Saddam hat laut Asis Angriffe überlebt

Tarek Asis mit einem Bild von Saddam Hussein (Foto: dpa)

Tarek Asis mit einem Bild von Saddam Hussein (Foto: dpa)

 

 

 

Der gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein hat nach den Worten des früheren stellvertretenden Ministerpräsidenten Tarek Asis zwei Luftangriffe überlebt. Dies habe Asis in einer Befragung durch US-Ermittler gesagt, berichtet "USA Today" unter Berufung auf einen ranghohen Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums.



Wahrheitsgehalt von Asis Aussagen zweifelhaft
Asis befindet sich in US-Gewahrsam und wird an einem geheim gehaltenen Ort befragt. Asis habe mitgeteilt, er habe Saddam nach den gegen ihn und seine beiden Söhne gerichteten Luftangriffen auf Bagdad am 19. März und 7. April lebend gesehen, berichtet das Blatt. Es zitiert allerdings den Mitarbeiter auch mit der Äußerung, die Ermittler seien überzeugt, dass Asis bei anderen Themen gelogen habe.

 

Saddam feiert heute Geburtstag
In US-Kreisen hatte es stets geheißen, das Schicksal Saddams sei ungewiss. Seit Beginn des Krieges am 20. März hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, Saddam sei ums Leben gekomme. Heute feiert er seinen 66. Geburtstag.

"Er liefert eine Menge Informationen"
Asis ist das bedeutendste der 13 Mitglieder der früheren irakischen Führung, die in US-Gewahrsam sind. Er hatte sich am vergangenen Donnerstag den US-Truppen gestellt. Auf der Liste der 55 meistgesuchten Angehörigen der bisherigen Regierung steht Asis auf Platz 43. Der Chef der US-Streitkräfte im Golf, Tommy Franks, sprach von einem Erfolg. Asis liefere den Ermittlern des US-Geheimdienstes eine Menge Informationen. Er nannte aber keine Einzelheiten.

Saddam mit Sprengstoff-Weste unterwegs?
Auch nach Informationen des Oppositionspolitikers Ahmed Chalabi ist Saddam am Leben und führt auf der Flucht eine Sprengstoff-Weste mit sich. Chalabi, Vorsitzender des Irakischen Nationalkongresses (INC) sagte in US-Fernsehinterviews, Saddam könnte andere mit in den Tod reißen, falls er gestellt wird und sich mit der Weste in die Luft sprengt. Der Oppositionelle teilte mit, ihm lägen Informationen darüber vor, wo sich Saddam und seine beiden Söhne jeweils aufgehalten hätten. Jetzt komme es darauf an, seine künftigen Zufluchtsorte zu kennen. "Wir versuchen, in Erfahrung zu bringen, wo sie sein werden, so dass sie festgenommen werden können."

US-Soldaten erschießen 13 irakische Demonstranten

US-Soldaten haben in der Nacht zum Dienstag in Falludscha bei Bagdad in eine Menschenmenge geschossen und dabei mindestens 13 irakische Demonstranten getötet.

 

Zahl der Toten ist unklar
Ein sunnitischer Geistlicher in der 50 Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Stadt Falludscha sagte, die Demonstranten hätten vor einer von US-Truppen besetzten Schule den Abzug der Soldaten gefordert. Die Soldaten hätten daraufhin das Feuer eröffnet. Verschiedene Augenzeugen sprachen von 13 bis 17 Toten. Bei einer Beerdigung sollen die Trauernden ausgerufen haben: "Unsere Seelen und unser Blut werden wir euch Märtyrern opfern."

Angeblich 70 Menschen verletzt
Der arabische Fernsehsender El Dschasira hatte zuvor berichtet, bei dem Zwischenfall seien zehn Menschen getötet worden. Ein Korrespondent des Senders meldete, durch die Schüsse seien außerdem 70 Menschen verletzt worden. Der Journalist berichtete telefonisch aus Bagdad, eine Quelle für seine Informationen gab er nicht an.

Proteste gegen US-Präsenz
Dem Korrespondenten zufolge ist eine Gruppe von etwa 200 Personen nach dem Abendgebet in einer Moschee dem Aufruf des Predigers gefolgt und hat gegen die Anwesenheit der US-Truppen in Irak protestiert. Aus der Menge sei ein Stein auf die Soldaten geworfen worden, die darauf hin das Feuer eröffneten. Die Verletzten würden in fünf verschiedenen Krankenhäusern des Ortes behandelt, so der Journalist.

