07. April 2003

Wer bestimmt die Zukunft der Welt?

Schicksalhafte Allianz: Tony Blair und George Bush (dpa)

 


Bush und Blair stellen Weichen für Irak-Neuordnung

Wenn konservative britische Zeitungen wie der "Sunday Telegraph" richtig liegen, dann entscheiden US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair bei ihrem Treffen in Belfast über nichts Geringeres als die Zukunft der Welt. Die Blätter spielen damit auf die Frage an: Wird die Weltpolitik künftig von der Hegemonialmacht USA und einer jeweils ad hoc zusammengestellten "Koalition der Willigen" bestimmt oder lässt sich Washington doch wieder stärker in die internationale Gemeinschaft einbinden?

Das soll sich zeigen, wenn nun festgelegt wird, wie es im Irak weitergeht. Nach den Worten von Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sollen die USA und ihre Verbündeten, die für den Irak "Leben und Blut geopfert" haben, auch die "leitende Rolle" in der ersten Phase nach Kriegsende übernehmen. Diese Phase wird nach den Worten des stellvertretenden Verteidigungsministers Paul Wolfowitz mindestens ein halbes Jahr dauern.

Perle: Saddams Ende auch Ende der UN

Wolfowitz und andere "Falken" in der US-Regierung hoffen, dass ein "befreiter" Irak eine ganze Demokratisierungswelle im Nahen Osten auslösen wird. Es sei eine "gefährlich falsche Vorstellung", bei dieser historischen Aufgabe auch "Länder vom Schlage Syriens, Russlands, Chinas und Frankreichs" mitreden zu lassen, warnt der kürzlich zurückgetretene US-Verteidigungsberater Richard Perle im britischen "Spectator". "Saddam Husseins Terrorregime steht vor dem Ende. Er wird in Kürze abtreten - aber nicht allein: Die Vereinten Nationen wird er - welche Ironie! - im Sturz mit sich reißen."

Briten halten dagegen

Von genau dieser Haltung hofft Blair seinen amerikanischen Gast in Belfast abbringen zu können. Der Brite wünscht, dass die geplante irakische Übergangsregierung möglichst schnell vom UN-Sicherheitsrat abgesegnet wird. Sonst könnte der Eindruck einer von Washington gelenkten Marionettenregierung entstehen, befürchtet man in London.

Nach Möglichkeit braucht Blair noch mehr als die Erfüllung dieser Mindestforderung, um seine Parteifreunde wieder einigermaßen geschlossen hinter sich zu scharen. Außenminister Jack Straw drängt auf eine UN-Konferenz - so wie "Joschka das damals in Bonn so schön gemacht hat", sagt er unter Verweis auf die Afghanistan-Konferenz nach der Vertreibung der Taliban. Der für Wales zuständige Minister Peter Hain bezeichnet eine UN-Rolle als "lebenswichtig". Ähnlich sehen es nach einer am Montag veröffentlichten Umfrage 64 Prozent der britischen Bevölkerung.

Hält die Männerfreundschaft?

Ein Bruch zwischen Blair und Bush in dieser Frage gilt jedoch als ausgeschlossen. Blairs Vertraute sind eifrig bemüht, alle Differenzen herunterzuspielen. Es gebe gar "keine großen Unterschiede", versichert John Reid, der neue Fraktionsvorsitzende von Labour. Gerade jetzt, nachdem Blair im Interesse der "special relationship" (besonderen Beziehung) zu den USA sogar in den Krieg gezogen ist, wird er das Verhältnis auf keinen Fall gefährden wollen. Allein die Tatsache, dass der mächtigste Mann der Welt gewillt ist, sich persönlich nach Nordirland zu begeben, wird in Großbritannien schon als "enormer Erfolg" für Blair (The Times) gewertet.

(N24.de, dpa)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

11. April 2003

Die "geschenkte" Demokratie

Gewagtes Spiel: Paul Wolfowitz (ddp)

 



Premiere der Wolfowitz-Doktrin im Irak

Eine Doktrin ist schon nach ihm benannt. Und wenn der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz Recht behält, könnte er als Vordenker und Initiator einer der größten Umwälzungen im Nahen Osten in die Geschichtsbücher eingehen. Das Spiel ist gewagt, da sind sich sich Bewunderer und Kritiker einig. Nicht nur in der arabischen Welt herrscht erhebliche Skepsis über die Erfolgsaussichten seiner Theorien.

Wolfowitz (59) gilt als das "Superhirn" hinter der Irak-Strategie der amerikanischen Regierung, die weit über die Kriegsführung hinausgeht. Nach seiner Doktrin müssen unterdrückte Völker notfalls mit Militärgewalt aus dem Würgegriff Amerika hassender Diktatoren befreit werden. Mit ein bisschen US-Nachhilfe seien dort amerikanische Werte wie Freiheit und Toleranz zu etablieren, die schließlich Amerika wohl gesonnene Regierungen in friedlicher Eintracht mit Volk und Nachbarschaft hervorbrächten.

