Tote und Verletzte bei Explosionen in Bagdad

Unbekannte haben Leuchtgeschosse auf ein Munitionslager der US-Armee in Bagdad abgefeuert und damit eine Serie von Explosionen ausgelöst. Dabei wurden mindestens neun Menschen getötet, darunter drei Babys. Zornige Anwohner schossen auf US-Soldaten, die Verletzte behandeln und Leichen bergen wollten. Ein Sprecher der US-Armee sagte, die Anwohner hätten geglaubt, die Soldaten seien für die Explosionen verantwortlich.

Leuchtgeschosse trafen Munition
Hauptfeldwebel Gary Coker erklärte der Fernsehnachrichtenagentur APTN, die Leuchtgeschosse seien offenbar von jemandem abgefeuert worden, "der wusste, was so etwas auf einem Haufen Munition anrichten kann". Die Geschosse landeten nach Angaben von Oberfeldwebel Roger King auf Munitionskisten, dies habe die Explosionen ausgelöst. In dem von hohen Mauern umgebenen Depot im Viertel Safaranijah wurde US-Munition sowie irakische Munition gelagert, die US-Soldaten im gesamten Stadtgebiet eingesammelt hatte. In dem Depot wurden in den vergangenen Tagen in kontrollierten Explosionen Waffen zerstört.

US-Armee: "Äußere Quelle verantwortlich"
Oberst John Peabody, der Kommandeur der 11. Pionierbrigade des Heeres, erklärte, die US-Amerikaner treffe keine Schuld. Erste Ermittlungen hätten ergeben, dass eine "äußere Quelle" für die Explosionen verantwortlich sei. US-Soldaten hielten Journalisten vom Schauplatz des Geschehens fern. Der US-Sender CNN zeigte Bilder von verletzten Frauen und Kindern. Anwohner suchten unter Betontrümmern nach verschütteten Angehörigen.

Iraker werfen Steine auf US-Soldaten
Ein Kastenwagen mit sechs Särgen - offenbar Opfer der Explosionen - fuhr durch das Viertel. Männer umringten die Särge und riefen "Nieder mit Amerika". Oberfeldwebel King sagte, einige Iraker hätten Steine auf US-Soldaten geschleudert und nach ihnen gespuckt. Eine Augenzeugin sagte, sie habe vier zerstörte Häuser und viele Tote gesehen. Ein anderer Augenzeuge sprach von vielen zerstörten Häusern. Sie seien von Raketenteilen getroffen worden. Hunderte Menschen folgten einem Aufruf der US-Armee zur Evakuierung der Gegend und verließen das Gebiet in ihren Privatfahrzeugen.

 

 

 

 

 

 

 

Tote und Verletzte nach der Explosion in Bagdad (Foto: Reuters)

Tödliche Explosion in Bagdad


Mindestens acht Menschen sollen bei der Explosion eines Munitionsdepots umgekommen sein. Reporter berichteten von dramatischen Szenen.


Viele Tote bei Explosionswelle in Bagdad

Anwohner mit verletztem Baby (Foto: Reuters)

Einer der Anwohner mit seinem neun Monate alten Sohn, der schwere Brandverletzungen hat.

Mindestens acht Menschen sind bei einer Serie von Explosionen in einem Munitionsdepot nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet worden. Nach Angaben von Anwohnern wurden 27 weitere Zivilisten verletzt, als mehrere Raketen aus dem Militärgelände auf ein Wohnviertel niedergingen. Medienberichte, die zunächst von bis zu 40 Toten als Folge der Explosionen ausgegangen waren, hatten sich als überhöht erwiesen.

 

Anwohner: US-Armee hat nicht aufgepasst
Über die Ursache gab es widersprüchliche Angaben. US-Major Frank McLary, dessen Einheit sich an den Bergungsarbeiten beteiligte, sagte, Unbekannte hätten am Morgen von außen auf das Militärgelände gefeuert und dadurch eine Kettenreaktion ausgelöst. Dagegen meinten Anwohner, das US-Militär habe bei der Zerstörung der irakischen Armeebestände nicht genügend aufgepasst.