 

Die US-Führung schweigt
Von unabhängiger Seite wurde der Bericht des Fernsehsenders nicht bestätigt. Das US-Central Command in Katar erklärte, ihm lägen keine Informationen über den Zwischenfall vor. Auch das US-Militär in Bagdad nahm zu dem Bericht nicht Stellung.

US-Truppen in Bagdad werden verstärkt
Um für mehr Sicherheit und Stabilität in Bagdad zu sorgen, wollen die USA die Zahl ihrer Soldaten in der Hauptstadt erhöhen. In den nächsten sieben bis zehn Tagen sollen insgesamt 3000 bis 4000 zusätzliche Soldaten und Militärpolizisten entsandt werden. Derzeit haben die USA rund 12.000 Soldaten in Bagdad stationiert, in anderen Landesteilen sind es rund 150.000.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pik sechs stellt sich

Ex-Ölminister Raschid (Foto: dpa)

dpa

Die Nummer 47: Ex-Ölminister Raschid

 

US-Truppen haben nach eigenen Angaben den früheren irakischen Ölminister Amir Muhammed Raschid el Ubaidi in Gewahrsam genommen. Das US-Central Command teilte am Dienstag in Katar mit, Raschid habe sich am Montag den Einheiten der Alliierten gestellt. Raschid, ehemaliger Berater von Präsident Saddam Hussein und eine Schlüsselfigur im irakischen Raketenprogramm, steht auf der US-Fahndungsliste der meistgesuchten Iraker an 47. Stelle.

 

14 aus 55
Es wurde zunächst nicht bekannt, wo Raschid festgehalten wurde und wo er sich stellte. Raschid gehört zu den 55 meistgesuchten Vertretern der entmachteten irakischen Führung. Auf einem an US-Soldaten im Irak verteilten Kartenspiel mit den Konterfeis der irakischen Führung stellt Raschid Pik sechs dar. Er ist der 14. Vertreter der irakischen Führung, der von den US-geführten Streitkräften ergriffen wurde.


 

137 US-Soldaten gefallen
Unterdessen teilte des US-Verteidigungsministerium mit, während des Irak-Krieges seien 137 US-Soldaten getötet und 561 verletzt worden. 114 Soldaten seien im Kampf gefallen oder durch Beschuss aus den eigenen Reihen getötet worden, 23 seien bei Unfällen ums Leben gekommen, sagte ein Sprecher. Von den Verletzten seien 66 bei Unfällen zu Schaden gekommen, 495 Soldaten seien im Kampf verwundet worden. Vermisst werde niemand mehr. Der letzte verschollene US-Soldat sei vier Tage zuvor tot gefunden worden. Der 24-Jährige sei am 23. März bei einem Überfall auf seinen Konvoi in Südirak

 

 

 

 

Tarik Aziz - eine neue irakische Legende

 Zahlreiche Legenden: Tarek Aziz (Foto: dpa)

dpa

Zahlreiche Legenden: Tarek Aziz (Foto: dpa)

 

 

Die Kreuzchen auf dem amerikanischen Kartenspiel mehren sich. Ob tot, gefangen oder ins Ausland geflüchtet, nur wenige Gesichter der schnurrbärtigen Männer mit dem Nachnamen el Taktriti sind in der Welt ein Begriff, auch wenn sie Luftwaffenkommandeur oder Geheimdienstchef unter Saddam Hussein waren.

Legenden um das"Gesicht des Irak"
Doch die Nummer 43 auf dem Kartenspiel mit 55 Namen, angeführt mit Pik As für Saddam Hussein, war das "Gesicht des Irak". Entsprechend viele Legenden ranken sich um Tarik Aziz, dem sprachgewandten ehemaligen Außenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten. Kurz vor Kriegsausbruch machte er noch einen Aufsehen erregenden Besuch beim Papst, der ihn zu einer Audienz empfing. Aziz war chaldäischer Katholik und so war es für ihn naheliegend, beim Oberhaupt seiner Kirche um Hilfe gegen die Amerikaner zu bitten.

 

Papst-Audienz
Doch war Aziz wirklich noch Christ? Römische Korrespondenten bezeugen zwar, dass der Minister bei seinem Besuch in Asisi in Italien, nach dem Gespräch mit dem Papst, "das Kreuz nach orientalischer Art während eines Gottesdienstes geschlagen und kniend gebetet" habe. Doch auch Suha Arafat, die nachweislich vor ihrer Eheschließung mit Jassir Arafat zum Islam übergetreten ist, schlägt zu Weihnachten in der Geburtskirche von Bethlehem das Kreuz und betet kniend.