Demokratische Flutwelle durch Krieg?

"Ich glaube, dass der Irak eine Inspiration für die muslimische Welt sein kann, ein Beispiel, dass Muslime ein demokratisches Land aufbauen können", sagte Wolfowitz am Sonntag. "Die Vorstellung, in der arabischen Welt eine demokratische Flutwelle auszulösen, ist eine gefährliche Fantasie", meint dagegen Thomas Carothers vom Friedensforschungsinstitut "Carnegie Endowment for International Peace". "Das schürt nur unglaublichen Hass."

Schon Ende der 70er Jahre, als Washington den irakischen Präsidenten Saddam Hussein noch als Bollwerk gegen die islamische Revolution im Nachbarland Iran hofierte und förderte, warnte Wolfowitz vor Ungemach aus Bagdad. Nach der irakischen Invasion Kuwaits verfasste er 1992 auf Geheiß des damaligen Pentagonchefs Richard Cheney ein neues geopolitisches Strategiepapier.

Präventivschlag hätte Auschwitz verhindert

Wolfowitz, dessen jüdische Familie aus Polen geflüchtet war und viele Angehörige im Holocaust verloren hat, stellte die These auf, wäre bereits früher eine gefestigte internationale Doktrin des Präventivschlags vorhanden, hätten die Hölle des Hitler-Regimes verhindert werden können.

Vor diesem Hintergrund warb Wolfpwitz für eine Militärintervention im Irak, um Zugang zu wichtigen Rohstoffen - Öl - zu sichern und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen zu unterbinden. Die USA dürften keine Herausforderung ihrer Weltmachtstellung zulassen und müssten Präventivschläge, notfalls im Alleingang, einkalkulieren.

Die "geschenkte" Demokratie

Die radikalen Pläne verschwanden mangels Unterstützung in der Schublade - bis zum 11. September 2001. Vier Tage nach den Terroranschlägen in New York und Washington präsentierte Wolfowitz Präsident George W. Bush auf dessen Landsitz in Camp David seine Strategie erneut: Regimewechsel im Irak, mit militärischer Gewalt. Diesmal rannte er offene Türen ein.

Die Pentagonstrategen gingen ans Werk. Neben der Planung des militärischen Feldzugs begannen Wolfowitz und Kollegen, ihre Vorstellungen von einer neuen Ära in der Region zu konkretisieren.

Sechs Monate unter amerikanischer Zivilverwaltung hält Wolfowitz inzwischen für nötig, um eine irakische Übergangsregierung in Bagdad zu installieren. In dieser Zeit sollen die Fundamente für eine irakische Regierung nach US-Vorstellungen gelegt werden - und für Demokratie. Wer die Geschicke im Irak in die Hand nehmen wird, sei völlig offen. "Man kann nicht von Demokratie reden und dann die führenden Persönlichkeiten selbst aussuchen", sagt Wolfowitz.

(N24.de, dpa)

08. April 2003

Die Kriegsherrn und das Bärenfell

US-Soldaten verteilen Wasserration an irakische Zivilisten (dpa)

 



Bush verspricht "vitale Rolle" der UN im Irak

Die Vereinten Nationen werden nach den Worten des britischen Premierministers Tony Blair entscheidend am Aufbau des Iraks nach Ende des Krieges mitwirken. "Die UN werden beim Wiederaufbau des Iraks eine Schlüsselrolle spielen", sagte Blair am Dienstag nach Gesprächen mit US-Präsident George W. Bush in der nordirischen Hauptstadt Belfast.

Auch Bush versprach, eng mit internationalen Organisationen einschließlich den UN zusammenarbeiten zu wollen. Die Vereinten Nationen würden eine "vitale Rolle" spielen, auch wenn es um die Bildung einer irakischen Übergangsregierung gehe.

Bush flüchtet sich in allgemeine Floskeln

Bush räumte den Vereinten Nationen ein Mitspracherecht bei der Bildung der geplanten irakischen Übergangsregierung ein. "Sie (die UN) werden zusammen mit der Koalition daran beteiligt sein, beim Aufbau einer Übergangsregierung mitzuhelfen, aber die irakische Bevölkerung ist verantwortlich dafür, wer in diese Behörde kommt", so Bush wörtlich.

In einer gemeinsamen Erklärung hielten Bush und Blair fest: "Die Vereinten Nationen haben beim Wiederaufbau des Irak eine entscheidende Rolle zu spielen." Die USA und Großbritannien wollten sich um die Annahme einer neuen UN-Resolution bemühen, die unter anderem "eine angemessene Nachkriegs-Verwaltung für den Irak bestätigen" solle.

Bush äußerte sich aber weder konkret dazu, wie die Übergangsregierung zu Stande kommen und aussehen soll, noch zur UN- Rolle dabei. Er versicherte nur: "Ich höre eine Menge Gerede dazu, wie wir (dem Irak) einen Führer aufzwingen werden. Vergessen Sie es."