Explosionen dauerten über eine Stunde
Die mehr als eine Stunde lang andauernden Explosionen waren bis ins rund 15 Kilometer weit entfernte Stadtzentrum von Bagdad zu hören. Nach Angaben von Augenzeugen starben allein im Haus einer Familie im Vorort Safaranije acht Menschen, darunter mehrere Kinder.

US-Major: Vierter Vorfall innerhalb 48 Stunden
US-Major McLary sagte, auch ein amerikanischer Soldat sei bei den Explosionen verletzt worden. Weitere US-Soldaten hätten sich in Sicherheit bringen können, als die Munition auf dem Gelände Feuer fing. Nach seinen Angaben hatten Unbekannte auf das Militärgelände gefeuert, auf dem unter anderem Raketen der irakischen Armee gelagert wurden. "Es war der vierte Vorfall dieser Art im Raum Bagdad innerhalb von 48 Stunden", sagte der Major.

Arzt: US-Soldaten wollten Munition

Zerstören

 

Mutter mit ihrem verletzten Sohn (Foto: Reuters)

Ein junger Iraker liegt mit Brandverletzungen auf einer Bahre, neben ihm seine Mutter.

 
Anwohner in Safranije widersprachen den Angaben des US-Militärs. Die US-Soldaten hätten bei der Zerstörung der irakischen Armee-Bestände nicht genügend aufgepasst. Das Depot sei so gut bewacht, dass niemand von außen auf die Munitionslager habe schießen können. "Die Amerikaner wollten offenbar Munition und Bomben der irakischen Armee zerstören, als das Feuer plötzlich auf weitere Geschütze und Raketen übergriff", sagte ein Arzt in einem Krankenhaus in Safaranije. Augenzeugen sahen in dem Viertel mehrere zerstörte Wohnhäuser sowie mindestens vier Raketen, die nicht explodiert waren.

"Das ist doch verantwortungslos"
In dem Haus der Familie mit acht Toten befanden sich am Mittag noch immer zwei Kinder unter den Trümmern. Die Nachbarn zeigten sich fassungslos. "Wie können die Amerikaner direkt neben einem Wohnviertel Munition sprengen, das ist doch verantwortungslos", sagte ein Nachbar der Getöteten.

Raketen sollten abtransportiert werden

Trauer und Entsetzen nach den Explosionen (Foto: Reuters)

Trauer und Entsetzen nach den Explosionen: Anwohner tragen einen Sarg weg.


Major McLeary bestätigte, dass mehrere Bewohner des Viertels kurz vor der Explosion zu dem Munitionsdepot gekommen waren und die US-Soldaten aufgefordert hätten, die am Vorabend dorthin gebrachten Raketen aus Sicherheitsgründen an einen anderen Ort zu bringen. "Wir haben hier in den vergangenen Tagen mehrere kontrollierte Explosionen durchgeführt, aber die Raketen wollten wir an einen Ort bringen, wo es keine Häuser gibt", erklärte er. "Wir haben nicht genug Kapazität, um die ganze in Bagdad herumliegende Munition einzusammeln", fügte er hinzu. Während des Krieges war Safranije von Luftangriffen weitgehend verschont geblieben.

Demonstration vor Hotel Palestine
Vor dem von ausländischen Journalisten und US-Militärs bewohnten Palestine-Hotel in der innenstadt von Bagdad versammelten sich am Mittag rund 300 Demonstranten aus dem betroffenen Viertel. Einige hielten Plakate mit der Aufschrift "Die Amerikaner sind nicht besser als Saddam" hoch. Andere riefen: "Wieviel Blut soll noch fließen bis wir endlich in Frieden leben können?"


Französische Raketen für Saddam?

  
Als wären die Beziehungen zwischen Washington und Paris nicht schon angespannt genug: US-Soldaten sollen im Irak französische Raketen gefunden haben.

