Husseins Schwiegersohn ergibt sich
Jamal Mustafa Sultan, Schwiegersohn von Saddam Hussein, festgenommen. (Foto: reuters )

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Schwiegersohn von Saddam Hussein, Jamal Mustafa Sultan.

 


Der einzige überlebende Schwiegersohn des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein, Jamal Mustafa Abdullah Sultan el Tikriti, hat sich nach Angaben des oppositionellen Irakischen Nationalkongresses (INC) ergeben. Er soll innerhalb weniger Stunden an US-Streitkräfte in Bagdad übergeben werden.

 

Erster Hussein-Verwandter festgenommen
Es sei die erste Festnahme aus dem engeren Familienkreis von Saddam Hussein, sagte INC-Sprecher Saab Sethna der Nachrichtenagentur Reuters. Sultan habe sich in Syrien aufgehalten, aber der INC habe ihn zur Rückkehr nach Bagdad und zur Kapitulation überredet.

Privatsekretär von Hussein
Sultan war in der gestürzten Regierung stellvertretender Leiter der Behörde für Stammesangelegenheiten und hatte bis zum Ende des Saddam-Regimes als Privatsekretär des Präsidenten gedient. Er ist nach Angaben des INC-Chefs, Ahmed Tschalabi, mit Saddam Husseins jüngster Tochter Hala verheiratet und hatte unter Saddam Hussein eine wichtige Rolle in Geheimdienstfragen inne.

Nr. 40 auf der US-Suchliste
Sultan steht auf der US-Liste der 55 meistgesuchten Iraker an 40. Stelle und wird auf dem als Steckbrief genutzten "Kartenspiel" der US-Armee als Kreuz-Neun geführt. Das US-Oberkommando in Doha erklärte, es habe die Berichte über die Festnahme gehört, habe selbst aber keine Informationen.

 

US-Soldaten befreien angeblich irakische Gefangene

Amerikanische Soldaten haben angeblich drei geheime Gefängnisse mit überlebenden Häftlingen des Saddam-Regimes entdeckt. Die politischen Gefangenen seien unter unmenschlichen Bedingungen gehalten worden, sagte General Jawdat el Obeidi, der von den USA eingesetzte Verwaltungschef.

Geheimes Gefängnis in Bagdad (Foto: Reuters)

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Ein früherer Häftling kehrt an den Ort eines geheimen Gefängnisses in Bagdad zurück.

 

Angeblich Verstecke unter der Erde
Mit Hochdruck versuchten die Soldaten nun, noch weitere Gefängnisse ausfindig zu machen. Dies sei allerdings äußerst schwierig, "da sie unter der Erde versteckt sind und Türen haben, die nur per Zahlencode geöffnet werden können", erklärte der Verwaltungschef.

Häftlinge sollten sterben
Die 25 befreiten Häftlinge seien in Kadhimija gefunden worden - einem vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteil Bagdads. "Die Wächter hatten kurz vor dem Fall der Hauptstadt Bagdad Wasser in die Zellen laufen lassen, um die Häftlinge zu töten, bevor sie selbst geflohen wären", sagte El Obeidi. "Die Häftlinge waren jedoch schlau und haben Sockel gebaut, auf die sie geklettert sind. Deshalb sind sie nicht ertrunken."

Weitere 350 Gefangene befreit?
In einem Gefängnis in Salman Pak, 35 Kilometer südlich von Bagdad, haben die Amerikaner nach eigenen Angaben 150 politische Gefangene befreit. An einem weiteren Ort, den El Obeidi nicht nennen wollte, wurden angeblich 200 Inhaftierte befreit.

Frauen forderten Suche nach verschwundenen Männern
Zu der Befreiungsaktion sei es angeblich auf Bitte einiger schwarz gekleideter Frauen gekommen, die vor dem kontrollierten Hotel "Palestine" in Bagdad aufmarschiert waren. Sie forderten von den Amerikanern, nach ihren unter Saddam Hussein verhafteten und seither verschwundenen Söhnen und Ehemännern zu suchen.

Hinweise aus der Bevölkerung
Die "versteckten Orte" konnten angeblich nur durch Hinweise aus der Bevölkerung gefunden werden. Zum Teil kämen die Informationen aber auch von Irakern, die zum alten System gehört hätten und sich durch ihre Mithilfe nun ihrer Schuld zumindest teilweise entledigen wollten.

Verwaltungschef ist Asyl-Iraker
General Jawdat el Obeidi ist ein irakischer Schiit. Er war 1999 in die USA ausgewandert und ist nun mit den US-Truppen nach Bagdad zurückgekehrt. Nach eigenen Angaben war er 1991 am Aufstand gegen Saddam Hussein beteiligt und hat anschließend zwei Jahre im Gefängnis verbracht.