Bush: Keine Ahnung, ob Saddam lebt

Bush weiß nach eigenen Worten nicht, ob der irakische Präsident Saddam Hussein bei dem US-Bombenangriff auf das Wohnviertel El Mansur in Bagdad ums Leben gekommen ist. "Ich weiß nicht, ob er überlebt hat", so Bush. "Ich weiß nur, dass er dabei ist, die Macht zu verlieren."

Blair: Bald Beweise für Massenvernichtungswaffen

Auch Blair geht davon aus, dass der Irak-Krieg bald zu Ende sein wird. "Die Macht von Saddam geht zu Ende." Die alliierten Soldaten hätten große Erfolge erzielt. "Dies war in der Tat ein Befreiungs- und kein Eroberungskrieg", so Blair. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Alliierten bald Beweise für Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen finden würden.

Blair betonte, dass die Truppen der Alliierten "nicht einen Tag länger als notwendig" im Irak bleiben werden. Das Land werde nach einer Übergangsphase vom den Irakern selbst verwaltet werden. "Das Schicksal des Landes wird in den Händen des irakischen Volkes liegen", sagte Blair.

UN: Kein Spiel mit der "Schatzkiste"

Zuvor hatte der UN-Untergeneralsekretär Shashi Tharoor die USA und Großbritannien in scharfer Form darauf hingewiesen, dass der Irak keine "Schatzkiste" sei, die nach Belieben "aufgeteilt" werden könne. Nach den Genfer Konventionen hätten die Alliierten zwar die Rechte und Pflichten einer Besatzungsmacht, "aber das ist es dann auch", sagte Tharoor in einem BBC-Interview. "Ganz bestimmt haben sie nach den Genfer Konventionen kein Recht, die Gesellschaft oder die Politik umzuformen oder die wirtschaftlichen Ressourcen auszubeuten oder Ähnliches."

(N24.de, dpa)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

08. April 2003

Russlands Doppelspiel gegen die USA

 

Von Russland gesponsort?: Ausgebrannter irakischer Panzer (dpa)



Die Rolle des Kreml im Irak-Krieg

Indirekt ist der russische Generalstab immer dabei. Moskaus Kriegsstrategen verfolgen das Geschehen im Irak mit Militärsatelliten, Spionageschiffen in internationalen Gewässern und sollen auch noch eigene Agenten im Land haben. Und indirekt sind sie auch mit Rüstungsgütern präsent. Denn immerhin stammen etwa 80 Prozent aller irakischen Waffen aus sowjetischer oder russischer Produktion.

Der Kreml behält den Krieg im Auge. Erst am Sonntag startete ein Flottenverband der Kriegsmarine zum ersten Seemanöver seit Jahren in Richtung Indischer Ozean. Von dort ist es nicht weit bis zum Persischen Golf. Staatspräsident Wladimir Putin schaute am Wochenende persönlich bei der Kommandoführung der Weltraumtruppen in Moskau vorbei. Sie kümmern sich um Russlands schon in die Jahre gekommenen Militärsatelliten. Aber der einstige Geheimdienst-Offizier Putin kündigte jetzt eine neue Generation dieser kosmischen Spione an.

Orden von Saddam

Nach Angaben russischer Medien sollen zwei ranghohe Generäle der ehemaligen Sowjetarmee bis wenige Tage vor Kriegsbeginn den irakischen Truppen noch Instruktionen erteilt haben. Der einstige Vize-Verteidigungsminister Wladislaw Atschalow gilt als Experte für schnelle Eingreiftruppen. Ex-Generalstabschef Igor Malzew ist bis heute ein anerkannter Luftabwehr-Stratege. Beide Militärs erhielten Mitte März in Bagdad einen Verdienstorden aus den Händen von Saddam Hussein. Auf die Frage "wofür?" antwortete Atschalow der Internetzeitung "gazeta.ru" ausweichend: "Wir haben den Orden bekommen, als müssen wir ihn uns auch verdient haben."

Aktenvernichten in Bagdad

Panzerabwehrraketen, Satelliten-Störsender oder Nachtsichtgeräte "Made in Russia" in den Händen von Irakern lassen in Washington und London die Frage aufkommen, wie diese High-Tech-Waffen trotz UN- Embargos ins Land gelangen konnten. Schenkt man russischen Medienberichten Glauben, möchte Moskau entsprechende Geschäftsunterlagen nun gern verschwinden lassen. So sollen russische Geheimdienstler derzeit damit beschäftigt sein, in Bagdad so manche Akte zu vernichten.

Irak = Tschetschenien?

Das Vorgehen der Amerikaner und Briten erinnert russische Experten unterdessen zunehmend an eigene Erfahrungen in der seit Jahren umkämpften und bis heute nicht befriedeten Teilrepublik Tschetschenien. "Die Okkupationstruppen konnten zwar einen großen Teil des Irak einnehmen, aber sie bekommen das Land nicht unter Kontrolle", meinte die Tageszeitung "Iswestija".

