Zeit der großen Kämpfe ist vorbei

  
USA ziehen zwei Flugzeugträger ab. Amerikaner und Iraks Opposition beraten über neue Regierung.

Ein US-Marine vor einer Saddam-Statue in Tikrit. (Foto: AP)

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Ein US-Marine vor einer Saddam-Statue in Tikrit.

 

USA und Oppositionelle beraten über neue Regierung

Nach dem Fall Tikrits gehen die Alliierten davon aus, dass die Zeit der großen Kämpfe im Irak vorbei ist. US-Brigadegeneral Brooks sagte im Zentralkommando in Katar, es könne zwar noch weitere Kämpfe geben, diese würden aber auf wenige Gebiete begrenzt sein. Die Streitkräfte Saddams seien zusammengebrochen, so der britische Premierminister Tony Blair. Erste Militärverbände sollen die Golfregion in Kürze wieder verlassen.

 

Flugzeugträger werden abgezogen
Die Flugzeugträger "USS Kitty Hawk" und die "USS Constellation" mit rund 160 Kampfflugzeugen an Bord kehren noch diese Woche in ihre Heimathäfen zurück, gab das US-Verteidigungsministerium bekannt. Die 1. Kavallerie-Division werde wohl nicht mehr wie geplant im Irak stationiert. Auch die australische Regierung erklärte, sie hoffe, ihre 2000 Soldaten in Irak bald nach Hause holen zu können.

Wer stellt die Übergangsregierung?
Unterdessen rückt die Frage in den Vordergrund, wer den Irak nach dem Sturz Saddam Husseins führt. Vertreter der USA und des Irak treffen sich heute in Nasirija, um erstmals über eine Übergangsregierung zu sprechen. Der frühere US-General Jay Garner soll die Konferenz leiten. Er ist von der US-Regierung als Chef einer Übergangsverwaltung vorgesehen. Rund 60 Vertreter von schiitischen und sunnitische Gruppen, von Kurden und des 1958 gestürzten Königshauses wollen zu den Gesprächen anreisen.

 

SCIRI will Treffen boykottieren
Die wichtigste schiitische Oppositionsgruppe will das Treffen jedoch boykottieren. Der Hohe Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) gab bekannt, man lehne jegliche Abhängigkeit ab, egal ob von den USA oder von sonst jemandem. Der Führer der Gruppe, Abdul Asis Kakim, sagte, die von Washington geplante Interimsverwaltung unter Führung Garners sei ein Rückschritt in die Zeit des Kolonialismus.

Abdul Asis Hakim (Foto: dpa)

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Der Führer der größten schiitischen Oppostitionsgruppe im Irak, Abdul Asis Hakim, will eine von den USA eingesetzte Übergangsregierung im Irak nicht anerkennen.

 

 60 Prozent der insgesamt 26 Millionen Einwohner des Irak sind Schiiten. Auch der Chef der Oppositionsgruppe Irakischer Nationalkongress, Ahmed Chalabi, wird nicht an dem Treffen teilnehmen und stattdessen einen Vertreter schicken. Dabei haben die USA für Chalabi eine Führungsrolle im Irak vorgesehen.

Uno nur als Beobachter
Die Uno wird lediglich als Beobachter an der Konferenz teilnehmen. Zahlreiche Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats hatten sich gegen den Irak-Krieg ausgesprochen und stattdessen eine Fortsetzung der Waffeninspektionen gefordert. Die USA haben zwar zugesagt, die Uno würde beim Wiederaufbau des Irak eine vitale Rolle spielen, haben diese aber nicht genauer definiert.

Kurdische Peshmerga-Kämpfer (Foto: Reuters)

Iraker gehen auf Distanz zu USA

Tote bei Demonstration in Mossul, Streit mit Exil-Irakern: Die USA bekommen im Irak zunehmend Probleme.

Aufruhr über Nachkriegsordnung
Kurdische Peshmerga-Kämpfer (Foto: Reuters)

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Bei Unruhen in der nordirakischen Stadt Mossul sind mindestens zehn Menschen getötet worden.


Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der demokratische Frieden im Irak nicht so leicht zu erringen sein wird wie der militärische Sieg. Denn wichtige irakische Oppositionsgruppen gehen bereits auf Distanz zu den USA. So löste eine pro-amerikanische Rede des neuen Gouverneurs der nordirakischen Stadt Mossul eine Schießerei aus, bei der mindestens zehn Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden sind.

US-Soldaten sollen auf Menschenmenge geschossen haben
"Es gibt vielleicht hundert Verletzte und zehn bis zwölf Tote", sagte der Notarzt des städtischen Krankenhauses. Augenzeugen berichteten, US-Soldaten hätten auf eine Menschenmenge geschossen, die sich dem neuen Gouverneur der Stadt gegenüber feindselig zeigte. Dagegen erklärte ein US-Militärsprecher, die Soldaten seien von mindestens zwei Schützen von einem nahegelegenen Dach aus beschossen worden und hätten das Feuer gezielt erwidert. "Wir haben nicht auf die Menge geschossen, sondern oben auf das Gebäude." Der Schusswechsel habe etwa zwei Minuten gedauert.

 

Aufruhr nach pro-amerikanischer Rede
Der neue Gouverneur Maschan el Guburi soll auf dem Marktplatz der Stadt eine pro-amerikanische Rede gehalten haben. Daraufhin habe sich die aufgebrachte Menge auf den Weg zum Sitz der Provinzregierung begeben. Kinder hätten Steine geworfen. Andere Zeugen sagten, die Demonstranten hätten Gegenstände auf Guburi geworfen und sein Auto umgestürzt. Daraufhin habe der Gouverneur die US-Soldaten aufgefordert, zu schießen.

Gefechte zwischen Kurden und Arabern
In den vergangenen Tagen hatte es in Mossul Gefechte zwischen Kurden und Arabern gegeben, bei denen nach Angaben des städtischen Krankenhauses bis zu 20 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt wurden. Die US-geführten Streitkräfte hatten die strategisch wichtige Ölstadt am Freitag unter ihre Kontrolle gebracht.

 

Irakische Oppositionelle gehen auf Distanz zu den USA
Auch aus dem Süden des Landes gibt es wenig Erfreuliches zu berichten: Die Konferenz über eine Nachkriegsordnung in Nasirija ist von wichtigen irakischen Oppositionsgruppen boykottiert worden. Selbst der von der US-Regierung finanzierte Vorsitzende des Irakischen Nationalkongresses, Ahmed Chalabi, wollte sich nicht auf der Konferenz blicken lassen. Er schickte, wie die meisten anderen Exil-Oppositionsgruppen nur einen Vertreter zu dem vom ehemaligen US-General Jay Garner geleiteten Treffen. Und das obwohl er vom Pentagon für eine Führungsrolle im "neuen Irak" vorgesehen ist.

Boykott der wichtigsten schiitischen Oppositionsgruppe
Der Boykott der Nasirija-Konferenz durch die wichtigste schiitische Oppositionsgruppe, Hoher Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI), schadet der Akzeptanz der neuen US-geleiteten irakischen Übergangsbehörde noch mehr als das Fernbleiben Chalabis, meinen Beobachter. Für den Rat gäbe es keinen Grund, an dem Treffen teilzunehmen, da sich die wichtigsten Oppositionsgruppen bereits bei ihren Treffen im vergangenen Dezember in London und Ende Februar im nordirakischen Salaheddin "auf Vieles geeinigt haben, was in der Zeit nach der Veränderung wichtig sein wird", sagte ein Sprecher der Organisation, im arabischen Fernsehsender El Arabija. Seine Organisation sei nicht bereit, sich Entscheidungen von "irgendeiner fremden Macht aufzwingen zu lassen".

