Irakischer Ex-Außenminister Tarik Asis (Foto: rtr)

Tarik Asis in US-Gewahrsam

  
Mit dem ehemaligen Vize-Präsidenten des Irak ist den USA der bisher dickste Fisch ins Netz gegangen.

 

US-Armee fasst Iraks Vize-Ministerpräsidenten

Iraks Ex-Außenminister Tarik Asis (Foto: Reuters)

Mit dem ehemaligen Außenminister ist den US-Behörden der bisher bekannteste Vertreter des Regimes von Saddam Hussein ins Netz gegangen.

 

Der Vize-Ministerpräsident der entmachteten irakischen Regierung, Tarik Asis, befindet sich in US-Gewahrsam. Das bestätigte das US-Zentralkommando in der Nacht in Doha im Emirat Katar. Er ist der bisher bekannteste Vertreter des Regimes von Diktator Saddam Hussein in US-Hand. Angeblich stellte sich Asis den US-Behörden nach Kontaktaufnahme durch einen Unterhändler in einem christlichen Stadtteil Bagdads.

 

Zwölf der meist gesuchten Iraker gefasst
Asis steht auf der US-Liste mit den am meisten gesuchten Mitgliedern der ehemaligen irakischen Führung. Auf der 55 Namen umfassenden Liste steht er an 43. Stelle. Erst am Vortag hatten die USA mit der Festnahme von vier hochrangigen Gefolgsleuten Saddam Husseins an einem Tag ihren bis dahin größten Fahndungserfolg erzielt. Drei von ihnen stehen ebenfalls auf der Fahndungsliste. Dabei handelt es sich um den Kommandeur der Luftverteidigung, Musahim Sab Hassan el Tikriti, die Nummer zehn auf der Liste, den Direktor des militärischen Geheimdienstes, Suhair Talib Abd el Sattar el Nakib (Nummer 21) und Handelsminister Mohammed Mahdi el Salih (Nummer 48). Mit Asis sind jetzt insgesamt 12 der 55 meist gesuchten Iraker im US-Gewahrsam.

"Niemals in amerikanische Gefangenschaft"
Asis war mit seinen guten Englischkenntnissen und gewandtem Auftreten auf internationaler Bühne das Gesicht und Sprachrohr des irakischen Regimes. Noch Mitte Februar reiste er zu einer Audienz mit Papst Johannes Paul II., der mehrfach vor einem Krieg gemahnt hatte. In einem Interview des britischen Fernsehsenders ITN hatte Asis noch Ende Januar versichert, er werde "lieber sterben" als "in ein amerikanisches Gefängnis, nach Guantanamo" zu gehen. "Wir sind nicht von der Sorte, die sich ergeben, nur um zwei oder drei Jahre lang ein erbärmliches Leben zu führen. Ich bin 67 Jahre alt."

 

Ausnahmeerscheinung im irakischen Führungszirkel
Der Politiker mit dem schlohweißen Haar und der dicken Brille wurde in Mosul geboren und gehörte seit Jahren zum engsten Führungszirkel des irakischen Staates. Bis zuletzt stand er loyal zum Regime in Bagdad. Als Christ und Nicht-Mitglied des Trikrit-Clans von Saddam Hussein war er eine Ausnahmeerscheinung innerhalb der Führung. Während der Invasion Kuwaits und des darauf folgenden Golfkrieges im Jahr 1991 war Asis Außenminister und galt als gewandter Diplomat. Er kooperierte mit seinen Amtskollegen aus aller Welt und UN-Generalsekretät Kofi Annan. Auf dem Kartenspiel mit den Bildern der meist gesuchten Iraker, das das Pentagon herausgegeben hat, ist Asis die Karte Pik Acht.

Keine Massenvernichtungswaffen gefunden
US-Präsident George W. Bush sei umgehend von Asis' Festnahme informiert worden, hieß es im Weißen Haus. Bislang äußerte er sich jedoch noch nicht dazu. Zuvor hatte er in Ohio eingeräumt, dass die US-Truppen bisher im Irak noch keine Massenvernichtungswaffen gefunden haben. Die Gewissheit, dass das Land diese Waffen besitzt, hatten die Vereinigten Staaten lange Zeit als Hauptgrund für den Krieg im Irak genannt. "Wir wissen, dass Saddam Hussein sie besaß. Ob er sie zerstört, versteckt oder verlegt hat - wir werden die Wahrheit herausfinden", sagte er. Einige Iraker mit Kenntnissen über Waffenprogramme hätten begonnen, mit den US-Behörden zu kooperieren.

