Saddam lebend am Tag der Niederlage?

Winkt Saddam in die jubelnde Menge? (Foto: AP)

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Ein angeblich am 9. April, dem Tag der Niederlage Badgads entstandenes Video zeigt Saddam - oder einen seiner Doppelgänger.

 

In den USA sorgt ein Video des arabischen Fernsehsenders Abu Dhabi TV für Aufregung. Es zeigt angeblich den irakischen Diktator Saddam Hussein lebend am 9. April, dem Tag der Niederlage Bagdads. Am Freitag wurde das Band von allen größeren US-Fernsehsendern ausgestrahlt. Auf den Bildern ist der irakische Diktator an der Seite seines jüngeren Sohnes Kusai zu sehen - umringt von vielen begeisterten Menschen, die ihn umarmen und küssen. Ob die Bilder wirklich am 9. April aufgenommen wurden und tatsächlich den echten Saddam Hussein und nicht einen seiner angeblich so vielen Doppelgänger zeigen, ist allerdings unklar.

Saddam ruft zum Kampf
Kurze Zeit später veröffentlichte Abu Dhabi eine Tonbandaufnahme, auf der die Stimme Saddam Husseins zu hören sein soll. Der gestürzte Diktator ruft darin zum Kampf gegen die USA auf. Sollten die Ton- und Bilderaufnahmen echt sein, wäre es der erste klare Beweis, dass Saddam auch den gezielten Angriff auf ein Restaurant in Bagdad am 7. April überlebte, wo er sich aufgehalten haben soll.

Ex-Ölminister gefasst

Gefasst: Samir Abdel Asis el Nadschim (Foto: dpa)

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Gefasst: Der frühere irakische Ölminister Samir Abdel Asis el Nadschim wurde den US-Truppen von kurdischen Kämpfern überstellt.

 


Derweil ist den US-Truppen der frühere irakische Ölminister Samir Abdel Asis el Nadschim in die Hände gefallen. Kurdische Kämpfer hatten den Mann, der zu den 55 meistgesuchten Irakern gehörte und auf der Liste auf Platz 24 stand, in der Nacht zu Freitag den US-Streitkräften übergeben. Nadschim war zuletzt Vorsitzender von Saddam Husseins Baath-Partei in Ostbagdad, nachdem er vor kurzem als Minister abgelöst worden war. Nach dem Golfkrieg im Jahr 1991 war Nadschim mehrere Jahre Stabschef. Erst am Donnerstag hatten amerikanische Spezialeinheiten in Bagdad einen Halbbruder des gestürzten Staatschefs festgenommen. Von Barsan Ibrahim el Tikriti, Exchef der irakischen Geheimpolizei, der als Präsidentenberater Saddam zur Seite stand, erhoffen sich die USA genaue Kenntnisse über das gestürzte irakische Regime.

 

Kontroverse um US- Waffenkontrolleure
Zwischen der USA und den UN bahnt sich derweil eine neue Kontroverse um die Irak-Frage an. Washington will eine eigene, rund 1000 Mitglieder umfassende Truppe mit der Suche nach Massenvernichtungswaffen in dem Land beauftragen. Zu der Gruppe sollen Militärexperten, Geheimdienstleute, zivile Wissenschaftler und private Auftragnehmer gehören. Dagegen tritt der Chef der UN-Waffeninspekteure, Hans Blix, dafür ein, die Experten der Vereinten Nationen wieder in den Irak zu schicken, um zu verhindern, dass die "Echtheit möglicher Waffenfunde angezweifelt werden könne.

USA wollen Embargo aufheben
Auch die Aufforderung von US-Präsident Bush, die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak aufzuheben, löste unter den Mitgliedern des UN- Sicherheitsrates "intensive" Diskussionen aus. Der amtierende Ratspräsident Adolfo Aguilar Zinser (Mexiko) sagte in New York, es werde erwogen, einige dieser seit 1991 verabschiedeten Resolutionen zu verändern oder aufzuheben.Die USA wollen mit einer neuen UN-Resolution, in der Waffeninspektionen nicht mehr als Bedingung genannt werden, die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen den Irak erreichen.

 

Iraker bringen Stromversorgung in Gang
Derweil gehen im Irak die Bemühungen weiter, wieder etwas Normalität in das Leben der Menschen zu bringen. In Bagdad versuchten irakische Ingenieure mit Unterstützung der US-Truppen die Stromversorgung wieder in Gang zu bringen. Das größte Elektrizitätswerke könnte nach Ansicht der Iraker bereits am Samstag wieder arbeiten, bereits innerhalb von zehn Tagen könnte dann auch das gesamte Land wieder mit Strom versorgt sein.

Lage in Bagdad ruhig
Die US-Streitkräfte gingen unterdessen in Bagdad weiter gegen Plünderer vor und setzen dabei auf die Mithilfe irakischer Freiwilliger. Die Militärs verteilten 5.000 Mobiltelefone an Polizisten und medizinische Helfer. US-Kommandeure beschrieben die Lage am Freitag als ruhig. "Wir hatten seit vier Tagen keinen Feindkontakt", sagte Stabsfeldwebel John Damison.

Ex-Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf (Foto: dpa)

Ex-Minister wird zur Kultfigur

  
Für alle, die ihn vermissen: Iraks Ex-Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf geht seinem Amt in Gestalt einer sprechenden Spielzeugpuppe nach.

