US-Truppen machen angeblich einen Sensationsfund

 

USA zeigen Skizzen von mobilen Labors (Foto: dpa)

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Im Februar zeigen die USA Skizzen von mobilen Biowaffen-Labors, um die Mitglieder des Sicherheitsrates von der Notwendigkeit eines Krieges gegen den Irak zu überzeugen.



Die US-Truppen im Irak wollen endlich das gefunden haben, wonach sie und die Waffeninspektoren der Vereinten Nationen schon lange suchen: ein Biowaffen-Labor. Wie das US-Verteidigungsministerium auf einer Pressekonferenz in Washington mitteilte, wurde ein Anhänger entdeckt, den die gestürzte Regierung von Präsident Saddam Hussein als mobiles Biowaffenlabor genutzt haben soll.

Nicht der erste Bericht über derartigen Fund
Ob damit tätsächlich ein Sensationsfund geglückt ist, bleibt abzuwarten. Es ist nicht der erste Bericht über einen solche Entdeckung. Früher war berichtet worden, dass Soldaten der alliierten Truppen in einer abgelegenen Halle verdächtige Fässer mit weißem Pulver gefunden hätten. Außerdem gab es immer wieder Gerüchte darüber, dass in verborgenen Gängen geheimnisvolle Flüssigkeiten lagerten. Doch bestätigt hat sich bisher nichts.

Krieg mit der Existenz von Massenvernichtungswaffen begründet
Die USA hatten den Krieg gegen den Irak unter anderem damit begründet, dass die Regierung in Bagdad über Massenvernichtungswaffen verfüge, die an Extremisten weitergegeben werden könnten. US-Außenminister Colin Powell präsentierte am 5. Februar im Uno-Sicherheitsrat die US-Beweise für das Vorhandensein derartiger Waffen im Irak. Er zeigte Satellitenaufnahmen und spielte Tonbänder vor. Die UN-Waffeninspektoren Hans Blix und Mohammed el Baradei konnte das Material der USA nicht überzeugen.

USA geraten immer stärker unter Druck
Vor allem seit dem Ende der Kampfhandlungen im Irak war die US-Regierung unter Druck geraten. Nachdem das Saddam-Regime gestürzt war und die amerikanischen Truppen freien Zugang zu allen Orten im Irak hatten, wurde es immer schwieriger zu erklären, wieso keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden.

Verwegene Erklärungsversuche
Ein US-Kommandeur verstieg sich sogar zu der Erklärung, dass solche Waffen so tief vergraben worden seien, dass sie nicht mehr so leicht zu finden seien. Deswegen suchten die allierten Truppen schon so lange vergeblich danach. Aber nicht nur sie: Auch die irakischen Soldaten hätten deshalb Schwierigkeiten bekommen. Im Krieg hätten sie die Massenvernichtungswaffen nicht einsetzen können, weil sie die clever versteckten Waffen nicht so schnell wiederfinden und ausgraben hätten können.

 

 

Wo steckt Saddam? (Foto: dpa)

Botschaft aus dem Untergrund?


Auf einem Tonband ist möglicherweise eine Botschaft Saddams an sein Volk zu hören.

 

 

 

Ruft Saddam per Tonband zum Widerstand auf?

Wo steckt Saddam Hussein? (Foto: dpa)

Wo steckt Saddam Hussein? (Foto: dpa)

 


Australische Journalisten haben in Bagdad ein Tonband in die Hände bekommen, auf dem möglicherweise die Stimme Saddam Husseins zu hören ist: Er ruft sein Volk zum Widerstand auf. Zwei irakische Männer hätten die Aufnahme den Korrespondenten des "Sydney Morning Herald" überlassen, nachdem sie vergeblich versucht hatten, es dem arabischen Sender "Al Jazeera" zu übergeben. Das berichtet die australische Zeitung in ihrer Online-Ausgabe.

