Iraker demonstrieren gegen die US-Truppen (Foto: rtr)

Nachbarn fordern Abzug der USA

  
Die Nachbarn des Irak haben einen baldigen Abzug der "Besatzungstruppen" gefordert. In Irak skandierten Demonstranten: "Verlasst unser Land".

 

Nachbarn fordern Abzug der "Besatzungstruppen"

Iraker protestieren gegen US-Truppen (Foto: rtr)

Reuters

"Verlasst unser Land" skandierten irakische Demonstranten.

 

Die Außenminister der Nachbarländer Iraks haben sich bei einer Konferenz in Saudi-Arabien für den baldigen Abzug der amerikanischen und britischen "Besatzungstruppen" aus Irak ausgesprochen. Außerdem setzten sie sich dafür ein, dass die Vereinten Nationen eine "zentrale Rolle" beim Wiederaufbau Iraks spielen sollen, wie aus der in der in Riad veröffentlichten Abschlusserklärung hervorgeht.

 

"Amerikaner sind Besatzungstruppen"
Die Alliierten hätten die Pflicht, Sicherheit und Stabilität in Irak zu gewährleisten und die Rechte des irakischen Volkes und sein kulturelles Erbe zu schützen, hieß es weiter. "Die amerikanischen Truppen sind Besatzungstruppen, sogar die Amerikaner und Briten haben das gesagt", erklärte der Gastgeber des Treffens, der saudi-arabische Außenminister Saud el Faisal, zum Abschluss der Konferenz. "Sie können ihre Verpflichtungen gemäß Genfer Konvention nicht erfüllen, wenn man sie nicht als das bezeichnet, was sie sind."

Drohungen gegen Syrien verurteilt
In der Abschlusserklärung wurden außerdem die jüngsten Drohungen der USA gegen Syrien verurteilt. An dem Treffen nahmen die Außenminister der irakischen Nachbarländer Saudi-Arabien, Kuwait, Syrien, Jordanien, Türkei und Iran teil sowie die Außenminister Ägyptens und Bahrains.

Saudi-Arabien: Keine Ausbeute irakischen Öls
Saudi-Arabien sprach sich zudem gegen eine Ausbeutung der irakischen Ölvorkommen durch die amerikanische Besatzungsmacht aus. Dies müsse in Übereinstimmung mit dem Willen des irakischen Volkes und einer rechtmäßigen Regierung erfolgen. Zugleich wandte sich die Konferenz in Riad gegen die von den USA geforderte Aufhebung der Uno-Sanktionen gegen Irak. Zunächst müsse eine "rechtmäßige Regierung" in Irak an die Macht gelangen, die das Volk repräsentiere.

Anti-amerikanische Slogans skandiert

Iraker demonstrieren gegen US-Truppen (Foto: dpa)

dpa

Aufgebrachte Iraker fordern bei einer Demonstration am 15.4.2003 in Bagdad die US-Truppen auf, die öffentliche Ordnung im Land wieder herzustellen. Bei Demonstrationen und Plünderungen waren zahlreiche Menschen getötet worden.

 


In Bagdad haben mehrere zehntausend Menschen nach dem Freitagsgebet den Abzug der US-Truppen aus dem Irak gefordert. "Verlasst unser Land. Wir wollen Frieden", war auf einem der mitgeführten Transparente zu lesen. Prediger Ahmed el Kubaisi warf den USA vor, den Krieg zur Unterstützung von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon geführt zu haben.

 

Hikmat Misban Ibrahim el Assaui, ehemaliger irakischer Finanzminister (Foto: Reuters)

Saddams Finanzminister gefasst

  
Der ehemalige irakische Finanzminister ist den US-Truppen ins Netz gegangen.

 

Saddams Finanzminister festgenommen

 

Hikmat Misban Ibrahim el Assaui (Foto: Reuters)

Reuters

Hikmat Misban Ibrahim el Assaui, ehemaliger Finanzminister des Irak, wurde von US-Truppen festgenommen.