 

US-Vorwürfe: Saddams French-Connection


Lieferte Frankreich Raketen an Saddam? (Foto: dpa)

dpa

Lieferte Frankreich Raketen an Saddam? (Foto: dpa)

 


Seit Monaten herrscht schon Funkstille zwischen Paris und Washington. Jetzt liefert ein Medienbericht neues Futter für die "French Basher" in den USA, die gerne auf die Franzosen eindreschen: Frankreich soll Waffen an Saddam geliefert haben.

Raketen aus französischer Produktion
Informationen des amerikanischen Wochenmagazins "Newsweek" zufolge fand die dritte US-Infanteriedivision in zwei Militärdepots am internationalen Flughafen von Bagdad 51 "Roland-2"-Raketen aus französischer Produktion. Eine der Raketen soll die Aufschrift "05-11 KND 2002" tragen, was US-Militärs zufolge ein deutlicher Hinweis darauf sein soll, dass dieses Geschoss im vergangenen Jahr hergestellt wurde.

US-Jet von "Roland" zerstört?
Außerdem seien die verkohlten Überreste eines "Roland-3"- Flugkörpers in unmittelbarer Umgebung der zwei Fundstellen sichergestellt worden. Nach Pentagon-Angaben soll Anfang des Monats ein "Roland"-Geschoss ein Flugzeug der US-Luftwaffe zerstört haben.

Brandneue Funkgeräte
Darüber hinaus wollen die US-Militärs in Fahrzeugen der irakischen Armee brandneue Funkgeräte mit dem Aufdruck "Made in France" sowie Nachtsichtgeräte mit französischen Labels und der eingeprägten Zahl "2002" gefunden haben. Ein sichergestellter neuer Nissan-Pick-up, zuletzt gefahren von einem irakischen Offizier, stamme ebenfalls aus französischer Herstellung.

Gitanes, Silberware und Unterwäsche
Dem Medienbericht zufolge hatte es dem gestürzten Diktator Saddam Hussein jedoch nicht nur französische Militärausrüstung angetan, sondern er hegte auch eine Vorliebe für französische Luxusgüter. So sollen amerikanische Truppen in Palästen des irakischen Ex-Despoten aus Frankreich importierte Silberware mit eingelassenem Logo der Baath-Partei und Pakete mit französischer Unterwäsche in die Hände gefallen sein. Zudem sei ein Palast mit Zigarettenkippen der Marken Gauloises und Gitanes übersät gewesen.

"Alte Ware"
Während Konservative in Washington laut "Newsweek" vor Wut über diese Funde schäumen und die "French Basher" im US-Fernsehen und im Internet zu Sanktionen gegen Frankreich und weiteren Protestaktionen gegen französische Güter aufrufen, verteidigt sich Paris damit, das strenge Embargo gegen den Irak stets eingehalten zu haben. Über die französische Botschaft in Washington lässt die Chirac-Administration ausrichten, dass es sich bei den "Roland-2" um alte Raketen handele, die der Hersteller schon seit Jahren nicht mehr produziere.

 

 


French-Connection... (Fortsetzung)

Die "Roland-3"-Flugkörper seien allerdings neuerer Bauart. Einer Sprecherin der französischen US-Vertretung zufolge kann sich der Elysée-Palast das Auftauchen dieser Militärgeräte und Güter im Irak nur damit erklären, dass es sich um Schwarzmarktware handeln muss, die illegal über Drittländer in den Irak gelangt sein kann.

Embargo unterlaufen
Aber nicht nur gegen Frankreich richtet sich dieser Tage der Zorn der US-Politik und -Medien. Auch andere Länder, die sich im Uno-Sicherheitsrat gegen die Irak-Invasion ausgesprochen hatten, stehen unter dem Vorwurf am Pranger, gegen das vor 13 Jahren von den Vereinten Nationen verhängte Embargo verstoßen und den Irak mit Militärausrüstung beliefert zu haben. Dabei wird neben China und Deutschland vor allem auch Russland genannt.