Hinweise für Saddams Tod
Bush gab an, Hinweise, aber noch keine Beweise für den Tod des irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu haben. "Die Leute fragen sich, ob er tot ist oder nicht", sagte er in einem Interview des US-Fernsehsenders NBC. "Es gibt einige Hinweise, dass er das sein könnte. Wir würden diese Erklärung aber nie machen, bevor wir mehr Gewissheit haben." Die Person, die den Luftangriff auf Saddam Hussein in der ersten Kriegsnacht dirigiert habe, sei sich aber relativ sicher, dass der irakische Präsident zumindest schwer verwundet worden sei.

 

 

Iraks Ölquellen werden noch lange nicht sprudeln
Irakische Öl-Pipeline (Foto: dpa)

dpa

Bis die irakischen Ölquellen richtig sprudeln können noch Jahre vergehen. Zunächst müssen Milliarden in die maroden Förderanlagen investiert werden.

 


Die möglichen Öl-Einnahmen des Iraks spielen eine Schlüsselrolle, wenn über die Kosten für den Wiederaufbau des Landes gesprochen wird. Es gibt Überlegungen der US-Regierung, nach denen sich die Kriegsfolgen überwiegend oder sogar vollständig aus dem Ölreichtum des Iraks finanzieren ließen. Diese Idee halten die meisten Ölexperten für eine Illusion.

Zweitgrößte Ölreserven der Welt
Mit 15,1 Milliarden Tonnen verfügt der Irak zwar über die zweitgrößten Ölreserven der Welt nach Saudi-Arabien. Allerdings war der irakische Beitrag zur weltweiten Ölversorgung in den vergangenen Jahren bescheiden. Unter den Bedingungen des Embargos durfte der Irak nur begrenzt Öl ausführen und konnte keine Investitionen in die Anlagen mehr vornehmen. Zuletzt produzierte das Land mit maroder Fördertechnik gut zwei Millionen Barrel pro Tag, etwa halb so viel wie vor zwölf Jahren. Selbst diese Förderleistung ist kurzfristig nicht erreichbar.

 

Milliarden-Investitionen notwendig
"Das Land wird mindestens fünf Jahre brauchen, um wieder die gleiche Menge Öl zu fördern wie vor der Invasion Kuwaits", sagte Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten gewaltige Mittel in den Aufbau der Industrie gesteckt werden. "Vor dem Hintergrund riesiger Reserven ist der Irak das am wenigsten explorierte Öl-Land im Nahen Osten", schreibt der Energie-Informationsdienst. Die Schätzungen für das notwendige Investitionsvolumen variieren und reichen von 30 bis 90 Milliarden US-Dollar in den kommenden Jahren, je nachdem, wie schnell und wie weit die Ölproduktion ausgebaut werden soll. "Es wird auf jeden Fall sehr teuer", sagte Matthies.

Irak hoch verschuldet
Zudem ist völlig offen, wer diese Mittel aufbringen soll. UN-Generalsekretär Kofi Annan hat noch einen Topf mit 14 Milliarden Dollar aus Ölverkäufen des Iraks, die für humanitäre Aufgaben vorgesehen sind. Das Land ist mit mehr als 100 Milliarden Dollar verschuldet. Hilfszahlungen der Industrieländer sollen in andere Infrastruktur-Investitionen wie Straßen, Schulen, Krankenhäuser und Häfen fließen. "Die einzigen, die investieren könnten, sind die internationalen Ölkonzerne", sagte ein Sprecher von Exxon-Mobil.

 

Finanzierung nur über Kredite möglich
Um diese gewaltige Aufgabe zu stemmen, müssten selbst Öl-Multis einen Teil der Ausgaben über Kredite finanzieren. Zum Vergleich: Um die Ölvorkommen im Tschad zu entwickeln, investiert ein Konsortium 20 Milliarden Dollar - über einen Zeitraum von 20 Jahren. Im Irak sind nach Quellen der Internationalen Energie-Agentur bislang 27 internationale Ölkonzerne aktiv, darunter keine aus den USA. Neue Gelder werden die Unternehmen erst bereitstellen, wenn die Zukunft des Iraks klarer ist..