(N24.de, dpa)

24. März 2003

Bush rüffelt Putin



Sorge über russische Waffenlieferungen an den Irak

Der Streit über angebliche russische Waffenlieferungen an den Irak hat am Montag die höchste politische Ebene erreicht. Bei einem Telefongespräch mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin drückte US-Präsident George W. Bush seine Besorgnis aus. Das teilte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, mit. Bei den umstrittenen Lieferungen geht es um Satellitenstörsender und Nachtsichtgeräte.

"Wir sind sehr besorgt über Berichte über eine anhaltende Kooperation und Unterstützung für das irakische Militär", sagte Fleischer. Präsident Putin habe Bush versichert, dass er sich des Falles annehmen werde. Die Lieferung der Sender, die die Zielerfassung der über GPS-Satelliten gesteuerten amerikanischen Marschflugkörper stören können, verstößt nach Angaben des Weißen Hauses gegen UN-Sanktionen.

Iwanows Dementis

Der russische Außenminister Igor Iwanow hatte die Berichte zuvor kategorisch zurückgewiesen. "Russland beachtet strikt alle internationalen Verpflichtungen und hat dem Irak keine Ausrüstung, auch keine militärische, unter Umgehung der Sanktionen geliefert", wurde Iwanow von der Agentur Interfax zitiert.

Die russische Elektronikfirma "Awijakonwersija" hatte US- Medienberichte über die angebliche Lieferung von Störsendern an den Irak ebenfalls dementiert. Die Geräte seien "niemals" an Bagdad verkauft worden, sagte Firmenchef Oleg Antonow am Montag in Moskau.

(N24.de, dpa)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

07. April 2003

Draht zum Kreml repariert?

Es wird wieder gelächelt : Rice und Iwanow (dpa)

 


US-Sicherheitsberaterin Rice in Moskau

US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hat als erste ranghohe amerikanische Politikerin seit Kriegsausbruch Moskau besucht und mit der russischen Führung über den Irak gesprochen. Trotz der gegenwärtigen Belastung der Beziehungen durch den Krieg hielten die USA an der strategischen Partnerschaft mit Russland fest, sagten US-Diplomaten. Moskau hatte den amerikanisch-britischen Angriff auf den Irak scharf kritisiert. Washington warf Russland vor, Saddam Hussein Rüstungsgüter geliefert zu haben.

Rice, die engste außenpolitische Beraterin von US-Präsident George W. Bush, sprach im Kreml mit Verteidigungsminister Sergej Iwanow und dem Sekretär des Sicherheitsrates, Wladimir Ruschailo. Außerdem traf sie mit Außenminister Igor Iwanow zusammen. Rice sagte lediglich, die Treffen seien "sehr gut" gewesen. Bush und der russische Präsident Wladimir Putin sollen bereits Ende Mai wieder zusammenkommen, zunächst in St. Petersburg und dann bei dem Treffen der wichtigsten Industriestaaten in Frankreich.

Die russische Seite wiederholte nach diplomatischen Angaben ihre Vorwürfe wegen der Schüsse auf den Fahrzeugkonvoi des russischen Bagdad-Botschafters Wladimir Titorenko im Irak. Die Kolonne war bei der Ausfahrt aus Bagdad am Sonntag zwischen die Fronten geraten und beschossen worden. Russland machte US-Truppen für den Zwischenfall verantwortlich, die USA wiesen die Schuld zurück. Titorenko und acht Diplomaten und Journalisten trafen am Montagnachmittag in Syrien ein. Ein schwer verletzter Fahrer der Botschaft blieb mit einem Diplomaten als Begleitung im Krankenhaus der irakischen Stadt Falludscha zurück.

Rice sprach mit der russischen Seite auch über die Verwaltung und den Wiederaufbau nach Kriegsende, sagte ein ranghoher US-Diplomat in Moskau. Russland fordert wie Frankreich und Deutschland eine Nachkriegsverwaltung der Vereinten Nationen, während die USA die Führungsrolle für sich beanspruchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

27. März 2003

Differenzen in der Kriegsallianz



"An irgendeinem Punkt" auf Streit zurückblicken

Angesichts drohender politischer Risse in ihrer Allianz haben US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair auf ihrem ersten Gipfel seit Ausbruch des Irak-Krieges Geschlossenheit demonstriert. Doch vorsichtige Äußerungen Blairs und das Schweigen Bushs auf die kniffligsten Fragen zeigten am Donnerstag, dass trennende Probleme nicht gelöst, sondern nur vertagt wurden. "Sie haben die Blechbüchse ein Stück weiter gekickt", sagte der frühere US-Außenamtssprecher James Rubin. "Lassen Sie mich unterstreichen, dass der militärische Sieg unser Hauptziel ist und sein muss", betonte der Premier.

