26.3.03
Vormarsch der Alliierten ins Stocken geraten

Der Vormarsch der alliierten Truppen nach Bagdad ist nach Angaben der irakischen Führung vorläufig zum Erliegen gekommen. Auch der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon bestätigte, dass ein Teil der Streitkräfte weiter rund 100 Kilometer vor Bagdad seien. Gleichzeitig gibt es zunehmend Hinweise auf eine mögliche irakische Gegenoffensive.

 

Irakische Soldaten von Saddams Eliteeinheit, der Republikanischen Garde (Foto:

Irakische Soldaten von Saddams Eliteeinheit, der Republikanischen Garde sind offenbar auf dem Vormarsch.

 

 

Gefechte noch in dieser Nacht erwartet
Der amerikanische Sender CNN meldete, dass sich ein irakischer Kampfverband mit rund 1000 zum Teil gepanzerten Fahrzeugen von Bagdad aus südlich auf US-Einheiten zubewegt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es noch in der Nacht zu Angriffen komme, sagte ein CNN-Reporter, der die 7. US-Kavallerie begleitet.

Weitere Militärkolonne aus Basra unterwegs
Nach einem Bericht des britischen Senders BBC soll sich auch eine irakische Militärkolonne von Basra in Richtung der strategisch wichtigen Halbinsel Fau in Bewegung gesetzt haben. Die Kolonne habe eine Stärke von 70 bis 120 Panzern und Schützenpanzerwagen. Alliierte Flugzeuge hätten das Feuer auf die Truppen eröffnet, berichteten Reporter.

Irakische Gegenoffensive im Anmarsch
Zuvor hatten amerikanische Aufklärer Truppenbewegungen eines Konvois von 1000 Fahrzeugen mit rund 5000 Soldaten der Republikanischen Garde gemeldet. Die Truppen der Elite-Einheit von Staatschef Saddam Hussein sollen sich nach Informationen der US-Offiziere im Irak auf die am Euphrat gelegene Stadt Nassarijah zu bewegen. Dort liefern sich die Kriegsparteien seit Tagen heftigste Kämpfe.

Dutzende Tote bei neuen Luftangriffen
Unterdessen ist die irakische Hauptstadt Bagdad auch am Abend wieder von einer Welle schwerer US-Luftangriffe getroffen worden. Augenzeugen berichteten von mehreren Explosionen in den südlichen Außenbezirken. Dabei soll es Dutzende von Toten gegeben haben.

Explosion in der Innenstadt von Bagdad
Bei schweren Explosionen in einer belebten Geschäftsstraße in Bagdad sind am Morgen mindestens 14 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, sind im nördlichen Teil der Hauptstadt zwei Marschflugkörper eingeschlagen. Dort gibt es zahlreiche Wohnhäuser und Geschäfte.

Kampf um Basra (Foto: Reuters)

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Ein britischer Soldat beim Kampf um Basra

 

Britische Truppen vor Basra in Lauerstellung
Die Lage in der von alliierten Truppen eingeschlossenen Stadt Basra blieb dagegen weiter unklar. Der britische Premierminister Tony Blair sprach von einem Aufstand in "begrenzter Form". Der Sender El Dschasira, der ein eigenes Team in der südirakischen Großstadt hat, berichtete allerdings, dass es keine Anzeichen einer Rebellion gebe. Die britischen Truppen, die Basra eingeschlossen haben, warten nach Angaben eines Militärsprechers auf den besten Moment, in die Stadt einzurücken. "Es gibt nur ein Ziel: Wir müssen die Stadt im Interesse der Bevölkerung befreien."

Heftige Gefechte im mittleren Irak
In der Nähe der Stadt Nadschaf lieferten sich Einheiten des 7. Kavallerieregiments der US-Streitkräfte erbitterte Gefechte mit irakischen Kräften. Dabei kamen nach Angaben von US-Offizieren bis zu 500 irakische Soldaten ums Leben. Die US-Streitkräfte meldeten zwei zerstörte Panzer, aber keine menschlichen Verluste.