Rahmenbedingungen für Investitionen fehlen
Ohne ein günstiges Investitionsklima, klare rechtliche Rahmenbedingungen und ein besseres Transportnetz wird die irakische Ölindustrie nicht auf die Beine kommen. Vor diesem Hintergrund sieht Öl-Experte Matthies noch keine Anzeichen, dass irakisches Öl in absehbarer Zeit die Weltmärkte überschwemmen und damit den Preis kräftig drücken könnte. "Dieses Szenario wird allenfalls zum Ende des Jahrzehnts eine Rolle spielen."

 

 

 

Späte Reue: Ein junger Iraker gibt geraubte Kunstschätze zurück (Foto: Decker)

Verlust von 5000 Jahren Zivilisation

  
Trotz zahlreicher Warnungen ignorierte das Pentagon die Gefahr für die irakischen Kunstschätze.

Kunstexperte Curtis: Geschockt vom Ausmaß der Zerstörung (Foto. Decker)

Kunstexperte Curtis: Geschockt vom Ausmaß der Zerstörung

 

 

 

"Bin entsetzt über das, was ich gesehen habe"

Von Erwin Decker (Bagdad)

Vor den Augen der US-Armee hatten die Plünderer Bagdads Nationalmuseum am Alawi-Platz in auseinandergenommen. Dabei waren die Eroberer rechtzeitig gewarnt worden: Experten hatten die amerikanischen Militärbehörden auf den drohenden Super-Gau für die unbezahlbaren Kunstschätze aufmerksam gemacht. So verteilte das Büro für Wiederaufbau und humanitäre Hilfe (ORHA) bereits am 27. März, also schon eine Woche nach Kriegsbeginn, einen Brief an mehrere US-Generäle. Dem britischen "Observer" liegt das Schreiben vor, indem den Militärs im Falle einer Plünderung des weltberühmten Museums, das Ausmaß des "unwiederbringlichen Verlustes von für die Menschheit wichtigen Kulturschätzen" erklärt wird.

 

Über drei Viertel der Exponate verloren
Auch McGuire Gibson, Orientalist der Uni Chicago, gab dem Pentagon frühzeitig und wiederholt den Rat, das Museum sowie antike Grabstätten im Irak zu beschützen. Umsonst. Die Experten fanden bei den amerikanischen Kriegsherren kein Gehör. Die Folge: 160.000 der rund 200.000 Exponate wurden geplündert oder zerstört.

"Wesentlicher Bestandteil der Menschheitsgeschichte verloren"
Nun hat zum ersten mal ein ausländischer Experte den Schaden in Bagdad gebutachtet. John Curtis, Experte für antike Kunstschätze des Nahen Osten vom "British Museum" in London, nahm gerade eine erste Bestandsaufnahme vor. Curtis war schon fünfzehn Mal Bagdad und kennt die Exponate. Sein erster Eindruck: "Ich war entsetzt über das, was ich sah. Ein wesentlicher Bestandteil der Menschheitsgeschichte ging verloren. In Mesopotamien stand die Wiege der Zivilisation, jetzt sind die historischen Belege verschwunden."

"5000 Jahre Zivilisation zertrampelt oder geraubt"
Verschwunden, so Curtis, sind Zeugnisse für die Erfindung der Zeitmessung und deren Einteilung in Stunden und Minuten. Ebenso befanden sich unter den Ausstellungsstücken Berichte über die Sintflut, die ältesten Kupferwerkzeuge der Welt und die älteste Bibliothek der Erde. "5000 Jahre Zivilisation wurden zertrampelt oder geraubt", sagt der sichtlich erschütterte Experte. Am kommenden Dienstag berichtet er in London auf einer Krisenkonferenz vor Experten aus Deutschland , Frankreich und England über das Ausmaß der Museumskatastrophe von Baghdad. Dabei soll auch beraten werden, wie man international reagieren kann.

Achtzehn US-Panzer vor dem Ölministerium

US-Panzer vor dem Bagdader Nationamuseum (Foto. Decker)

Der Schutz kommt zu spät: Ein US-Panzer vor dem Bagdader Nationamuseum

 

Mohsen Kadim, war zum Zeitpunkt des Überfalls einziger Wachmann des Museums. "Die Leute kamen mit Brechstangen, Pistolen und Kalaschnikows. Ich mußte fliehen. Als ich am Ölministerium vorbeikam zählte ich achtzehn amerikanische Panzer die es schützten. Vor meinem Museum war nicht einer", sagt Kadim.

