Vier Saddam-Gefolgsleute gefasst

Musahim Sab Hassan el Tikriti (Foto: AP)

AP

Die Spielkarte der meist gesuchten Iraker zeigt den irakischen Kommandeur der Luftverteidigung, Musahim Sab Hassan el Tikriti.

 

Vier weitere führende Helfer des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein sind den USA am Mittwoch ins Netz gegangen. Drei von ihnen stehen auf der Liste der 55 meist Gesuchten, teilte das US-Zentralkommando in Doha (Katar) mit. Damit befinden sich insgesamt elf der Gesuchten in der Gewalt der siegreichen Koalition. Bei den drei Spitzenleuten handelt es sich um den Kommandeur der Luftverteidigung, Musahim Sab Hassan el Tikriti, die Nummer zehn auf der Liste, den Direktor des militärischen Geheimdienstes, Suhair Talib Abd el Sattar el Nakib (Nummer 21) und Handelsminister Mohammed Mahdi el Salih (Nummer 48).

Amerika-Experte des irakischen Geheimdienstes festgesetzt

Suhair Talib Abd el Sattar el Nakib (Foto: AP)

AP

Unter den gefassten ist auch der Direktor des militärischen Geheimdienstes, Suhair Talib Abd el Sattar el Nakib.

 


Außerdem fassten die Truppen den Amerika-Experten des irakischen Geheimdienstes, Salim Said Chalaf el Dschumaili. Bei seiner Festnahme am Mittwoch in Bagdad habe es einen "feindlichen Toten" gegeben. El Dschumaili könne wahrscheinlich dazu beitragen, irakische Spione in den USA zu entlarven, betonte das Zentralkommando.

 

Geheimdienstdirektor steht zu Saddam

Mohammed Mahdi el Salih (Foto: AP)

AP

Handelsminister Mohammed Mahdi el Salih stand ebenfalls auf der Liste der von den US-Militärs meist gesuchten Iraker.


Über die Umstände der Festnahmen wurde nichts näheres bekannt. Lediglich von Nakib hieß es, er habe sich ergeben. Der 56-jährige hatte in einem Interview mit der US-Zeitung "Los Angeles Times" vor seiner Aufgabe erklärt, dass er seine Mitarbeit im Regime von Saddam Hussein nicht bereue. Er sei allerdings nicht immer einer Meinung mit dem Präsidenten gewesen. Er habe aber mit ihm panarabische Ideen geteilt und gehofft, dass das Militär die treibende Kraft zur Schaffung einer arabischen Nation werden könnte.

USA suchen Risiko-Kapital fürs Zweistromland

US-Soldat an Bagdader Straßenkreuzung (Foto: Reuters)

 

 

 



Hatten die Vereinten Nationen (UN) bereits in der Vorkriegszeit in Sachen Irak wenig zu melden, so entgleitet ihnen nun auch die Kontrolle über den Wiederaufbau: Vorbei an den UN wollen die USA eine internationale Geberkonferenz ins Leben rufen, die das nötige Kapital für die Wiederherstellung der irakischen Wirtschaftsmacht aufbringen soll. Dazu sollen in kurzer Zeit auch die 1990 verhängten UN-Sanktionen fallen.



USA erwarten größeres Interesse als bei Afghanistan-Konferenz
Die Konferenz werde stattfinden, wenn Experten der Weltbank die Bedürfnisse des Landes an Ort und Stelle überprüft hätten, sagte der Haushaltschef des Pentagons in Washington, Dov Zakheim. Dies werde etwa sechs Wochen dauern. Er rechne damit, dass das Interesse an Investitionen in den Wiederaufbau des Irak größer sein werde als im Fall Afghanistans, das lediglich über eine Subsistenzwirtschaft (vorindustrielle Wirtschaftsstrukturen, Anm.) verfüge. Irak sei dagegen einer der wenigen Staaten im Nahen Osten mit einer ausgewogenen Wirtschaft.

Bereits über eine Milliarde Dollar zugesagt
Zu den geschätzten Kriegskosten von bislang 25 Milliarden Dollar hätten die USA 550 Millionen Dollar für den Wiederaufbau zugesagt, Großbritannien werde 330 Millionen bereitstellen, sagte Zakheim. Australien und Japan hätten 100 Millionen Dollar angekündigt, Spanien 56 Millionen, Norwegen und die Niederlande je 21 Millionen. Die Geberkonferenz für Afghanistan brachte ursprünglich Hilfszusagen von zwei Milliarden Dollar. Die US-Regierung beklagte allerdings über Monate, dass das Geld nur zögerlich fließe.