Atillerieangriffe im Süden
Im äußersten Süden lieferten sich britische Truppen weiter heftige Atilleriegefechte mit etwa 1000 irakischen Milizionären. Der britische Militärsprecher Al Lockwood teilte mit, es seien irakische Soldaten angegriffen worden, die gegen aufständische Schiiten vorgegangen seien.

Alliierten auf Häuserkämpfe vorbereitet
Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte, die Truppen seines Landes seien auch auf Häuserkämpfe in Städten vorbereitet, um Saddam Hussein zu entmachten. Dies sei zwar keine erwünschte Entwicklung, "aber wenn nötig, gibt es keinen Zweifel an unserer Entschlossenheit".

 

Explosion in Bagdad tötet mehrere Zivilisten

Bei einer Explosion sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad offenbar mindestens 14 Menschen getötet worden. Ein Korrespondent berichtete von verbrannten Leichen auf den Straßen eines beliebten Wohngebiets, andere Berichte sprechen von einer belebten Geschäftsstraße. Es habe viele Verletze gegeben, sagten Journalisten, die die Szene anschließend besuchten. Anwohner hätten sogar von 45 Toten gesprochen. Es war zunächst unklar, was die Explosion ausgelöst hatte. Offizielle irakische Stellen erklärten, es sei eine alliierte Bombe oder Rakete gewesen.

 

 

 

 

Bild der Verwüstung in Bagdad (Foto: Reuters)

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Ein Bild der Verwüstung in Bagdad: Häuser sind zertrümmert, Autos brennen.

 

 

 

Angeblich weitere Explosionen
Im Norden Bagdads soll es eine weitere Explosion gegeben haben, teilte das irakische Informationsministerium mit. Ein viel besuchter Markt sei bei einem Luftangriff getroffen worden. Es habe "sehr, sehr viele" Opfer gegeben, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Die Stelle werde später am Tage Journalisten gezeigt.

Heftigste Angriffe seit Beginn des Krieges
Alliierte Luftstreitkräfte griffen am Nachmittag erneut Ziele in und um Bagdad an. Der Korrespondent des arabischen Fernsehsenders El Dschasira sprach vom heftigsten Bombardement seit Beginn des Krieges. Insbesondere die Vororte der irakischen Hauptstadt seien getroffen worden. Es seien heftige Explosionen zu hören gewesen. Um Bagdad hat die Medina-Division, eine Eliteeinheit der Republikanischen Garden, zur Verteidigung der Fünf-Millionen-Metropole Stellung bezogen.

Immer mehr zivile Opfer
Ausgebrannte Autos auf irakischen Straßen, weinende Mütter über Kinderleichen, ein kleiner Junge mit abgerissenem Hinterkopf. Überall im Irak sind die Kriegsopfer unter der Zivilbevölkerung sichtbar. Aber niemand vermag sie zu zählen, während sich Invasionstruppen und irakische Streitkräfte heftige Kämpfe in nahezu allen Landesteilen liefern und Bagdad weiter bombardiert wird.

Noch keine verlässlichen Zahlen
"Es gibt keine verlässlichen Zahlen über die zivilen Opfer", sagt der Sprecher des Kinderhilfswerks Unicef für den Irak, Geoffrey Keele. Nach Angaben der irakischen Regierung sind bisher 194 Einwohner getötet worden. Ein privater Internet-Dienst hat unterschiedliche Informationen zusammengetragen und schätzte gestern die Zahl der zivilen Toten auf 213 bis 292. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Bagdad hat seit Sonntag 14 Tote und 110 Verletzte registriert, hält aber höhere Zahlen für möglich. "Wir geben erst dann Zahlen von Opfern bekannt, wenn wir dies mit eigenen Augen gesehen haben", erklärt Muin Kassis vom Roten Kreuz. Aus anderen Städten und Landesteilen hat das IKRK keine eigenen Informationen. Vor allem im belagerten Basra sind die 1,3 Millionen Einwohner in Gefahr. UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte vor einer Katastrophe und mahnte rasche humanitäre Hilfe an.