 

Irak soll offenbar US-Brückenkopf werden

US-Militärtransporter vom Typ Galaxy (Foto: dpa)

Zwei US-Militärtransporter vom Typ Galaxy auf der Frankfurter Air Base (Foto: dpa)

 


Die USA planen eine langfristige militärische Zusammenarbeit mit der zukünftigen irakischen Regierung. Das US-Militär wolle vier Militärstützpunkte im Nachkriegsirak weiter nutzen, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf Militärkreise. "Es wird eine Art Langzeit-Verteidigungsbeziehung mit einem neuen Irak geben, ähnlich wie mit Afghanistan", zitierte die Zeitung einen hochrangigen Beamten aus dem Verteidigungsministerium. "Das Ausmaß muss noch festgelegt werden."

Stützpunkte an zentralen Orten gewünscht
Zu entscheiden sei noch, ob die USA umfassend ausgerüstete Stützpunkte oder nur kleine Basen betreiben oder lediglich Zugang zu solchen bekommen sollten, hieß es in den Kreisen. Das Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht nicht. Bei den anvisierten Stützpunkten gehe es um eine Basis beim internationalen Flughafen Bagdads, eine nahe Nassirijah im Süden des Landes, eine im bislang kurdisch verwalteten Norden sowie eine im Westen nahe einer Ölpipeline, berichtet die Zeitung.

 

Engagiert sich die Nato im Irak?
Unterdessen prüft die Nato nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Übernahme eines Einsatzes zur Friedenssicherung und zum Wiederaufbau im Irak. Im Bündnis wachse die Bereitschaft, im Irak eine Rolle zu übernehmen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf amerikanische Diplomaten sowie Kreise aus dem Berliner Kanzleramt und dem Außenministerium. Es bestünden Chancen, dass Frankreich einen solchen Einsatz des Bündnisses nicht verhindern wolle. Ein Sprecher der Bundesregierung wollte den Bericht am Samstag nicht kommentieren.

Geheime Sitzung der Nato-Botschafter
Am vergangenen Dienstag hätten die Nato-Botschafter bei einer geheimen Sitzung mit Generalsekretär Robertson über ein Irak-Engagement beraten, heißt es in dem Bericht. Zwar stehe noch keine konkrete Entscheidung an, doch habe man in der Runde der Nato-Botschaft klären wollen, "was unter den Bündnis-Mitgliedern geht und nicht geht", zitiert die Zeitung in dem Vorabbericht Kreise aus dem Brüsseler Hauptquartier.



Rückkehr der UN-Inspektoren gefordert
EU-Außenkommissar Chris Patten forderte die umgehende Rückkehr der UN-Waffeninspekteure in den Irak. Es sei im Interesse aller Beteiligten, dass die Berichte der Inspekteure das höchste Maß an Glaubwürdigkeit hätten, sagte Patten. Nach Pattens Ansicht würde die arabische und islamische Welt möglichen Waffenfunden im Irak skeptisch gegenüberstehen, wenn an der Suche nach Massenvernichtungswaffen nur Staaten der Kriegsallianz beteiligt wären. Die USA wollen mit einem umfangreichen Aufgebot an eigenen Waffeninspekteuren im Irak nach Massenvernichtungswaffen suchen.

Türkei würde Experten schicken
Der türkische Generalstab bekundete seine Bereitschaft, Atom- und Sprengstoffexperten in den Irak zu schicken. Eine solche Mission bedarf jedoch der Zustimmung der türkischen Regierung. Umfang und Ort einer möglichen Stationierung des türkischen Kontingents blieben aber unklar.

Splitterbombe verletzt vier Soldaten und ein Kind
Unterdessen sind bei der Explosion eines Munitionsteils in der irakischen Hauptstadt Bagdad ein irakisches Kind und vier US-Soldaten verletzt worden. Wie das US-Zentralkommando mitteilte, hatte sich das Kind einer US-Patrouille genähert, um den Soldaten den Sprengkörper zu übergeben. Als ein Soldat versuchte, dem Kind die nicht detonierte Granate aus der Hand zu nehmen, sei diese explodiert. Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN handelte es sich um einen Blindgänger aus einer amerikanischen Splitterbombe.


 

 

 

 

 

 

 

Saddams Chemiewaffen entdeckt?

  
US-Experten verfolgen angeblich eine erste heiße Spur zu den Waffen-Verstecken.