Pariser Club plant Treffen
Zuvor hatten bereits die im Pariser Club vereinten Gläubiger-Staaten eine erste Bestandsaufnahme der irakischen Schulden für Donnerstag anberaumt. Um die Schulden hatte es zuletzt eine heftige Debatte gegeben: Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz hatte gefordert, die Kriegsgegner Frankreich, Deutschland und Russland sollten zum Wiederaufbau beitragen, indem sie Bagdads Schulden völlig strichen. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wies dies zurück und schlug stattdessen eine längere Übergangsphase mit Moratorium und Umschuldungen vor.

 

Sanktionen vor dem Aus?
Das Weiße Haus bekräftigte derweil erneut, dass es eine baldige Aufhebung der Sanktionen gegen den Irak anstrebt und neue Waffeninspektionen als Bedingung dafür ablehnt. Sanktionen hätten keinen Sinn mehr, nachdem der Irak nun befreit sei, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer. Er betonte, die Bedingungen hätten sich geändert und deshalb sollten die Vereinten Nationen die Sanktionen mit einer neuen Resolution aufheben. Sie müssten dabei nicht die Bedingungen der alten Resolutionen wiederholen, sagte Fleischer. Eine der wichtigsten Bedingungen für die Aufhebung der Sanktionen war der Beweis, dass der Irak nicht länger über Massenvernichtungswaffen verfügt.

Frankreich und China unterstützen Haltung der USA
Auch der französische UN-Botschafter Jean-Marc de La Sablière schlug überraschend die sofortige Aufhebung der UN-Sanktionen vor. Frankreich schloss sich damit der Haltung der USA an. Für den Krieg der USA und Großbritanniens habe es zwar kein Mandat der Vereinten Nationen gegeben. Der Rat müsse jetzt aber die neuen Realitäten zur Kenntnis nehmen, sagte De La Sablière. Ein Sprecher der chinesischen Regierung, die sich ebenfalls für die Aufhebung der Sanktionen einsetzt, verwies zur Begründung auf die schwierige humanitäre Lage im Irak.

Russland unentschlossen
Die russische Regierung hatte sich dazu bislang reserviert geäußert und erklärt, dass erst der Verzicht auf alle Massenvernichtungswaffen in Irak bestätigt werden müsse. Der russische UN-Botschafter Sergej Lawrow erklärte jedoch, seine Regierung sei keineswegs gegen eine Aufhebung der Sanktionen.



UN-Chefwaffeninspekteur Blix macht Rückzieher
Die Waffeninspektoren der Vereinten Nationen werden vorerst nicht in den Irak zurückkehren. Als Grund für diese Entscheidung führte UN-Chefinspekteur Hans Blix am Dienstag nach Beratungen mit dem Sicherheitsrat die Sorge um die Sicherheit der Inspektoren an. Der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte gab auf Fragen von Journalisten zu, es sei noch nicht klar, ob die UN-Experten die Arbeit jemals fortsetzen würden.

Blix: USA und Briten haben Beweise gefälscht
Zuvor hatte Blix den USA und Großbritannien in einem Interview des britischen Senders BBC vorgeworfen, sie hätten fragwürdige Informationen, darunter auch Fälschungen, benutzt, um zu beweisen, dass der Irak verbotene Massenvernichtungswaffen besitze. Blix war dafür eingetreten, UN-Inspekteure wegen deren Glaubwürdigkeit den Nachweis für Massenvernichtungswaffen erbringen zu lassen. Schiiten-Fest in Kerbela

 

Reuters

Ein irakischer Schiite trägt auf dem Weg nach Kerbela eine blutgetränkte Fahne. Das Blut stammt von Männern, die sich selbst verletzt haben, um ihre Liebe zum Imam zu demonstrieren.

 

 

 

 

 

 

1

 / 

8

Vor

Reuters


Nach einem zweitägigen Fußmarsch erreichen einige irakische Schiiten endlich die Außenbezirken von Kerbela.

Zurück

2

 / 

8

Vor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reuters


Selbstkasteiung: Schiitische Pilgerer auf dem Weg ins Zentrum von Kerbela. Zehntausende Schiiten wollen dort die heiligen Stätten besuchen.

