Der Irak seit dem Ersten Weltkrieg

zusammengestellt von Christian Kreutzer

Erster Weltkrieg: Der Irak, seit dem frühen 16. Jahrhundert ein Teil des Osmanischen Reiches, gerät 1917 unter britische Militärherrschaft.

1920: Nach dem Ende der Militärherrschaft wird der Irak britisches Mandatsgebiet und erhält die Selbstverwaltung. Der Sohn des Scherifen von Mekka, Faisal I., wird zum König proklamiert. 1925 finden die ersten Parlamentswahlen statt.

1932: Der Irak wird unabhängig und tritt dem Völkerbund bei. Im Innern ist das Land instabil: Soziale Spannungen, Rivalitäten unter den mächtigen Familienclans und Staatsstreiche der Armee führen zu ständigen Regierungswechseln.

1958 : General Abd al-Karim Qasim putscht gegen Faisal II. Der König, sein Sohn und der Ministerpräsident Nuri al-Said kommen dabei ums Leben. Qasim schafft die Monarchie ab und ruft die Republik aus.

1968: Offiziere die der arabisch-sozialistischen Baath-Partei angehören übernehmen die Macht. Die Führer der Baath ("Wiedergeburt"), die auch in Syrien herrscht, beginnen mit der Gleichschaltung von Gesellschaft und Armee. Die treibende Kraft hinter den Zwangsmaßnahmen ist der stellvertretende Generalsekretär der Partei, Saddam Hussein al-Takriti.

1972: Der zuvor von den Briten dominierte Erdölsektor wird verstaatlicht, die Förderung gesteigert. Die enormen Einnahmen ermöglichen nun einen großzügigen wirtschaftlichen Aufbau.

1975: Saddam Hussein schließt einen Vertrag mit dem Schah von Persien. In der Folge gibt der Schah die Unterstützung des seit 1968 andauernden Kurdenaufstands im Nordirak auf.

 

Brennende Öltanks in Basra (Foto: dpa)

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1. Golfkrieg (1980 - 1988): In der Hafenstadt Basra brennen Öltanks nach einem Angriff der iranischen Luftwaffe.

 

1979: Saddam, der die Politik schon zuvor dominiert hat, wird Staatspräsident, Generalsekretär der Baath-Partei, Oberkommandierender der Streitkräfte und Vorsitzender des Revolutionsrates, dem höchsten Machtorgan im Irak.

(Bild: iran-irak03-dpa / BU: Öltanks in Basra brennen nach einem iranischen Luftangriff)

1980: Saddam beginnt einen Krieg gegen den Iran, wo ein Jahr zuvor der Ayatollah Khomeini die Macht übernommen hat. Er setzt Giftgas gegen iranische Truppen und Raketen gegen die iranische Zivilbevölkerung in den Städten ein. Nun interessieren sich die USA und Europa für das Land. Es kommt zu mehreren Treffen mit westlichen Unterhändlern, darunter dem heutigen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

 

Das Massaker von Halabdscha (Foto: dpa)

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Massaker: Leichen kurdischer Kinder nach dem Gasangriff auf Halabdscha

 

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März 1988: Saddams Cousin Ali Hassan al-Madschid (Spitzname ?Chemie-Ali?) leitet eine Strafaktion gegen die Kurden im eigenen Land, von denen im Krieg viele zum Iran gehalten haben: Die Gegend um die Stadt Halabdscha wird mit chemischen Kampfstoffen bombardiert. 5000 Zivilisten sterben.

1989: Der Irak forciert nach Kriegsende seine ABC-Waffenprogramme. Israel bedroht er für den Fall eines Angriffs mit dem Einsatz von Giftgas (israelische Kampfjets hatten 1981 einen irakischen Atomreaktor zerstört). Die westlichen Unterstützer Saddams werden zunehmend misstrauisch und gehen auf Distanz zu dem Diktator. Gleichzeitig drängt Saddam die arabischen Ölstaaten, dem Irak seine Staatsschulden aus dem Krieg gegen den Iran (ca. 80 Milliarden US-Dollar) zu erlassen. Von Kuwait verlangt er Wiedergutmachung für unrechtmäßig gefördertes Öl sowie Grenzveränderungen.

1990: Kuwait weigert sich, den irakischen Forderungen zu entsprechen und wird daraufhin am 2. August von irakischen Truppen annektiert.

 

1991: Amerikanische Tansporthubschrauber in Saudi-Arabien (Foto: dpa)

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Auftakt zum Krieg: Amerikanische Tansporthubschrauber starten 1991 aus Saudi-Arabien

 

17. Januar 1991: Das Ultimatum, das die UN dem Irak zum Rückzug aus Kuwait gesetzt haben, verstreicht. Die Operation "Wüstensturm" läuft an. Ein mehrwöchiges Bombardement beginnt.