 

Schiiten-Organisation "El Dawa" blieb der Konferenz fern
Auch die Schiiten-Organisation "El Dawa", die für mehrere, meist erfolglose Attentate auf Angehörige des Regimes von Saddam Hussein verantwortlich ist, entschied sich gegen eine Teilnahme an der Konferenz. Schon die Tatsache, dass dieses Treffen auf einem Luftwaffenstützpunkt stattfinde und von US-Militärs organisiert werde, sei negativ, sagte ein Organisationssprecher.

Kurden unterstützen die USA uneingeschränkt
Die Einzigen, die den USA immer noch ohne Einschränkung die Treue halten, sind die beiden großen Kurdenparteien von Massud Barsani und Dschalal Talabani. Beide Parteien hatten die US-Soldaten mit ihren Kämpfern bei der Einnahme von Kirkuk und Mossul unterstützt. Barsani und Talabani hoffen, dass sie ihren halbautonomen Status im Nordirak mit Hilfe der USA in einem föderalen irakischen Staat bewahren können.

 

Massendemonstration in Nasirija
Schon im Vorfeld der Konferenz demonstrierten rund 20.000 Schiiten in Nasirija gegen das Treffen irakischer Oppositioneller. Über die künftige Regierung müssten die schiitischen Gelehrten bestimmen, forderte die Menge. Nach Jahren der Unterdrückung müssten die Schiiten eine zentrale Rolle im Nachkriegs-Irak übernehmen. "Ja zur Freiheit, Ja zum Islam, Nein zu Amerika, Nein zu Saddam", skandieren die Demonstranten.

 

 

 

 

 

 

Neue Bilder Bagdad

 

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Ein Polizist schlägt in Bagdad mit seinem Schuh ein Bild Saddam Husseins ein. Über 2000 Polizisten meldeten sich in der Hauptstadt zum Dienst, um nach den Plünderungen der letzten Tage Recht und Ordnung wiederherzustellen.

 

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Ein US-Soldat betrachtet die Schäden an Saddams Hauptpalast in Tikrit.

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Iraker klettern eine Eisenbahnbrücke hinauf, die von der amerikanischen Luftwaffe zerstört wurde.

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Eine palästinensische Hamas-Aktivistin zeigt die irakische Flagge bei einer Demonstration gegen die "amerikanische Besetzung des Irak" in Nablus.

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Für einen Dollar lässt sich ein US-Soldat bei einem Friseur im Zentrum Bagdads die Haare schneiden.

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Irakische Kinder lassen sich in Nassirija stolz mit einem Helm der US-Streitkräfte fotografieren.

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Erleichterung nach dem Einmarsch in Tikrit: Ein lachender US-Marine nimmt seinen Helm ab.

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Iraker fahren in einem Kleinbus mit Einschusslöchern in der Frontscheibe.

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Die Aussicht von der Terasse des Hauptpalastes Saddam Husseins in Tikrit.

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Eine Mutter hält ihr Kind in den Armen, während sie im Krankenhaus von Safwan auf einen Arzt wartet.

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       General gibt mit 16.000 Soldaten auf

 

 

Ein US-Marine vor einer Saddam-Statue in Tikrit. (Foto: AP)

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Ein US-Marine vor einer Saddam-Statue in Tikrit.



Der Sieg der US-geführten Kriegs-Koalition im Irak steht so gut wie fest: Weitere 16.000 irakische Soldaten haben sich der US-Armee in der westirakischen Provinz El Anbar ergeben. Der Kommandant der Einheit, General Mohammed Dscharaui, unterzeichnete eine Kapitulationserklärung. Er sei bereit, den USA zu helfen und hoffe auf "eine gute Freundschaft" beider Länder, sagte Dscharaui. Bei den US-Truppen bedankte er sich, "Irak befreit zu haben und es sicher zu machen".