Trat Aziz zum Islam über?
In der angesehenen israelischen Zeitung Haaretz behauptet der Journalist Jossi Melman, dass der 1936 in Tel Kaif im Norden des Irak geborene Mikhail Yuhanna zum Islam übergetreten sei und dann den muslimischen Namen Tarik el Aziz angenommen habe. Melman will das "aus verschiedenen Quellen immer wieder gehört haben", sagte er auf Anfrage, während Arabienkorrespondenten das als "Quatsch" abtun. Der muslimische Name habe "besser in das Umfeld der Baath-Partei gepasst", als Aziz unter Saddam Hussein Karriere machte.

Zweifelhafte Hintergründe der Festnahme
Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte während des Krieges schwor Aziz noch, dass er lieber sterben würde, als von den Amerikanern in die Gefangenschaft nach Guantanamo geschickt zu werden. Bei der Gelegenheit prophezeite er den Amerikanern auch noch eine blutige Niederlage durch irakische Selbstmordattentäter. Jetzt hat sich Aziz aber den amerikanischen Truppen "ergeben". Die genauen Umstände sind unbekannt. Nach amerikanischen Angaben sei er in seiner Villa von Soldaten verhaftet worden. Die kamen sogar in Begleitung von Ärzten, damit Aziz nichts zustoße.

Hat der Vatikan vermittelt?
Gleichwohl kommen schon Theorien auf: Der Vatikan habe da vermittelt, damit der herzkranke Aziz nach zwei Herzinfarkten gut behandelt werde. Journalisten im Vatikan halten diese Theorie für abwegig, da der Vatikan wegen zerstörter Telefonleitungen kaum Kontakt zu seinen Gläubigen im Kriegsgebiet halten könne. Zudem habe der Vatikan andere Gerüchte dementiert, etwa für den gestürzten Diktator Saddam Hussein um Asyl in Moskau gebeten zu haben. Jene Meldung dürfte also genauso echt gewesen sein, wie die Behauptung der Hindustan Times, wonach sich Saddam Hussein nach Jemen abgesetzt habe.

Vorschnell für tot erklärt
Tarik Aziz machte schon in den ersten Kriegstagen falsche Schlagzeilen in aller Welt: Er sei bei Saddam in Ungnade gefallen und habe in Richtung Türkei fliehen wollen. Saddam habe von dem Plan erfahren, meldeten die Medien als Aufmacher. Beim Verlassen eines Treffens mit dem Diktator sei Aziz in Bagdad erschossen worden. Die universale Trauer um den kubanische Zigarren rauchenden Chefdiplomaten mit den grauen Haaren währte freilich nur wenige Stunden. In Uniform, mit dem Barret auf dem Kopf, stellte sich der tote, auf der Flucht erschossene Tarik Aziz der internationalen Presse und wiederholte seine Prophezeiungen über eine amerikanische Niederlage.

Sprachrohr des Irak
Aziz, der erst Lehrer und dann Journalist wurde, ehe er in die Politik ging, galt als "eloquenter Diplomat" und "harter Verhandler". Dank seines guten Englisch benutzte Saddam Hussein ihn, um Iraks Politik in der Welt und vor allem vor der Uno zu erklären. Nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait 1990 behauptete Aziz, dass die Eroberung des Scheichtums "notwendig" gewesen sei, weil Kuwait den Weltmarkt mit Öl "überschwemmte". Von Aziz stammte der Spruch: "Manche Kriege werden mit Gewalt geführt, andere mit wirtschaftlichen Mitteln."

"Null, null, nichts hat er getan"
Doch das Konzert der respektvollen und positiven Stimmen zu Tarik Aziz, an den die Amerikaner jetzt "viele offene Fragen" richten wollen, ist nicht einhellig. Die New York Times interviewte in Karakosch im Nordirak die 75 Jahre alte Selma Dawood, die Schwester der Mutter von Tarik Aziz. Gefragt, ob sich ihr berühmter Neffe um die Christen im Irak gekümmert habe, die etwa 4 Prozent der Bevölkerung ausmachten, sagte sie: "Null, null, nichts hat er getan. Er ist Teil eines bösen Regimes gewesen." Sie fügte hinzu: "Mögen sie ihn doch verhaften."

Zum Verhör ins Ausland
Tarik Aziz, der gemäß unbestätigten Meldungen neuerdings auch an Krebs leide, habe vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter, die alle in Bagdad leben: Ziad und Saddam sowie Zaina und Mayisa. Über seinen jetzigen Aufenthaltsort in amerikanischem Gewahrsam ist noch nichts bekannt geworden. Doch heißt es, dass die Amerikaner alle "wichtigen Gefangen" zur Befragung "ins Ausland" gebracht hätten.