Irakische Polizisten haben den Finanzminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten des entmachteten Saddam-Regimes an US-Soldaten übergeben. Das US-Oberkommando in Katar bestätigte die Festnahme von Hikmat Misban Ibrahim el Assaui.


Fünf von 55 auf US-Fahndungsliste gefasst
Assaui gehörte zu den 55 der von den USA meistgesuchten irakischen Regimevertretern. Er stand an 45. Stelle der Fahndungsliste Washingtons. Inzwischen sind außerdem zwei Halbbrüder des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein, ein hochrangiger Funktionär der Baath-Partei sowie der frühere Präsidentenberater Amir el Saadi in US-Gewahrsam.

Chemiewaffen-Experte stellt sich
Am Freitag hatte sich bereits ein angeblicher irakischer Chemiewaffen-Experte den US-Behörden gestellt. Imad Hussein el Ani habe nach US-Angaben das Programm zur Produktion des Nervengases VX geleitet, berichtete CNN. Er bestreite jedoch, irgendwelche Kenntnisse über irakische Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Ani stand nicht auf der Fahndungsliste der US-Regierung.

Spekulationen um Saddam-Video
Nach der Veröffentlichung eines neuen Videos gab es erneut Spekulationen über das Schicksal von Saddam Hussein. Der arabische Fernsehsender Abu Dhabi TV veröffentlichte ein Video, das angeblich Saddam und seinen Sohn Kusai am 9. April, dem Tag des Falls von Bagdad, in einem Stadtviertel der Hauptstadt zeigt. Auf den Bildern jubelt ihm eine Menschenmenge zu.

Saddam ruft zum Kampf auf
Wenig später spielte der Sender noch eine Tonbandbotschaft des gestürzten Präsidenten ab, in dem er seine Getreuen zum Kampf aufruft. Sie sei jedoch wenig aufschlussreich, insbesondere was den Zeitpunkt der Aufnahme betreffe, verlautete aus US-Kreisen. Das Band werde in den USA von Spezialisten jedoch eingehend analysiert.

Alter des Videos unklar
Sollten sich die Angaben bewahrheiten, wäre der Film ein Beleg dafür, dass Saddam die gezielten Luftangriffe der Kriegsalliierten gegen ihn überlebt hätte. Aus den US-Kreisen hieß es dazu, es handle sich wahrscheinlich um authentische Aufnahmen. Doch müsse man skeptisch sein, ob der Herrscher sich so kurz nach einem gegen ihn gerichteten Luftangriff wieder in die Öffentlichkeit gewagt habe.

Früheres Video war vor Krieg aufgezeichnet
Ein Videoband mit Saddam, das am 4. April im Fernsehen ausgestrahlt worden war, habe sich nach eingehender Analyse als Vorkriegsmaterial herausgestellt, hieß es.

Kontroverse um US- Waffenkontrolleure
Zwischen der USA und den UN bahnt sich derweil eine neue Kontroverse um die Waffenkontrollen an. Washington will eine eigene, rund 1000 Mitglieder umfassende Truppe mit der Suche nach Massenvernichtungswaffen in dem Land beauftragen. Zu der Gruppe sollen Militärexperten, Geheimdienstleute, zivile Wissenschaftler und private Auftragnehmer gehören. Die UN aber wollen sich das Heft im Irak nicht aus der Hand nehmen lassen. Der Chef der UN-Waffeninspekteure, Hans Blix, tritt dafür ein, die Experten der Vereinten Nationen wieder in den Irak zu schicken, um zu verhindern, dass die "Echtheit möglicher Waffenfunde angezweifelt werden könne.

USA wollen Embargo aufheben
Auch die Aufforderung von US-Präsident Bush, die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak aufzuheben, löste unter den Mitgliedern des UN- Sicherheitsrates "intensive" Diskussionen aus. Der amtierende Ratspräsident Adolfo Aguilar Zinser (Mexiko) sagte in New York, es werde erwogen, einige dieser seit 1991 verabschiedeten Resolutionen zu verändern oder aufzuheben.Die USA wollen mit einer neuen UN-Resolution die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Irak erreichen.