    US-Soldat auf der Suche nach Waffen (Foto: AP)

 

 

 

 

 

Erste heiße Spur zu Chemiewaffen im Irak entdeckt?

Chemiewaffen-Experten der US-Armee auf der Suche (Foto: dpa)

dpa

Nach einem Zeitungsbericht sollen die USA eine erste heiße Spur zu Chemiewaffen im Irak gefunden haben.

 

US-Militärexperten haben angeblich eine erste heiße Spur zu verbotenen irakischen Waffenprogrammen gefunden. Ein irakischer Wissenschaftler habe die Experten zu Orten geführt, an denen Zwischenprodukte einer verbotenen Chemikalie vergraben worden seien, berichtete die "New York Times". Dem Forscher zufolge steckte die irakische Führung wenige Tage vor Kriegsbeginn ein Lager in Brand, in dem Biowaffen entwickelt worden waren.


 

Vorsorge für die Zukunft?
Schon Monate vor dem Krieg habe die irakische Führung chemische Zwischenprodukte und weiteres brisantes Material vergraben, um es vor den Invasionstruppen zu verbergen und für eine spätere Verwendung aufzubewahren, heißt es in der "NYT" weiter. Der irakische Wissenschaftler habe den US-Experten Unterlagen, Materialproben und weitere Beweise beschafft, die dem Weißen Haus bereits am Freitag vorgelegt worden seien. Er habe der US-Armee vor etwa zwei Wochen einen Brief zugespielt, in dem er seine Zusammenarbeit angeboten habe.

 

Irak soll Beziehungen zu El Kaida gehabt haben
Bereits Mitte der 90er Jahre soll der Irak damit begonnen haben, Massenvernichtungswaffen und Technologie für ihre Herstellung nach Syrien zu liefern. Außerdem habe es in jüngster Vergangenheit eine Zusammenarbeit zwischen dem Irak und der Terrororganisation El Kaida gegeben, behauptete der Wissenschaftler nach Angaben der "New York Times".

Keine offizielle Bestätigung
Das US-Zentralkommando in Katar konnte den Bericht nach eigenen Angaben zunächst nicht bestätigen. Sollten sich die Informationen der Geheimdienstexperten jedoch als wahr herausstellen, sei dies "eindeutig eine der größten Entdeckungen dieses Einsatzes, wenn nicht die größte Entdeckung überhaupt", sagte US-General David Petraeus der Zeitung.

Ulrich Sahm in Jerusalem (Foto: privat)

 

 

 

eMail aus Israel
21. April: Arabische Militärs sind "baff"

Der Nahe Osten - ein ewiger Krisenherd. Bringt der dritte Golfkrieg die versprochene Neuordnung der Region? Nahost-Korrespondent Ulrich W. Sahm berichtet für T-Online mehrmals wöchentlich über die aktuelle Entwicklung und Hintergründe aus Israel.

Von Ulrich W. Sahm (Jerusalem)
Ulrich Sahm
Zur Person

"Wieso haben wir Araber eigentlich einen so schlechten Ruf? Wir gelten als rückständig, als Terroristen, als Menschen ohne Moral. Und dann erleiden wir eine Niederlage nach der Anderen...." Die Frage des in Berlin ausgebildeten palästinensischen Architekten steht im Raum. Die Diskussion liefert keine echte Antwort. Sind es die Folgen des "Kolonialismus"? Sind es die Linealgrenzen der britischen oder französischen Kolonialmächte? Im Irak wurden Kurden, Schiiten und Sunniten zu einem Staat gezwungen. Die verfeindeten Gruppen lähmten sich gegenseitig. Der Staat konnte nur durch eine Diktatur und Unterdrückung zusammengehalten werden. Auch der arabische Selbstbetrug sei ein Grund für das Scheitern der arabischen Länder. "Comical-Sahaf", Sprecher der irakischen Führung, ist auch in der arabischen Welt eine Witzfigur.

"Revolte gegen die Diktatur"
Galal Nassar analysierte in der angesehenen ägyptischen Zeitung Al Ahram den Fall Bagdads. Kein strategischer Analytiker oder Militärexperte, so Nassar, habe die Ereignisse des 9. April vorhergesehen: Sturz der Saddam Hussein Statue, während amerikanische Panzer durch Bagdad patrouillieren. Der Wille, das Vaterland gegen eine Besatzungsmacht zu beschützen oder gegen ein ungeliebtes Regime zu verteidigen, seien zweierlei Dinge. Anstatt die Heimat zu verteidigen, sei es zu einer Revolte gegen die Institutionen der Diktatur gekommen. Dennoch blieben Fragen offen: wohin sind die irakischen Soldaten verschwunden? Hat sich die irakische Führung abgesetzt? Was verführte die Iraker, zu plündern und zu zerstören.