Blair mit anspruchsvollen Gepäck...

Blair war mit anspruchsvollem Gepäck zum Landsitz Camp David gereist. Er wollte sich für eine offensive Friedensdiplomatie im Nahen Osten einsetzen, für eine aktive Rolle der Vereinten Nationen im Nachkriegs-Irak und für die Reparatur der beschädigten Partnerschaft der USA mit einem großen Teil Europas.

.... aber Bush hilft nur bei einem Stück

Nur im ersten Punkt hat er Bush bisher voll auf seiner Seite. Der Präsident bekräftigte, dass der "Wegeplan" für eine Verständigung zwischen Israel und den Palästinensern bald veröffentlicht werden solle. Diplomaten in Washington bezweifeln allerdings, dass er rasch verwirklicht werden kann.

Bei den Vereinten Nationen waren sich die beiden Verbündeten darin einig, dass diese das Hilfsprogramm "Öl für Nahrungsmittel" an den Irak wieder aufnehmen sollten. Bushs Warnung, das Thema zu politisieren, illustrierte gleichzeitig, dass der Irak-Konflikt im Weltsicherheitsrat noch längst nicht ausgestanden ist. US- Außenminister Colin Powell hat deutlich zu verstehen gegeben, dass die USA als militärische Führungsmacht der Invasion auch die Kontrolle über die Zukunft des Iraks beanspruchen.

Blair trat in Camp David vorerst den Rückzug an. Die UN sollten eng eingebunden werden, sagte der Premierminister, doch müsse zunächst "eine riesige Zahl von Einzelheiten mit unseren Verbündeten geklärt werden, wie es genau funktionieren soll. Außerdem ist der Konflikt noch nicht vorüber." Die Frage sollte besser nicht au Pressekonferenzen oder mittels "Megafon-Diplomatie" geklärt werden.

Vor dem Treffen hatten europäische Analytiker bezweifelt, dass der "Kriegsgipfel" der richtige Zeitpunkt für den Anlauf zu einer Aussöhnung zwischen Washington und seinen Kritikern in Paris und Berlin wäre. In der "New York Times" verwiesen US-Beobachter darauf, dass in Europa derzeit ein Bild vorherrsche: das einer imperialen Macht, trunken durch ihre militärische Überlegenheit, die durch unerwarteten irakischen Widerstand jetzt eine Lehre erhalte. Blair schien sich der Einsicht zu beugen, dass eine Vermittlung verfrüht wäre. Er sagte nach seinem Treffen mit Bush: "An irgendeinem Punkt müssen wir zurückblicken und erörtern, wie es zu den Meinungsverschiedenheiten kam."

 

 

07. April 2003

B-52-Bomber über Deutschland

Start in Fairford (England): B-52-"Stratofortress"-Bomber der 457. US Expeditionary Group (ddp)

 



"Fliegende Festungen" nutzen Luftraum auf Weg in den Irak

Auf dem Weg zu Kriegszielen im Irak überfliegen auch US-Bomber vom Typ B-52 Deutschland. Das sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Montag in Berlin und bestätigte damit eine Meldung des Berliner "Tagesspiegel". Der Sprecher verwies darauf, dass Deutschland den Alliierten pauschale Überflugrechte gewährt habe. Die britischen und amerikanischen Militärflugzeuge würden wie Zivilmaschinen über den deutschen Luftraum "durchkoordiniert". Bisher war unklar, ob und in welchem Ausmaß die Alliierten die ihnen zugesicherten Überflugrechte auch wahrnehmen.

Die Berliner Grünen hatten die Bundesregierung auf ihrem Landesparteitag am vergangenen Wochenende aufgefordert, die Gewährung der Überflugrechte für die USA zurückzuziehen. Sie müsse jegliche indirekte Unterstützung des Irak-Krieges sofort einstellen, heißt es in einer Resolution, die mit großer Mehrheit verabschiedet wurde.

Die Grünen-Bundesspitze unterstützt dagegen die Haltung der Bundesregierung, den USA weiterhin Überflugrechte zu gewähren. Genaue Aufklärung über die B-52-Flüge verlangt der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele.

Der "Tagesspiegel" (Montag) berichtete, dass Augenzeugen die als "fliegenden Festungen" bezeichneten B-52-Bomber in großer Höhe am Himmel über Berlin gesehen hätten. Diese Beobachtung sei offiziell nicht bestätigt worden. Regierungssprecher Bela Anda hatte am 24. März mitgeteilt, dass die Überflugrechte für Briten und Amerikaner «nicht konditioniert» seien. Die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung hatte nach Zeitungsangaben einen Tag später bestätigt, dass auch B-52-Bomber über Deutschland fliegen.