 

Aufforderung zum Kampf gegen die Alliierten
Die Stimme auf dem Band ruft die Iraker auf, in einem "Untergrund-Krieg" gemeinsam gegen "die Besatzer" zu kämfpen. "Ich spreche zu euch auf diesem geheimen Weg aus dem Inneren des Iraks und sage euch: Die wichtigste Aufgabe für euch Kurden, Araber, Sunniten, Muslime und Christen und Iraker aller Religionen ist es, den Feind aus unserem Land zu werfen", fordert der Redner.



Saddam noch im Irak?
Darüber hinaus beschuldigt die Stimme die US-Truppen, das irakische Nationalmuseum geplündert zu haben. Außerdem erzählt der angebliche Saddam, er habe schon mehrfach versucht, Kontakt zu den Einwohner des Iraks aufzunehmen. Die Medien und Weiße Haus in Washington hätten das aber verhindert. Die Aufnahme ist angeblich nur wenige Tage alt.

Echtheit der Stimme umstritten
Die Reporter haben die Aufnahme mehr als einem Dutzend Irakern vorgespielt - die überwältigende Mehrheit sei davon überzeugt gewesen, dass es sich dabei um die Stimme des Ex-Diktators handelte. "Er ist es", zitiert der Bericht einen Richter aus Bagdad, "Ich bin hundert Prozent sicher. Ich habe ständig mit dieser Art Beweismaterial zu tun". Das jetzt aufgetauchte Band wirke besonders dadurch so authentisch, weil die Stimme in dem für die Gegend um Saddams Heimatstadt Tikrit typischen Dialekt spreche.

Keine Überprüfung möglich
Einige der Befragten zweifelten allerdings an der Echtheit der Aufnahme. Momentan gibt es keine Möglichkeit, die Herkunft der Stimme zu beweisen. Auch während des Irak-Kriegs waren immer wieder angebliche Bild- und Tonaufnahmen Saddams aufgetaucht, von denen sich manche als Fälschungen erwiesen.

Der Dieb von Bagdad

Saddam Hussein (Foto: dpa)

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Ist der Ex-Diktator mit einer Milliarde Dollar auf der Flucht?

 

Möglicherweise ist ein Großteil der in Saddams Autrag gestohlenen Milliarde wieder aufgetaucht. Die rund 650 Millionen Dollar, die US-Truppen vergangenen Monat in einem der Paläste des gestürzten Herrschers fanden, könnten aus der Zentralbank stammen, meinte der US-Beauftragte für den Wiederaufbau des irakischen Bankensystems, George Mullinax.

Geld von Saddams Sohn?
Dagegen ist ein irakischer Finanzbeamter der Ansicht, die gefundenen Dollar-Scheine stammen von Udai, dem ältesten Sohn Saddams. Udai war bekannt dafür, immense Bargeldbeträge anzuhäufen.

 

Abtransport mit drei Traktoren
Die von Saddam Hussein am 18. März entwendete Summe soll einem Bericht der "New York Times" zufolge doppelt so hoch sein wie der Betrag, der nach dem Fall Bagdads am 9. April von irakischen Plünderern aus der Zentralbank gestohlen wurde. Es habe sich um etwa ein Viertel der irakischen Geldreserven gehandelt: 900 Millionen Dollar und rund 88 Millionen Euro. Die Bargeldmenge sei so groß gewesen, dass drei Traktoren nötig gewesen seien, um sie wegzufahren, berichtete die "New York Times" weiter.

Von Saddams Sohn Kusai organisiert
Saddam Husseins jüngerer Sohn Kusai und sein persönlicher Assistent Abid el Haimd Mahmud hätten den Diebstahl auf Anweisung des Staatschefs organisiert. "Wenn du eine Anweisung von Saddam Hussein erhältst, dann diskutierst du nicht darüber", sagte ein führender Mitarbeiter der Zentralbank.

US-Geheimdienst beobachtete Konvoi
Tatsächlich will der amerikanische Geheimdienst einen Konvoi von Traktoren beobachtet haben, berichtete ein Militärsprecher. Was sie geladen hatten, sei unbekannt - anders als das Ziel: Der Konvoi soll die Grenze nach Syrien passiert haben. Dort vermutet so manch einer Saddam Hussein.

