne jede staatliche Überwachung berichten. Ein Korrespondent der britischen BBC berichtete, das staatliche Kontrollsystem sei völlig zusammengebrochen. Der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf tauchte nicht mehr auf. Über das Schicksal des irakischen Staatschefs Saddam Hussein liegen dagegen keine Informationen vor. Einen zweiten gezielten Bombenangriff der US-Streitkräfte hat er nach Informationen aus Geheimdienstkreisen offenbar überlebt.

 

Straße nach Tikrit blockiert
Nach Angaben der US-Militärs können sich die Truppen am Neuen Präsidentenpalast frei in der Stadt bewegen. Nur noch vereinzelt würden sie von Heckenschützen angegriffen. "Heute ist das Regime in Auflösung und ein großer Teil Iraks ist frei von Jahren der Unterdrückung", sagte US-Brigadegeneral Vincent Brooks im US-Hauptquartier in Katar. Die Alliierten erwarteten jedoch weiteren Widerstand in anderen Städten. Nach Angaben Brooks haben Truppen die Straßen von Bagdad nach Tikrit blockiert, um irakische Regierungsmitglieder an der Flucht in die Heimatstadt von Saddam Hussein zu hindern. "Wir konzentrieren uns jetzt auf Tikrit", sagte der General.

Alliierte verstärken Truppen in Bagdad
Die amerikanischen Bodentruppen weiteten gleichzeitig ihre Präsenz in der Fünf-Millionen-Stadt Bagdad weiter aus. CNN zitierte einen hohen Militär, der die Verdoppelung der Truppenzahl in den kommenden 48 Stunden ankündigte. Bisher ist nach US-Angaben eine gepanzerte Infanteriebrigade in der Stadt. Das sind etwas mehr als 2000 Mann.