(N24.de, dpa)

 

 

07. April 2003

GIs richten sich in Bagdad ein

GIs stürmen Saddams Juwel: Der Hauptpalast am Tigris (dpa)

 



Saddams Palast besetzt - Statue zerstört

Amerikanische Panzer und Panzergrenadiere halten nach stundenlangen Kämpfen mit irakischen Verbänden weiter ihre Stellungen im Hauptpalast von Präsident Saddam Hussein am Westufer des Tigris in Bagdad. dpa-Korrespondent Carsten Hoffmann konnte die US-Einheiten am Montagabend (Ortszeit) vom gegenüber liegenden Ufer aus beobachten, nachdem Rauch- und Dunstschwaden, die tagsüber die Sicht behinderten, abgezogen waren. Offenbar wollten die amerikanischen Soldaten nicht, wie bei ihren schnellen Vorstößen am Wochenende, das Stadtzentrum am Abend wieder verlassen. Die Palastanlage ist von dem am östlichen Tigris-Ufer liegenden Hotel "Palestine", in dem zahlreiche ausländische Journalisten untergebracht sind, gut zu überblicken.

Der Kampf um Bagdad ist am Montag voll entbrannt. Starke US-Panzerverbände stießen am 19.Kriegstag mit Luftunterstützung erstmals in die Machtzentren des irakischen Regimes in der Hauptstadt vor. Nach Angaben des US-Oberkommandos besetzten sie unter anderem den Hauptpalast von Machthaber Saddam Hussein am Westufer des Tigris und zerstörten eine große Saddam-Statue. Dabei sei es zu heftigen Bodenkämpfen mit irakischen Truppen gekommen, die den ganzen Tag über anhielten.

Signal der amerikanischen Übermacht

Gedemütigter Diktator: GI übersprüht Saddam-Portrait in Bagdad (dpa)

 

 

Nach den Worten des US-Militärsprechers Frank Thorp gehe es bei dem dritten Vorstoß von US-Panzerverbänden in die irakische Hauptstadt vor allem darum, "Symbole des irakischen Machtsystems" zu treffen. Man wolle dem Regime und dem Volk ein "Signal" der amerikanischen Übermacht zu setzen. Auch Pentagon-Kreise sprachen von einer "Machtdemonstration".

Das US-Oberkommando sagte nicht, ob sich die Truppen wie an den Vortagen wieder zurückziehen werden. Das überlasse man den örtliche Befehlshabern. Diese sagten einem CNN-Frontreporter, drei Bataillone sollten in der Stadt bleiben.

Nach US-Angaben kamen bei einem irakischen Raketenangriff in der Umgebung des Flughafens zwei amerikanische Soldaten sowie zwei Journalisten ums Leben.

Irak: US-Panzereinheiten "abgeschlachtet"

dpa-Korrespondenten berichteten, US-Panzer hätten an verschiedenen Stellen im Regierungsviertel Position bezogen. Dagegen erklärte der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf, der Angriff sei blutig zurückgeschlagen worden. "Die amerikanischen Söldner haben damit begonnen, Selbstmord an den Mauern von Bagdad zu verüben", sagte er auf einer Pressekonferenz.

Die Panzereinheiten seien "abgeschlachtet" worden, Bagdad ist sicher", behauptete Sahhaf weiter. "Wir geben den Amerikanern eine Lektion, die sie nicht vergessen werden."

Wieder Saddam-Bilder im TV

Das irakische Fernsehen hat am Montag Bilder eines Treffens von Präsident Saddam Hussein mit seinem Kriegskabinett ausgestrahlt. Neben Saddam nahmen auch Vizepräsident Taha Jassin Ramadan, der stellvertretende Ministerpräsident Tarik Asis, Saddams jüngerer Sohn Kussai sowie mehrere Kommandeure teil. Es ist nicht überprüfbar, ob es sich um aktuelle Aufnahmen oder Filmkonserven handelt.

Bagdad praktisch eingekesselt

Über dem Himmel von Bagdad, in der den Menschen zusätzlich hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit zu schaffen machten, standen dunkle Rauchwolken. Sie stammten teilweise von brennenden mit Öl gefüllten Gräben. Trotz der Kämpfe gab es immer noch regen zivilen Autoverkehr auf den Straßen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

Der neue amerikanische Angriff auf das Stadtgebiet hatte am 19.Kriegstag um 6.00 Uhr Ortszeit begonnen. Daran sollen nach einem Bericht des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira rund 65 Panzer und zahlreiche weitere gepanzerte Fahrzeuge und Infanterie beteiligt gewesen sein. Sie erhielten Deckung von tief fliegenden Kampfflugzeugen des Typs A-10 Thunderbolt.

Die Alliierten haben inzwischen offensichtlich die absolute Lufthoheit über der Hauptstadt. Seit Sonntag haben die amerikanischen Streitkräfte die Stadt nach eigenen Angaben praktisch eingekesselt. Alle wichtigen Straßen von und nach Bagdad seien unter Kontrolle. Truppenbewegung in der Hauptstadt könnten jederzeit unterbunden werden, sagte der amerikanische Vize-Generalstabschef Peter Pace. Zivilisten könnten die Stadt aber verlassen.