Amerikanische Schlampigkeit "völkerrechtswidrig"
Offenbar war den US-Militärs die Bewachung der gigantischsten Schatztruhe der Menschheit nicht wichtig genug. Der Völkerrechts-Experte Knut Ipsen sieht in der schlampigen Bewachung des Museums durch das US-Militär sogar einen "völkerrechtswidrigen Akt" der vor den internationalen Gerichtshof gehört.

 

Diebstahl auf Bestellung?
John Curtis: "Es besteht der Verdacht, daß einige besonders wertvolle Exponate auf Bestellung gestohlen worden sind." Irakische Mitarbeiter des Museums hätten berichtet, am zweiten Tag der Plünderungen seien Lastwagen mit mobilen Kräne vorgefahren, und hätten gezielt die wertvollsten Objekte aufgeladen.

Verdacht auf internationale Hehlergeschäfte
Doch wohin haben die Plünderer die Beute geschleppt ? Sind tausende Statuen, Siegel, Elfenbeinringe und antike Keramik schon bei internationalen Hehlern gelandet ? Fachleute wie John Curtis beginnen mit der Erstellung von Listen des Diebesgutes, um Zoll, Polizei und dem seriösen internationalen Kunstmarkt die Identifizierung zu ermöglichen.

Interpol sucht bereits in Frankreich
Nach Informationen des stellvertretenden Unesco-Direktors für Kultur, Munir Buchenaki, sind die ersten Stücke aus dem Museumsraub bereits in Frankreich aufgetaucht. Interpol hat in Lyon eine hochrangige Kommission gebildet, die die verschwunden Kulturgüter aufspüren soll. Auf der Internetseite des britischen Kunstmagazins "The art newspaper" soll schon damit begonnen worden sein, eine erste Liste der gestohlenen Museumsstücke aufzuführen. Eine offizielle Internetseite ist in Vorbereitung.

Schockierende Anblicke
John Curtis: "Als ich das Museum betrat, ist mir sofort der Verlust einer über fünftausend Jahre alten sumerischen Vase aufgefallen die ich früher schon einmal begutachtet habe. Als ich merkte, daß das Museum leer war und nur noch Scherben auf dem Boden lagen, war das für mich wie ein Schock." Gibt es denn überhaupt noch eine Chance, daß das Diebesgut wieder zurückkommt ? Curtis: "Erfahrungen aus dem zweiten Weltkrieg zeigen, daß es zwei Generationen dauern kann, bis Kunstgegenstände aus Privatbesitz wieder auftauchen."

Anhaltendes Desinteresse
Auch jetzt scheint sich das Interesse der Amerikaner an den Kunstschätzen in Grenzen zu halten: Am Freitagnachmittag bringt ein junger Iraker eine Plastiktüte mit einigen kleinen Vasen, die offenbar aus dem Bagdader Museum stammen. Er will sie abgeben. Doch die GI´s die jetzt das Tor bewachen, lassen ihn erst einmal eine viertel Stunde warten, bevor sie das Portal öffnen.

 

 

USA wollen Führungsrolle festschreiben
US-Soldaten im Irak (Foto: dpa)

dpa

Die USA wollen ihre Führungsrolle in der irakischen Übergangsverwaltung in einer UN-Resolution festschreiben lassen.


Die USA wollen nach Informationen der "Washington Post" schon in der nächsten Woche eine UN-Resolution einbringen, mit der die Sanktionen gegen den Irak aufgehoben werden sollen. Darin werde auch die Führungsrolle der USA in der Übergangsverwaltung eindeutig festgeschrieben, berichtete die Zeitung.

Französischer Vorschlag
Die Entscheidung sei am Mittwoch bei einem Treffen der engsten Sicherheitsberater von Präsident George W. Bush gefallen. Mit der Resolution wolle Washington einem französischen Vorschlag Wind aus den Segeln nehmen, wonach die Sanktionen vorerst nur ausgesetzt werden sollen.

 

USA wollen Öl-Einnahmen verwalten
Der UN wird laut Zeitungsbericht nur ein Sonderbeauftragter zugestanden, der mit der amerikanischen Zivilverwaltung in humanitären und Wiederaufbau-Fragen zusammenarbeiten soll. Zudem sollen auch die Öl-Einkünfte des Iraks nicht mehr in das UN-Programm "Öl für Lebensmittel" fließen, sondern in einen Fonds bei der irakischen Nationalbank. Das Geld werde dann auf Weisung des US-Zivilverwalters im Irak, Jay Garner, oder einer irakischen Übergangsverwaltung für den Wiederaufbau genutzt.