 

 

 

"Komik-Ali" als sprechende Spielzeugpuppe

 
Iraks Ex-Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf  (Foto: dpa)

Das Fernsehbild von Abu-Dhabi-TV zeigt den irakischen Ex-Informationsminister am 5. April. Bei der Pressekonferenz besteht El Sahhaf darauf, dass die amerikanischen Truppen vom Flughafen in Bagdad gejagt worden seien, obwohl ihn US-Soldaten am Vortag eingenommen hatten.

 

 

Witzige Namen für Personen, die in das irakische Terror-Regime verstrickt sind, haben zurzeit Hochkonjunktur. "Chemie-Ali" ist tot, und von "Dr. Bakterie" fehlt jede Spur, hat die Öffentlichkeit in den letzten Tagen aus den Medien erfahren. Der ehemalige irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf ist im Internet inzwischen zu "Komik-Ali" aufgestiegen. Dort erfreut sich der Ex-Minister höchster Beliebtheit, auch wenn er seit der Einnahme Bagdads durch die US-Truppen nicht mehr gesehen wurde.

 

In Gestalt einer sprechenden Puppe auferstanden
Doch seit kurzem wurde er wieder gesichtet: In US-amerikanischen Spielzeugläden. In Gestalt einer sprechenden Puppe amüsiert er die Öffentlichkeit weiterhin mit Sprüchen wie: "Es gibt keine amerikanischen Ungläubigen in Bagdad." Was die 30 Zentimeter große Nachbildung von El Sahhaf auch noch von sich geben kann, ist die düstere Prophezeiung: "Sie werden alle sterben."

In Gesellschaft von Saddam und Osama
Möglicherweise meint er damit sich selbst und seine Kollegen aus Stoff, die die amerikanische Spielzeugfirma vor ihm auf den Markt brachte. Dabei handelt es sich um den "verrückten Saddam" und den "babbelnden Osama". Für 36 US-Dollar (knapp 33 Euro) ist das Plappermaul zu haben.

"Wir haben alles unter Kontrolle"
In Großbritannien geht die Begeisterung für den Ex-Minister so weit, dass schon seit einer Woche T-Shirts mit dem Konterfei von El Sahhaf vertrieben werden. Unter dem Gesicht mit schwarzer Felduniformmütze und randloser Brille prangt die Schlagzeile "Wir haben alles unter Kontrolle."

Zur Kultfigur lanciert
Wochenlang hatte der irakische Politiker die Weltöffentlichkeit mit seiner eigenwilligen Sicht des Kriegsverlaufes überrascht, manche auch amüsiert. Treuherzig und mit überzeugter Stimme trug er im irakischen Fernsehen Siegesmeldungen seines Landes über die allierten Truppen vor. Im Westen wurde er daher kaum ernst genommen. Im Internet jedoch ist El Sahhaf zur Kultfigur geworden.

 

Syrien: Kein Exil für Saddam-Getreue

Islamisten demonstrieren gegen den Irak-Krieg (Foto: dpa)

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Islamisten demonstrieren gegen den Irak-Krieg.

 

Im Konflikt zwischen den USA und Syrien sind beide Seiten offenbar zum Dialog bereit. Syrien wies allerdings den Vorwurf der USA zurück, das Land gewähre irakischen Funktionären Unterschlupf. Den Grenzübertritt von Flüchtlingen schloss Damaskus aber nicht aus.

Syrien: Die Grenze ist zu
Die syrische Regierung halte keine offizielle Zuflucht für irakische Funktionäre bereit, sagte der Minister für Handel und Wirtschaft, Ghassan el Rifai. Trotz der Sicherungsmaßnahmen könnten jedoch einige Iraker in das Land gelangt sein. El Rifai verwies darauf, dass die syrisch-irakische Grenze von Syrien geschlossen worden sei, noch bevor die USA ihre Vorwürfe erhoben hätten.

 

Terror-Kämpfer ausgebildet?
Zuvor waren weitere brisante Anschuldigungen gegen das Land laut geworden: Aus italienischen Justizkreisen war durchgesickert, Syrien habe als Ausbildungsort für Extremisten gedient, die sich später in Nordirak einer Gruppe mit Verbindungen zur Terror-Organisation El Kaida angeschlossen hätten. Die Extremisten seien in Deutschland und Italien angeworben und in syrischen Lagern zu Kämpfern ausgebildet worden. Die US-Regierung vermuten zudem, Syrien entwickele Chemiewaffen.

Besuch in "naher Zukuft"
Die verschärfte Tonlage und die Vorwürfe der US-Regierung gegenüber Syrien ließ in Europa und in islamischen Staaten die Besorgnis laut werden, die USA könnten nach dem Irak-Krieg auch Syrien angreifen. Zumindest deutet sich nun aber so etwas wie Dialogbereitschaft beider Staaten an: US-Außenminister Colin Powell wird auf seiner nächsten Nahost-Reise voraussichtlich in Damaskus Station machen. Ein Termin steht noch nicht fest - im Ministerium war von einem Besuch in "naher Zukunft" die Rede. Die angekündigte Visite sei eine Geste des guten Willens, sagte sein syrischer Amtskollege Faruk el Scharaa.

Struck: Kein US-Militärschlag
Powell bekräftigte, die USA hätten derzeit keine Kriegspläne gegen Syrien. Auch der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck rechnet auf "absehbare Zeit" nicht mit militärischen Aktivitäten der USA. "Ich gehe davon aus, dass die US-Regierung zunächst einmal eine politische Lösung anstrebt", sagte der Sozialdemokrat.