Erstmals nach der Einnahme des internationalen Flughafens war am Sonntagabend eine Frachtmaschine der US-Truppen in der irakischen Hauptstadt gelandet.

Bereits am Samstag waren die Amerikaner kurzzeitig in den Südwesten Bagdads eingedrungen und hatten sich heftige Gefechte den Republikanischen Garden geliefert. Dabei wurden nach US-Angaben mindestens 2.000 Iraker getötet.

Chaos in Krankenhäusern

Die Lage in den irakischen Krankenhäusern in den umkämpften Gebieten ist nach Angaben eines Sprechers des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) "kritisch". Wegen der schweren Kämpfe am Wochenende sei die Situation in den Kliniken im Gebiet um Bagdad sogar "dramatisch". Dort herrsche Chaos.

(N24.de, dpa)

 

 

05. April 2003

Autos gegen US-Panzer

Video-Grab des irakischen Fernsehen: Selbstmord-Attentäterin schwört auf den Koran (dpa)

 



US-Journalisten: "Fanatischer Widerstand" ohne Organisation

US-Journalisten haben am Samstag über "fanatischen Widerstand" von Kämpfern der irakischen Republikanischen Garde gegen vorrückende US-Panzertruppen berichtet. Mal James, Kameramann der amerikanischen Fox News, sagte dem britischen Sender Sky News, die US-Truppen seien bei ihrem Vormarsch von Selbstmordangriffen bedroht gewesen.

Nach James' Worten hat die Republikanische Garde die Taktik von Selbstmordanschlägen gegen eine "volle Brigade von US-Panzern" anzuwenden versucht. "Autos fuhren einfach auf die Kolonnen zu. Sie wurden zerstört. Die Republikanische Garde hatte sehr viel Kampfgeist, aber keine Organisation", sagte James.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

01.     April 2003

"One-way-ticket" zum Paradies

Saddams "Gotteskrieger": Die gefürchteten Fedajin-Milizen (dpa)

 


Selbstmord-Attacken werden zur Waffengattung

Der Berliner Terrorismusforscher Berndt-Georg Thamm geht davon aus, dass Selbstmordattacken im Irak mit längerer Kriegsdauer stark zunehmen werden. "Wir werden erleben müssen, dass solche Anschläge zu einer regelrechten Waffengattung instrumentalisiert werden", sagte Thamm in einem dpa-Gespräch. Im Irak waren vor einigen Tagen nördlich der zentralirakischen Stadt Nadschaf erstmals vier US-Soldaten ums Leben gekommen, als sich ein Iraker an einem Militärposten in die Luft sprengte.

Das "Palästinenser-Syndrom"

Eine Differenzierung von Selbstmordaktionen in terroristische Taten oder Mittel der Kriegführung hält Thamm für nicht sinnvoll. "Ich fürchte, dass mehr und mehr Muslime zu der Überzeugung kommen, dass dieser Krieg von einer reinen Kreuzfahrerallianz geführt wird. Deswegen rufen auch immer mehr geistliche Führer zu einem 'Heiligen Krieg', einem Dschihad, auf. In diesem Kontext wird für die Gläubigen die Abgrenzung zu terroristischen Akten hinfällig - es geht ihnen um nichts anderes als die Verteidigung auf dem Territorium des Islam mit allen Mitteln", sagte der Wissenschaftler.

Der Feldzug der islamischen "Gotteskrieger"

Thamm rechnet bei längerer Kriegsdauer mit einem "verstärkten Einsickern islamischer Kämpfer aus anderen Ländern". "Wir werden erleben, dass das von Freitagsgebet zu Freitagsgebet zunimmt - nicht nur von Irakern, und wohl nicht nur auf dem Gebiet des Irak." Er verweist darauf, dass der Koran den Suizid an sich verbietet. "In einem als 'Heiliger Krieg' definierten Konflikt allerdings bekommt er als Opfertod eine völlig andere Qualität, es geht um den finalen Einsatz der Gläubigen."

Japans Kamikaze-Aktionen

Ein Vergleich von Selbstmordattacken mit japanischen Kamikaze-Aktionen im Zweiten Weltkrieg wäre nach Thamms Worten "falsch und irreführend". Die Kamikaze-Piloten hätten völlig unabhängig von ihrem Glauben gehandelt. Außerdem hätten sie ihre Bomber nicht freiwillig etwa in die Kriegsschiffe des Gegners geflogen, sondern seien dazu gezwungen worden. Eine Heils- oder Jenseitserwartung sei damit im Gegensatz zu islamisch motivierten Selbstmordanschlägen nie verbunden gewesen: "Salopp formuliert meint der Kämpfer im 'Heiligen Krieg', ein 'one-way-ticket' zum Paradies zu ziehen - asiatischen Kriegern ist das vollkommen wesensfremd."