 

Erste Verbände der Alliierten rücken schon ab
Auch die Alliierten gehen nach dem Fall von Saddam Husseins letzter Hochburg Tikrit davon aus, dass die Zeit der großen Kämpfe im Irak vorbei ist. US-Brigadegeneral Brooks sagte in Katar, es könne zwar noch weitere Kämpfe geben, diese würden aber auf wenige Gebiete begrenzt sein. Erste Militärverbände sollen die Golfregion schon in Kürze verlassen. Die USA ziehen auch mehr als 1100 Soldaten aus der Türkei ab. Die Truppen waren bislang auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik stationiert und werden nach Deutschland ausgeflogen. Ein Teil der US-Soldaten war für die Überwachung der Flugverbotszone im Norden Iraks eingesetzt, die mit Beginn des Irakkriegs beendet worden war.

 

Flugzeugträger werden abgezogen
Die Flugzeugträger "USS Kitty Hawk" und die "USS Constellation" mit rund 160 Kampfflugzeugen an Bord kehren noch diese Woche in ihre Heimathäfen zurück, gab das US-Verteidigungsministerium bekannt. Die 1. Kavallerie-Division werde wohl nicht mehr wie geplant im Irak stationiert. Auch die australische Regierung erklärte, sie hoffe, ihre 2000 Soldaten im Irak bald nach Hause holen zu können.

 

Wer stellt die Übergangsregierung?
Unterdessen rückt die Frage in den Vordergrund, wer den Irak nach dem Sturz Saddam Husseins führt. Vertreter der USA und des Irak treffen sich heute in Nasirija, um erstmals über eine Übergangsregierung zu sprechen. Der frühere US-General Jay Garner soll die Konferenz leiten. Er ist von der US-Regierung als Chef einer Übergangsverwaltung vorgesehen. Rund 60 Vertreter von schiitischen und sunnitischen Gruppen, von Kurden und des 1958 gestürzten Königshauses wollen zu den Gesprächen anreisen.

 

Demonstrationen gegen Konferenz
Vor Beginn des Treffens in Nassirijah demonstrierten etwa 20.000 Menschen gegen die Konferenz. "Ja zur Freiheit, Ja zum Islam, Nein zu Amerika, Nein zu Saddam", riefen die Demonstranten. Die Menge forderte, die Zukunft des Landes in die Hand der Hawsa zu legen, einer Schule schiitischer Geistlicher in Nadschaf. "Es ist Sache der Hawsa, nicht der USA oder Großbritanniens, die Vertreter des Volkes zu wählen", sagte ein Imam vor Ort. Viele Demonstranten hielten den Koran in den Händen.

 

"Rückfall in die Zeit des Kolonialismus"

Abdul Asis Hakim (Foto: dpa)

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Der Führer der größten schiitischen Oppostitionsgruppe im Irak, Abdul Asis Hakim, will eine von den USA eingesetzte Übergangsregierung im Irak nicht anerkennen.

 


Die wichtigste schiitische Oppositionsgruppe will das Treffen boykottieren. Der Hohe Rat für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) gab bekannt, man lehne jegliche Abhängigkeit ab, egal ob von den USA oder von sonst jemandem. Der Führer der Gruppe, Abdul Asis Hakim, sagte, die von Washington geplante Interimsverwaltung unter Führung Garners sei ein Rückschritt in die Zeit des Kolonialismus. 60 Prozent der insgesamt 26 Millionen Einwohner des Irak sind Schiiten. Auch der Chef der Oppositionsgruppe Irakischer Nationalkongress, Ahmed Chalabi, wird nicht an dem Treffen teilnehmen und stattdessen einen Vertreter schicken. Dabei haben die USA für Chalabi eine Führungsrolle im Irak vorgesehen.

UN nur als Beobachter dabei
Die UN werden lediglich als Beobachter an der Konferenz teilnehmen. Zahlreiche Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats hatten sich gegen den Irak-Krieg ausgesprochen und stattdessen eine Fortsetzung der Waffeninspektionen gefordert. Die USA haben zwar zugesagt, die UN würden beim Wiederaufbau des Irak eine "vitale Rolle" spielen, haben diese aber nicht genauer definiert.