Pentagon setzt sich durch
Sollte die Resolution so eingebracht werden, hätte sich das Pentagon mit seinem Wunsch, die UN im Irak weitgehend auszuschalten, auf ganzer Linie durchgesetzt. Das Außenministerium hatte dafür plädiert, die Rolle der UN schrittweise auszuweiten. Bei dem Treffen mit dem britischen Premier Tony Blair in Belfast hatte Bush der Uno noch eine "wichtige Rolle" zugebilligt.

 

USA rechnen nicht mit Widerstand
Nach Angaben der Zeitung setzt die US-Regierung darauf, dass sich der Weltsicherheitsrat nicht erneut auf eine schwierige Debatte über den Irak einlassen und damit dringend benötigte Hilfe blockieren will.

 

"Saddams Folterer im Zoo ausstellen"

Ort des Schreckens (Foto: dpa)

dpa

Ort des Schreckens - Ein GI begutachtet verlassene Gefängniszellen

 


Vielen Irakern wäre es lieber die USA würden mehr nach den grausamen Handlangern des Saddam-Regimes fahnden, als nach den Technokraten und Ministern. Vor allem die Folterer der Polizei und der Geheimdienste sollen gefasst und bestraft werden. Aber auch Richter, die in Scheinprozessen Tausende zum Tode verurteilt haben.

Hinweise aus der Bevölkerung
"Viele Bürger kommen in unser Büro und geben uns Namen von Leuten, die ihnen oder ihren Verwandten etwas angetan haben", erklärt Abu Mustafa von der Patriotischen Union Kurdistans (PUK). Seine Partei übergibt die Informationen der US-Armee. Was die Soldaten dann mit den Namenslisten anfangen, weiß er nicht.

Video: Festnahme von Tarik Asis Modem | ISDN | TDSL
Die Fahndungsliste der USA Fotos der meistgesuchten Iraker

Peiniger im Irak vor Gericht stellen
Ein Großteil der Iraker legt auch Wert darauf, dass ihre einstigen Peiniger im Irak vor Gericht gestellt werden und nicht etwa in den USA. "Zwei Mal haben sie mich eingesperrt, weil ich gegen die Partei war - sie haben mich in der Karch-Geheimdienstzentrale nackt an der Decke aufgehängt und immer wieder mit Stromstößen gequält. Als meine Haut brannte, da haben sie gelacht", erzählt Sami Girgis Dawud. Der Mittfünfziger will sich heute nach 17 Jahren Schweigen den Schmerz von der Seele reden: "Diejenigen, die von vorneherein wussten, dass man sie hinrichten würde, haben damals im Gerichtssaal ihre Stiefel nach dem Richter geworfen, denn sie hatten nichts mehr zu verlieren".

"55 Hauptschuldige ein Tropfen im Atlantik"
Dawud sagt, er suche nun Gerechtigkeit. "Die 55 Hauptschuldigen auf der Liste der Amerikaner sind nicht mehr als ein Tropfen im Atlantischen Ozean", sagt er. Er will, dass alle Iraker, an deren Fingern Blut klebt, im Irak vor Gericht gestellt werden. "Wir haben gute Leute, viele Akademiker, wir können das selbst und brauchen die Amerikaner nicht", sagt er. "Wir wollen die schlimmsten Mitglieder der Baath-Partei im Zoo ausstellen, so dass jeden Tag Tausende von Irakern kommen können, um sie anzustarren", sagt ein anderes Folteropfer. Doch Dawud winkt ab. "Nein", sagt er streng, "damit würden wir uns auf das Niveau von Saddams Leuten begeben".

 

Führungsclique untergetaucht
Die USA und die meisten Iraker gehen davon aus, dass fast alle Angehörigen der einstigen Führungsclique beim Einmarsch der US-Soldaten in Bagdad untergetaucht sind. Auf Tauchstation gegangen waren am 9. April auch Tausende weniger prominente Vertreter des Regimes, die ihre Macht schamlos ausgenutzt hatten, um andere zu erniedrigen und sich persönlich zu bereichern. Von ihnen wagen sich inzwischen einige wieder in die Öffentlichkeit, nachdem sie gesehen haben, dass große Verhaftungswellen seitens der Amerikaner ausgeblieben sind und es bisher kaum persönliche Racheakte gab.