24.2.1991: Die USA starten eine Bodenoffensive und vertreiben die irakischen Truppen innerhalb weniger Tage aus Kuwait. Ärzteorganisationen schätzen, dass zwischen 100- und 200.000 irakische Zivilisten bei den Luftangriffen ums Leben gekommen sind. Doch Saddam hält sich an der Macht: Die USA rücken nicht auf Bagdad vor. Aufstände von Kurden und Schiiten werden von dem Diktator blutig niedergeworfen.

April 1991: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt den Irak zur Zerstörung aller Massenvernichtungswaffen unter Aufsicht der UN und zum Verzicht auf weitere Waffenprogramme. Zudem muss der Irak Entschädigungszahlungen an Kuwait leisten.

1992: Im Norden und Süden des Landes werden Flugverbotszonen zum Schutz der kurdischen und der schiitischen Bevölkerung eingerichtet. Die UN erlässt ein Handelsembargo.

Juni 1993: Irakische Agenten bereiten ein Attentat auf den amerikanischen Ex-Präsidenten George Bush senior bei seinem Besuch in Kuwait vor. Der Plan wird bekannt. US-Truppen beschießen die irakische Geheimdienstzentrale.

August/ September 1997: Irakische Truppen intervenieren im innerkurdischen Konflikt. US-Militärschläge sind die Folge. Die Flugverbotszone wird ausgeweitet.

 

Amerikanische F-15 über der nördlichen Flugverbostzone (Foto: dpa)

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Amerikanische F-15 über der nördlichen Flugverbostzone (Foto: dpa)

 

November 1997: Wegen der Behinderung der Arbeit der Waffenkontrolleure verschärft der UN-Sicherheitsrat die Wirtschaftssanktionen. Bagdad weist schließlich die amerikanischen Unscom-Inspektoren aus. Auch die übrigen Inspektoren verlassen das Land. Wenig später kehren sie zurück, können jedoch weiterhin nicht unbehindert arbeiten.

November 1998: Die USA marschieren erneut am Golf auf. UN und internationale Organisationen ziehen ihre Mitarbeiter ab.

Dezember 1998: In der "Operation Wüstenfuchs" bombardieren Amerikaner und Briten vier Tage lang Bagdad. China, Russland und Frankreich verhindern ein neues Kontrollmandat des Sicherheitsrates.

Oktober 1999: Das UN-Projekt "Öl für Lebensmittel" läuft an. Es soll die wachsende Not der Zivilbevölkerung lindern. Amerikanische und britische Bomber fliegen bis in den Sommer 2001 immer wieder Angriffe - alle drei Tage einen schötzt Schätzungen der frühere deutsche Leiter der UN-Hilfe, Hans Graf von Sponeck. Jedes Mal werden Zivilisten getötet und verletzt.

Juli 2001: Der Sicherheitsrat verlängert das "Oil-for-Food"-Programm.

 

11. September 2001: Beginn einer neuen Epoche (Foto: dpa)

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11. September 2001: Beginn einer neuen Serie weltweiter Kriege

 

 

September 2001: Saddam reagiert mit Schadenfreude auf die Anschläge des 11. September und bezeichnet sie als "Früchte der amerikanischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Einzelne Politiker verdächtigen den Irak der Mittäterschaft.

 

Führer der irakischen Exilopposition (Foto: dpa)

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Führer der irakischen Exilopposition (von links: Ahmed Dschalabi und Sharif Ali bin al Hussein vom irakischen Nationalkongress sowie Dschalal Talabani von der Patriotischen Union Kurdistans)

 

November 2001: US-Präsident George Bush junior droht Saddam mit Konsequenzen, wenn er die Waffeninspekteure nicht wieder ins Land lässt. Die Vertreter der arabischen Liga lehnen Militärschläge gegen den Irak ab.

29. Januar 2002: In seiner Rede zur Lage des Nation bezeichnet Bush den Irak, den Iran und Nordkorea als "Achse des Bösen".

Sommer 2002: Der Irak gerät zunehmend ins Visier der USA. Immer deutlicher drohen die USA mit einem Militärschlag. Die deutsche und die französische Regierung distanzieren sich von dem Ansatz der USA.

8. November 2002: Nach schwierigen Verhandlungen verabschiedet der Sicherheitsrat die Resolution 1441. Darin wird gefordert, dass der Irak Waffeninspekteure ins Land lässt und ihnen freien Zugang zu allen Gebäuden gewährt. Für den Fall, dass er nicht kooperiert, wird mit "ernsten Konsequenzen" gedroht. Der Irak akzeptiert nach anfänglichem Sträuben.