 

Sportliche Fehler strafte Udai Hussein mit Folter

 

Udai Hussein, Saddams ältester Sohn. (Foto: dpa)

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Udai Hussein, ältester Sohn des entmachteten Diktators, ist schon lange wegen seiner Gewalttätigkeiten und Grausamkeiten berüchtigt.


"Oftmals, wenn ich hierhin kam, wusste ich, dass ich tagelange Bestrafungen vor mir hatte", sagt Habib Jaafer, als er vor dem zerstörten Gebäude des irakischen Olympischen Komitees steht. Der 36-jährige ist seit 17 Jahren Mittelfeldspieler der irakischen Nationalmannschaft. Und mit seiner Aussage bestätigt der kleine drahtige Mann, was bereits andere bekannte irakische Sportler der "New York Times" gesagt haben.

Udai überwachte persönlich die Folter der Spieler
Udai Hussein, Saddams ältester Sohn, der schon lange für seine Gewalttaten und Grausamkeiten berüchtigt ist, ließ offenbar in diesem Gebäude in Bagdad systematisch foltern: Mit Vorliebe hat er dem Bericht der "New York Times" zufolge dabei Fußballer, in der Mehrzahl Schiiten, für schwache Leistungen auf dem Spielfeld brutal misshandeln lassen. So hätten sie sich nach mehreren Fehlpässen vor Udai von seinen Handlangern prügeln lassen müssen. Zudem gaben irakische Nationalfußballer an, manche Spieler seien in Militärgefängnisse verschleppt und mit Stromkabeln blutig geschlagen worden, oder aber sie hätten dort stundenlang mit Betonbällen Fußball spielen müssen.

Plünderungen fördern Folterwerkzeuge zu Tage
Nachdem die US-Truppen Bagdad eingenommen hatten, wurde das Gebäude des irakischen Olympischen Komitees zum Ziel von Plünderungen. Dabei tauchten laut "New York Times" auch verschiedene Folterwerkzeuge auf, wie zum Beispiel eine "Eiserne Jungfrau". Dabei handele es sich um einen Metall-Sarkophag, der nach innen gerichtete Nägel habe, und der eindeutig Gebrauchsspuren aufweise. Reporter hätten das Folterinstrument gefunden.

Elektroschocks im Folterkeller von Udai Hussein
Zudem gebe es Hinweise, dass Gefangene auch mit Elektroschocks gequält worden seien: So berichteten Zeugen von einem Metallrahmen, versehen mit Fußstützen, Klammern für die Schultern und Anschlüssen für Stromkabel. Der Elektroschock-Metallrahmen ist dem Bericht zufolge in der Al-Hekmah-Moschee in Bagdad aufgetaucht. Muslimische Geistliche sagten, Plünderer hätten das Gerät aus dem Gebäude des Olympischen Komitees entwendet. Nun werde es in der Moschee ausgestellt, um an die Unterdrückung durch Saddam Husseins Regime zu erinnern.

 

IOC ignorierte offenbar Folter-Berichte

Juan Antonio Samaranch, langjähriger IOC-Präsident. (Foto: Imago)

Juan Antonio Samaranch, langjähriger Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).


Die "New York Times" berichtet auch von Briefen, die die Reporter im Gebäude des Olympischen Komitees gefunden hätten. So zum Beispiel von Juan Antonio Samaranch, dem langjährigen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Aus den Briefen gehe hervor, dass das IOC nicht einmal versucht habe, sich vom irakischen Olympischen Komitee zu distanzieren, obwohl internationale Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch schon seit vielen Jahren über Folter und Morde in dem Gebäude berichtet hatten.

"Solange Saddam lebt, ist er gefährlich"
Noch heute packe ihn beim Anblick des Gebäudes die nackte Angst, sagt Jaafer. Und auf den Einwand, dass Hussein und sein Familien-Clan entmachtet sind, antwortet der Mittelfeldspieler: "Ihr sagt, dass er verschwunden ist. Aber könnt ihr mir auch sagen, wo er ist? Könnt ihr sicher sein, dass er nicht zurück kommt? Solange Saddam und seine Söhne noch leben, sind sie auch gefährlich."