Faludscha bei Bagdad (Montage: T-Online)

US-Soldaten erschießen 15 Iraker

   
Die Opfer waren Kinder und Jugendliche. US-Soldaten gaben an, sie seien beschossen worden.

 

 

 

 

 

 

US-Soldaten erschießen 15 Kinder und Jugendliche

Ein Verletzter in Faludscha (Foto: Reuters)

Reuters

Rund 40 Menschen wurden vor allem mit Beinverletzungen in die Krankenhäuser eingeliefert

 

US-Soldaten haben in der Nacht in Falludscha bei Bagdad in eine Menge junger Demonstranten geschossen und dabei mindestens 15 Menschen getötet. Über 40 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Nach Informationen von T-Online sind die Todesopfer zwischen sechs und 20 Jahren alt. Zahlreiche Demonstranten hatten zuvor Steine auf die Amerikaner geworfen. Ein US-Soldat sagte, aus der Menge sei auch geschossen worden.

 

Jugendliche forderten Räumung einer Schule
T-Online Korrespondent Erwin Decker, der am Morgen den Ort der Schießerei erreichte, berichtete, das Drama habe sich bei einer Grundschule abgespielt, die von amerikanischen Soldaten als Quartier benutzt wird. Offenbar haben rund 200 Kinder und Jugendliche in den Abendstunden für die Freigabe der Schule und die Fortsetzung des Unterrichts demonstriert. Als die Demonstranten Steine auf die Soldaten zu werfen begannen, hätten GIs das Feuer auf die Menschenmenge eröffnet.

Kinder von Geistlichen aufgehetzt?
Nach Angaben Deckers war der Beschuss so massiv, dass auch in den umliegenden Gebäuden selbst in den Innenräumen Einschusslöcher zu finden sind. Menschen seien bei dem Versuch verletzt worden, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Insgesamt gab es 40 bis 50 teilweise schwer Verletzte, die in fünf verschiedenen Krankenhäusern des Ortes behandelt würden. Offenbar hatten die Soldaten in den meisten Fällen auf die Beine der Opfer gezielt, sagte ein Arzt vor Ort. In der Umgebung des Schulgebäudes seien "riesige Blutlachen" zu sehen. Es gebe Hinweise darauf, dass die Kinder und Jugendlichen vor der Demonstration von Geistlichen aufgehetzt wurden, sagte Erwin Decker.

Wurden Amerikaner beschossen?
Ein amerikanischer Soldat begründete das Vorgehen, er sei "aus einer Gruppe, die sich der Schule genähert habe", beschossen worden. Er habe einen der Angreifer getötet, ein anderer habe dessen Waffe jedoch aufgehoben und weiter gefeuert. Einschusslöcher am US-Quartier seien allerdings nicht zu entdecken gewesen.

"Sie schlachten unser Volk ab"
Am Morgen beerdigten Angehörige mehrere der Toten. Die Trauernden riefen: "Unsere Seelen und unser Blut werden wir euch Märtyrern opfern." Einer von ihnen, Schuker Abdullah Hamid, der nach eigenen Angaben seinen Cousin beisetzte, sagte einem Korrespondenten der Nachrichtenagentur Reuters: "Sie stehlen unser Öl, und sie schlachten unser Volk ab".

Demonstrationen gehen weiter
Die Demonstrationen in Falludscha gingen nach Deckers Angaben auch heute weiter. Menschen versammelten sich vor dem US-Quartier und skandierten "Nieder mit Bush" und "Amerika ist der Feind". Über dem Gelände kreisten zwei amerikanische Appache-Kampfhubschrauber. Die Menschen hätten mehrfach Anstalten gemacht, die Absperrungen vor dem Quartier zu überwinden, seien jedoch zurück geschreckt, als die GIs ihre Waffen auf sie richteten. Die Stimmung sei allgemein stark aufgeheizt.

Blutrache angedroht - Amerikaner wollen abziehen
Die teilweise beduinischen Einwohner von Faludscha drohten den US-Truppen Blutrache an. Amerikanische Truppen vor Ort kündigten an, morgen aus der Schule abzuziehen.

 

US-Truppen in Bagdad werden verstärkt
Die USA kündigten unterdessen an, die Zahl ihrer Soldaten in der Hauptstadt Bagdad zu erhöhen, um für mehr Sicherheit und Stabilität in Bagdad zu sorgen. In den nächsten sieben bis zehn Tagen sollen insgesamt 3000 bis 4000 zusätzliche Soldaten und Militärpolizisten entsandt werden. Derzeit haben die USA rund 12.000 Soldaten in Bagdad stationiert, in anderen Landesteilen sind es rund 150.000.