Flüchtlingsberichte
Journalisten, Taxifahrer und Flüchtlinge, die an der irakischen Grenze eintreffen, berichten von Dutzenden ausgebrannten Autos entlang der Straße aus Bagdad. Irakische Zeitungen veröffentlichen Bilder von enthaupteten Körpern. Und täglich zeigen arabische Fernsehsender Aufnahmen aus Krankenhäusern, wo Männer, Frauen und Kinder unter schweren Verletzungen leiden, die ihnen Raketen und Bomben von Amerikanern und Briten zugefügt haben. "Mein Sohn wurde bei Granatenangriffen getötet", klagt eine Frau in einem Klinikbett, die vom saudiarabischen Fernsehsender El Arabija gefilmt wurde. Ihr zweiter Sohn, noch im Kleinkindalter, liegt im Krankenbett daneben.

Schreckliche Bilder
Der Sender El Dschasira zeigte Aufnahmen von einem etwa zwölfjährigen Jungen, dem der halbe Kopf abgerissen wurde. Ein Moderator des Senders entschuldigt sich für die schrecklichen Bilder, fügt aber hinzu: "Die Welt sollte die Wahrheit wissen."

Bus von Rakete getroffen
Ein Bus mit syrischen Arbeitern auf der Flucht vor dem Krieg war bereits am Sonntag von einer Rakete getroffen worden. Dabei sollen fünf Menschen getötet und zehn verletzt worden sein. Eine Sprecherin des US-Zenralkommandos sagte, sie habe keine Informationen dazu.

"Von amerikanischen Streitkräften kaltblütig getötet"
Schon am ersten Kriegstag wurde ein jordanischer Taxifahrer bei einem Raketenangriff getötet, während er auf einem Rastplatz 240 Kilometer westlich von Bagdad telefonierte. Ein befreundeteter Taxifahrer, wurde blass, als er hörte, dass einer seiner eigenen Fahrgäste Spanisch sprach - Spanien gehört mit zu den Verbündeten der USA. "Raus aus meinem Auto, bevor ich etwas anstelle", herrschte er den Fahrgast an. "Ihr Volk hat meinen Freund umgebracht. Er wurde von den amerikanischen Streitkräften kaltblütig getötet."

Bericht: US-Truppen wollen erst den Süden sichern

Seit Tagen liefern sich irakische und amerikanische Truppen heftige Gefechte in der Mitte Iraks. Nach Angaben des US-Militärs haben sich Elitetruppen Saddams in Bewegung gesetzt. Wie die "New York Times" berichtet, wollen die US-Streitkräfte ihre Strategie ändern.

 

Geänderte US-Strategie?
Dem Bericht zufolge wollen die US-Truppen vor einem Sturm auf Bagdad zunächst den irakischen Süden sichern. Einen Großangriff auf die irakische Hauptstadt werde es erst geben, wenn die Kämpfe im Süden des Landes beendet seien, berichtete die US-Tageszeitung unter Berufung auf hochrangige US-Militärs. Die Koalitionstruppen wollten sich aber weiterhin auf wichtige Schaltstellen der irakischen Führung sowie deren Waffenlager konzentrieren und Häuserkämpfe vermeiden, hieß es weiter.

US-Soldaten bei Nadschaf (Foto: dpa)

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US-Soldaten bei Nadschaf

 

(Foto: Reuters)

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Im Nordosten von Bagdad kommt es in einer belebten Geschäftsstraße zu einer heftigen Explosion.

 

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Es war zunächst unklar, was die Explosion in der Straße, an der zahlreiche kleinere Geschäfte liegen, ausgelöst hatte.

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Nach Augenzeugenberichten starben mindestens 14 Menschen.

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Bei der Explosion wurden mehrere Geschäfte zerstört, berichtete ein BBC-Reporter.

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Iraker schreien ihren Unmut heraus. Die Geschäftsstraße liegt in einem beliebten Wohngebiet in Bagdad.

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Geschockte Iraker stehen in den Trümmern ihrer Existenz. Offizielle irakische Stellen sprachen von einem alliierten Angriff mit Raketen oder Bomben. Das alliierte Oberkommando in Katar machte zunächst keine Angaben über eine Bombardierung in dem betroffenen Teil von Bagdad.

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