Vorwürfe gegen Putin
Der russischen Föderation wird - auch seitens der US-Regierung - vorgeworfen, die irakische Armee mit Minen, Nachtsichtgeräten, Panzerabwehrraketen sowie GPS-"Jamming"-Technologie zur Störung amerikanischer Marschflugkörper ausgestattet zu haben. Zudem will der britische "Daily Telegraph" über Informationen verfügen, die belegen, dass Russland in den Monaten vor dem Krieg vertrauliche Informationen über Gespräche zwischen Tony Blair und anderen westlichen Regierungschefs an Saddam Hussein weitergeleitet haben soll. Die Putin-Regierung wies diese Anschuldigungen als "frei erfunden" zurück.

"Keine russischen Waffen"
Auch die Online-Ausgabe der Moskauer "Prawda", die bereits von einer "gezielten Verschwörung amerikanischer und britischer Medien" spricht, verteidigt die Regierung gegen die Vorwürfe. Bislang seien keine russischen Waffen im Irak sichergestellt worden. "Es gibt aber keinen Zweifel, dass die Amerikaner einige wenige russische Waffen finden werden, sofern das Washington hilft", schreibt die Zeitung.

Keine Skandale
Amerikanische und britische Medien sowie Behörden würden dagegen unter den Teppich kehren, dass auch verschiedene Waffen aus amerikanischer und britischer Produktion gefunden wurden, wettert die "Prawda" weiter. Beispielsweise seien bei Basra britische Marines auf Waffen der englischen Firma Wallop Defence Systems gestoßen, die als einer der führenden Militärausrüster des Vereinigten Königreichs gilt. US-Soldaten sollen in einem Bagdader Depot auf zwölf Panzerabwehrraketen amerikanischer Bauart gestoßen sein. "Doch darüber wird es wohl keine skandalösen Enthüllungsgeschichten geben", so die Tageszeitung.

Deutschland größter Embargo-Sünder
Nachweislich als einer der größten Irak-Embargo-Sünder gilt Deutschland. In den letzten Jahren waren mehrfach Fälle bekannt geworden, in denen deutsche Geschäftsleute die Uno-Handelsbeschränkungen umgangen hatten. Recherchen des ARD-Fernsehmagazins "Report München" zufolge soll die Beteiligung deutscher Firmen an der Rüstung des Irak vor dem Jahr 2000 sogar wesentlich umfangreicher gewesen sein als lange Zeit angenommen: Ingesamt sollen über hundert deutsche Unternehmen das Einfuhrverbot unterlaufen und Saddam Hussein mit Militärausrüstung beliefert haben.

 

 

 

 

 

 

Bush will Krieg offiziell beenden


Zwei irakische Landsmänner nahe Al-Sharkat (Foto: dpa)

dpa

Zwei Iraker laufen in der Wüste bei Al-Sharkat an einer Rakete vorbei.


Das offizielle Ende des Irak-Krieges naht: Kommenden Donnerstag will US-Präsident George W. Bush den Krieg feierlich für beendet erklären. Geplant ist eine Rede auf dem Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln", der im Krieg eingesetzt wurde und sich nun auf der Heimfahrt nach San Diego (Kalifornien) befindet.

 

Gefahr dennoch nicht gebannt
Nach Angaben des Weißen Hauses will Bush verkünden, dass die Kampfhandlungen gegen eine organisierte irakische Armee beendet seien. Einen organisierten Widerstand im Irak gibt es derzeit nicht mehr - lediglich vereinzelte Widerstandsnester werden noch bekämpft. Den US-Streitkräften drohen somit prinzipiell auch weiterhin noch Angriffe durch Heckenschützen und irreguläre Kämpfer.

Was getan wurde und getan werden muss
Bush will den Truppenbesuch außerdem nutzen, um dem amerikanischen Volk über die erfolgreiche Beendigung der Invasion zu berichten. Auch wird er voraussichtlich über die bevorstehende Phase des Wiederaufbaus des zerstörten Landes sprechen.