27. November: Die Waffeninspekteure nehmen ihre Arbeit auf.

15. Dezember 2002: Die zersplitterte irakische Exil-Opposition trifft sich in London, um über eine Regierung für die Zeit nach Saddam zu beraten. Bei dem Treffen werden die tiefen Gräben zwischen den einzelnen Gruppen offenbar.

(Bild: irak-oppo-dpa / BU: Führer der irakischen Exil-Opposition. (von links: Ahmed Dschalabi und Sharif Ali Bin Al Hussein vom Irakischen Nationalkongress sowie Dschalal Talabani von der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) )

27. Januar 2003: Die UN-Chefwaffeninspekteure, Hans Blix und Mohammed al-Baradei, legen einen vorläufigen Bericht der Kontrollen vor. Darin finden sich keine wesentlichen Verstöße gegen die Auflagen der UN. Dem Irak wird bescheinigt, die Inspektoren nicht wesentlich zu behindern. Kritisiert wird gleichzeitig, dass der Irak den Beweis über die angebliche Vernichtung seiner chemischen und biologischen Waffen schuldig bleibt. Blix fordert den Sicherheitsrat auf, die Kontrollen zu verlängern.

30. Januar 2003: Die Staats- und Regierungschefs von acht europäischen Staaten, darunter Spanien und Großbritannien rufen zur Unterstützung der Irak-Politik von US-Präsident Bush auf.. Sie distanzieren sich damit von der Haltung Deutschlands und Frankreichs. Diese wollen Militärschläge so lange wie irgend möglich (Frankreich) beziehungsweise auf jeden Fall (Deutschland) verhindern.

Colin Powell präsentiert Geheimdienstmaterial (Foto: dpa)

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Colin Powell präsentiert im Sicherheitsrat Geheimdienstmaterial gegen das Saddam-Regime

5. Februar 2003: US-Außenminister Colin Powell präsentiert im Sicherheitsrat Satellitenfotos und Aufnahmen von Telefongesprächen, die Verstöße des Irak gegen die UN-Auflagen beweisen sollen. Die anderen Sicherheitsratsmitglieder reagieren skeptisch. Am gleichen Tag stellt US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Deutschland wegen seiner Verweigerungshaltung beim Irak-Konflikt in eine Reihe mit Libyen und Kuba. CSU-Politiker Peter Gauweiler und andere äußern Besorgnis um Rumsfelds Geisteszustand.

15. Februar 2003: Mehrere Millionen Menschen demonstrieren weltweit gegen den Krieg. Mittlerweile sind rund 220.000 Soldaten der USA und ihrer Verbündeten am Golf aufmarschiert. Immer wieder warnen Mitglieder der US-Regierung, die Zeit für den Irak, Beweise für seine Unschuld vorzulegen sei abgelaufen.

21. Februar 2003: UN-Chefinspekteur Blix fordert den Irak zur völligen Zerstörung seiner unerlaubten Raketen vom Typ El Samud 2 und sämtlicher dazu gehörigen Komponenten auf. Diese überschreiten die erlaubte Reichweite von maximal 150 Kilometern. Bagdad muss bis 1. März mit der Umsetzung der Anordnung beginnen.

24. Februar 2003: Washington, London und Madrid legen eine neue Irak-Resolution im Sicherheitsrat vor. Dieser soll beschließen, dass der Irak "seine letzte Chance" zur Abrüstung nicht genutzt habe - das Startsignal zum Losschlagen. Die Veto-Mächte Frankreich, China und Russland vertreten die Ansicht, eine weitere Resolution sei zu diesem Zeitpunkt nicht nötig. Statt dessen sollten die Inspektionen beschleunigt und ausgeweitet werden.

25. Februar 2003: Saddam lehnt in einem Fernsehinterview die Zerstörung der El-Samud-Raketen ab, da diese die Reichweite keineswegs überschritten.

4. März 2003: Hans Blix legt dem Sicherheitsrat einen weiteren Zwischenbericht vor.

16. März 2003: Bush, Blair und Aznar treffen sich auf den Azoren, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Dabei beschließen die drei Staatschefs auf eine weitere UN-Resolution zu verzichten. Die Vereinten Nationen werden damit endgültig übergangen ? der Krieg ist damit theoretisch ein Bruch des Völkerrechts.

17. März 2003: Präsident Bush setzt Saddam und seinen Söhnen Udai und Kusai ein Ultimatum von 48 Stunden, um das Land zu verlassen. In England legen mehrere Kabinettsmitglieder aus Protest gegen Blairs Irak-Politik ihre Posten nieder.

19. März 2003: Saddam hat das Ultimatum erwartungsgemäß verstreichen lassen. Um 22.15 Uhr amerikanischer Ortszeit (6.15 Uhr irakischer Zeit) beginnen die Angriffe auf Bagdad.