Berndt-Georg Thamm ist Fachpublizist und forscht seit über 30 Jahren unter anderem auf dem Gebiet des internationalen Terrorismus.

(N24.de, dpa)

 

 

31. März 2003

Saddam und die asiatische Kriegslist

 

Ausländische Medien in Bagdad: Die Macht der Bilder

 



Warum Bagdad "David gegen Goliath" inszeniert

Der moderne Krieg hat mit vergangenen Schlachten nichts mehr zu tun. Seine Strategen verlassen sich auf die Präzision ihrer Lenkwaffen, die kalte Funktionalität der Technik. Mit vielfacher Übermacht, numerisch wie technisch, kämpfen die USA und die Briten gegen den Irak. Aber sie kommen nicht so voran wie am Reißbrett geplant, ein ums andere Mal werden sie unangenehm überrascht. Die Hypermacht USA stößt im Irak auf asymmetrische Kriegführung.

Diese Strategie geht davon aus, dass hochgerüstete Gegner nicht in direkter Konfrontation zu besiegen sind. Versuchte der Schwächere, seine gesamte Armee ins offene Feld zu führen, er hätte keine Chance. Er wird es anders versuchen - Guerilla-Taktiken anwenden, die Nachschublinien des Feindes angreifen, Kombattanten nicht in Uniformen, sondern in Zivil kämpfen lassen.

Militärhistorisch hat diese ausweichende Strategie, die den Feind ermüden soll, asiatische Wurzeln. Ihre Wirksamkeit lobte der große chinesische Militärstratege Sun Zi schon vor rund 2500 Jahren. Auch Carl von Clausewitz hat sie thematisiert. Und nun hat Edward Luttwak vom Center for Strategic and International Studies in Washington nachgewiesen, dass die eigentliche Zukunft der Asymmetrie erst jetzt beginnt, in den Zeiten weit reichender Unübersichtlichkeit ("Strategie. Die Logik von Krieg und Frieden"; zu Klampen Verlag, 2003).

 

 

 

Saddam nutzt Überraschungseffekt

 

ABC-Waffenschutz in irakischem Trainingscamp (dpa)

 

 

"Es überrascht nicht, dass Saddam Hussein eine asymmetrische Strategie verfolgt", meint Prof. Andreas Wenger von der Eidgenössischen Hochschule Zürich. Der Diktator nutze die Erfahrungen aus dem Golfkrieg von 1991. In einer Analyse des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISUK) heißt es: "Asymmetrie heißt anders zu denken und zu handeln, mit der Maßgabe, die Schwäche des Gegners auszunutzen, um den eigenen militärischen Vorteil zu erhöhen." Asymmetrische Angriffe überraschten durch Zeitpunkt, Wahl der Waffen und des Zieles.

Fiese Kriegslist in allen Facetten

So fällt es den Marines schwer, den echten Zivilisten im Irak vom getarnten und zu allem entschlossenen Kämpfer zu unterscheiden. Die Angriffe auf die Nachschubwege der US-Armee erfolgten aus dem Nichts. Das Hit-and-run, das schnelle Zuschlagen und sofortige Verschwinden kleiner, mobiler Paramilitärs, kam bitter überraschend. Die Nützlichkeit von hoch technologischen Streitkräften, heißt es am ISUK, werde in dem Maß sinken, wie der Gegner die operativen und strategischen Vorteile des Angreifers einschränken könne. Ganz entscheidend sei, eigene Erfolge mit "politisch untragbaren Kosten und Verlusten" des Gegners zu verbinden.

Die Medien und die Bilder der Leichen

Der Politologe Herfried Münkler (Humboldt Universität, Berlin), Autor des Buchs "Die neuen Kriege" (Rowohlt Verlag), meint: "Asymmetrische Kriege wie diese werden über Bande gespielt, das heißt in der Öffentlichkeit und über die Weltöffentlichkeit." Also kann der Irak durch kleine und von der Machart her "quasi terroristische Guerillaaktionen" - das Legen eines Hinterhalts, Selbstmordangriffe - US-Soldaten töten. Und die Bilder ihrer Leichen im Fernsehen können die politische Stimmung in den USA schwer belasten. Stichwort: Vietnam.

Verdient David die Solidarität?

Langfristig steht der asymmetrischen Strategie in diesem Krieg ein machtvolles System aus B-52-Bombern, Flugzeugträgern, Dauerbombardements, bunkerbrechenden Bomben und Marschflugkörper gegenüber. Doch psychologisch, schreibt Münkler, könne die Asymmetrie durchaus etwas ausrichten. Den so genannten CNN-Effekt beschrieb auch der ehemalige Nato-Sprecher Jamie Shea 2001 in einem Rückblick auf den Kosovo-Konflikt: Der technologisch Unterlegene, er könne vermittels geschickter "PR ein Bild David gegen Goliath erzeugen". Und die Solidarität, die ist mit David.

(N24.de, dpa)