Geheimabkommen mit Saddam?
Nasser fragt, ob es ein Geheimabkommen zwischen dem Saddam-Clan und den Amerikanern gegeben habe, Bagdad aufzugeben. Genau so gut könne es aber auch sein, dass Saddam schon in den ersten Stunden des Krieges ausgelöscht worden sei. "Fehlgeleitete" Analytiker in der arabischen Welt hätten eine Schlacht um Bagdad vorhergesehen, wie etwa die 900 Tage andauernde Schlacht um Leningrad mit 1,2 Millionen getöteten Zivilisten und Soldaten. Andere glaubten, im Kampf um Berlin 1945 ein Vorbild zu finden.

"Armee marode und hilflos"
Generalmajor a.D. Ahmed Abdel-Halim meint laut Nassar, dass die irakische Armee wegen der Uno-Sanktionen und infolge der "inneren Lage" im Irak marode und "hilflos" geworden sei. Die Loyalität der Militärs zum Regime sei "schwach" gewesen. Deshalb hätten die Soldaten ihre Uniformen ausgezogen und seien "verschwunden".

Bombenangriffe "übersehen"?
Der Kommandeur der ägyptischen Truppen während des Golfkrieges 1991, Mohammad Ali Bilal, behauptet, dass die Experten die Bombenangriffe auf Bagdad "übersehen" hätten, während sie die Kämpfe bei Basra und Nassarija auf dem Weg nach Bagdad beobachteten. Durch die Bombenangriffe seien die irakischen Verteidiger "nicht nur aufgeweicht, sondern in die Knie gezwungen worden". In der arabischen Welt habe niemand von Irak erwartet, die Weltmacht Amerika zu besiegen. Doch Irak habe den Angreifern nicht einmal nennenswerte Verluste beigebracht, beklagt Bilal.

"Nicht militärisch geschlagen"
General el Schazli, der 1973 den Überraschungsangriff auf Israel (Jom-Kippur/ Oktoberkrieg) befehligte, glaubt an einen Sieg der "psychologischen Kriegsführung". Eine Belagerung Bagdads wäre ein Alptraum geworden. Die Amerikaner hätten dafür nicht ausreichend Truppen im Einsatz gehabt. El Schazli kommt deshalb zum Schluss, dass die Iraker nicht militärisch geschlagen wurden, sondern nur politisch. "Wie 1991 (in Kuwait) verlor das Regime die Kontrolle über die Streitkräfte, was zu einem schnellen Zusammenbruch führte."

Armee ohne Befehle?
Einen Hinweis auf den Verlust der Kommando-Struktur und Kontrolle über die Streitkräfte lieferte der israelische Reporter Ron Ben Ischai. Der berichtete aus Nord-Irak und Bagdad. Nach Israel zurückgekehrt, erzählte er, dass es für ihn unmöglich gewesen sei, telefonisch oder per Satellit Berichte durchzugeben, während die Amerikaner bombardierten. Alle Frequenzen seien gestört gewesen. Das könnte bedeuten, dass irakische Panzer, sowie sie sich bewegten, zum erbarmungslosen Opfer der amerikanischen Luftwaffe wurden und dass deren Funkverkehr ausgeschaltet war. Ohne Befehle und Kommunikation ist aber eine Armee kampfunfähig. Die elektronische Kriegsführung dürfte eines der bestgehüteten Geheimnisse der Amerikaner sein.

"Araber sind baff"
Nassar argwöhnt, dass auch Israel einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg der Amerikaner geliefert habe, worüber wir bei T-Online schon am
27. März berichteten: Fünf israelische Spionageexperten mit Arabischkenntnissen hätten sich den amerikanischen Truppen angeschlossen. Ob das allein den amerikanischen Sieg garantierte, der laut Nassar die Araber "baff" machte, darf bezweifelt werden, falls diese Angabe überhaupt stimmt.

"Das Spiel ist aus"
Nassar kann sich nicht damit abfinden, dass Bagdad gefallen sei. Wenn der Irak-Botschafter Al-Dura vor seiner Abreise aus New York sagte: "Das Spiel ist aus", so habe er nur das Saddam-Regime gemeint. Es werde nicht lange dauern, bis die Iraker verstehen, dass die Briten und Amerikaner allein von "Gier für Öl und zionistischen Bestrebungen" angefeuert seien. Für Nassar ist die Welt wieder in Ordnung, sowie die Iraker aufwachen, und "Widerstand gegen die Okkupation" leisten.