Zurück

3

 / 

8

 

 

 

Reuters


Mit einem Porträt von Imam Ali umkreisen die Gläubigen den heiligen Schrein des Imam Hussein.

Zurück

4

 / 

8

Vor

Das erste Mal nach mehreren Jahrzehnten dürfen schiitische Moslems im Irak die heilige Stadt Kerbela besuchen, um das Ende der 40-tägigen Trauer um den Tod eines ihrer wichtigsten Heiligen, Imam Hussein, zu begehen.

Zurück

5

 / 

8

Vor

AP

Blutige Rituale: Schiitische Moslems schneiden sich mit Schwertern in die Köpfe, während sie vor dem Imam-Hussein-Schrein in Kerbela marschieren und singen.

Zurück

6

 / 

8

Vor

 

AP


Riesengedränge vor den heiligen Stätten in Kerbela. Die schiitischen Männer lassen ihren religiösen Gefühlen freien Lauf.

Zurück

7

 / 

8

Vor

AP


"Imam Hussein ist ein Märtyrer" steht auf dem Banner, das schiitische Gläubige in Kerbela vor sich her tragen.

Zurück

8

 / 

8

Vor

  

 


Islamisten sind USA nicht geheuer

  
Schickt Teheran Agenten in den Irak? Washington zumindest warnte den Iran davor, sich in das Nachbarland einzumischen

 

Islamistischer Machtanspruch passt USA nicht

Reuters

"Nein zu Amerika" - Schiiten in Kerbala (Foto: Reuters)


Entgleitet den USA die Nachkriegsordnung am Golf? Washington zumindest hat den Iran davor gewarnt, sich im Nachbarland Irak einzumischen. Hintergrund sind Berichte, wonach Teheran Agenten in den Südirak eingeschleust haben soll, um die Schiiten zu unterstützen. Regierungsbeamte sehen die USA offenbar schlecht vorbereitet auf den Führungsanspruch der Islamisten. Hunderttausende Schiiten hatten in Kerbela zuvor ein Ende der US-Besatzung gefordert.


 

Agenten in den Südirak geschickt?
Die US-Regierung habe Teheran deutlich gemacht, dass jede "äußere Einmischung auf dem Weg Iraks zur Demokratie" nicht geduldet werde, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer. Dies betreffe insbesondere die Einschleusung von Agenten in den Süden Iraks. Von entsprechenden Versuchen berichtete zuvor die "New York Times". Demnach sollen unter den Agenten auch Guerillakämpfer der schiitischen El-Badr-Brigaden sein.

"Nein zu Amerika"
Bei den Feiern zum Todestag eines der größten schiitschen Märtyrer hatten die Schiiten in Kerbela in Sprechchören und auf Spruchbändern zu Hunderttausenden dem US-Einfluss auf die Nachkriegsordnung ihres Landes abgelehnt. "Nein zu Amerika, Nein zum Kolonialismus" war immer wieder zu hören. Im Irak und im Iran hat die islamische Strömung der Schiiten die Mehrheit. Im Iran haben sie einen Religionsstaat errichtet. Seit dem Sturz von Präsident Saddam Hussein demonstrieren die Schiiten auch im Irak deutlich ihren Führungsanspruch.

 

Machtlos gegen Fundamentalisten?
Die USA indes haben die Stärke und den Organisationsgrad der Schiiten offenbar unterschätzt. Das berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf US-Regierungskreise. "Es ist eine schwierige Situation, und die US-Regierung ist schlecht vorbereitet" zitiert das Blatt einen Beamten des Außenministeriums. Die Amerikaner hätten keine geeigneten Mittel, die Millionen Schiiten davon abzuhalten, eine antiamerikanische, fundamentalistische Regierung zu errichten.

Bush: Über die Feiern gefreut
Die Schiiten stellten derzeit "keine offene Bedrohung" dar, erklärte hingegen der Kommandeur der amerikanischen Bodentruppen in Irak, Generalleutnant David McKiernan. Bei der schiitischen Pilgerfahrt in Kerbela hätten sich die US-Soldaten herausgehalten, weil die Gläubigen diese selbst "sehr gut organisiert" hätten. Auch US-Präsident Bush zeigte sich gelassen: Er habe sich über die Feierlichkeiten der Schiiten gefreut, sagte er der Zeitschrift "Newsweek".