 

 

 

 

 

Vorläufige Zahlen des Krieges

Im Irak-Krieg, der am 20. März begann, sind Tausende von Menschen ums Leben gekommen. Aus unterschiedlichsten Quellen, die oft nur Schätzungen nennen, ergibt sich folgendes Bild des Krieges in vorläufigen Zahlen:

Tote, Verwundete, Kriegsgefangene
Alliierte: mindestens 149 Soldaten getötet, 495 Verwundete; darunter sind Tote bei der Explosion von Munition und versehentlichem Beschuss durch eigene Truppen.

Irak: mindestens 2300 Soldaten getötet (US-Schätzung); - mindestens 1200 Zivilisten getötet (irakische Schätzung) - mindestens 7300 irakische Kriegsgefangene (US-Angaben) - Medien: mindestens zehn Journalisten getötet.

Streitkräfte
Alliierte: rund 300.000 Soldaten in der Region, darunter 255.000 Amerikaner, 45.000 Briten und 2000 Australier - Irak: rund 38.0000 Soldaten, zusätzlich zwischen 50.0000 und 650.000 Reservisten.

Eingesetzte Waffen
Etwa 15.000 Präzisionsbomben, etwa 8000 ungesteuerte Sprengkörper, etwa 800 Tomahawk Flugkörper bei rund 30.000 Einsätzen .

Kriegskosten
Bisher über 25 Milliarden Dollar - USA: 79 Milliarden Dollar für den Irak-Krieg und Folgen (darin 62,6 Millarden reine Kriegskosten); Briten: drei Milliarden Pfund (4,5 Milliarden Euro) für den Irak-Krieg.

Kriegschäden, Folge-, und Umweltschäden
Kultur: Irakisches Nationalmuseum und Nationalbibliothek beraubt - Infrastruktur: Wasser- und Stromversorgung teils zerstört, unter anderem Krankenhäuser und öffentliche Gebäude geplündert - Umwelt: wenige Ölquellen wurden in Brand gesteckt - Geschätzte Kosten für den Wiederaufbau des Iraks: mindestens 100 Milliarden Dollar.

Flüchtlinge
Das UN-Flüchtlingshilfswerk schätzt 30.000 irakische Flüchtlinge im eignen Land an der Grenze zum Iran.

Pentagon will getötete Zivilisten nicht zählen
Unterdessen berichtet die "Washington Post" das US-Verteidigungsministerium hätte keine Pläne, die im Irak-Krieg getöteten Zivilisten zu zählen. Am Wochenende hatte der Kongress das Verteidigungsministerium in einer Erklärung aufgefordert, Angehörige von getöteten irakischen Zivilisten ausfindig zu machen und ihren Verlust "angemessen zu kompensieren".

 

 

 

 

Nachkriegsszenario: Wie war es in anderswo?

 

Aktuelle Karte des Iraks (Grafik: t-news)

Aktuelle Karte des Iraks



Der Krieg im Irak ist vorbei und der Sturz Saddams scheint endgültig besiegelt. Nun blickt die Welt gespannt auf die Neuordnung des Landes. Der geplante Wiederaufbau mit Hilfe der Alliierten könnte stark an die frühere Umgestaltung besiegter Länder erinnern:

 

Afghanistan: Nach einem schnellen Sieg über das fundamentalistische Taliban-Regime überließen die USA die Neuordnung des Landes der Regie der Vereinten Nationen. Der Grundstein wurde 2001 auf dem Petersberg bei Bonn gelegt. Danach erhielt das Land eine eigene Regierung, die von einer internationalen Schutztruppe mit UN-Mandat abgesichert wird und deren Macht in den Außenbezirken der Hauptstadt Kabul endet. Der Aufbau, der mehr als 20 Jahren Krieg zerstörten Wirtschaft stockt, auch weil die zugesagten Milliarden nur spärlich fließen.

Kosovo: Für den Wiederaufbau im Kosovo, aus dem die Serben 1999 ohne UN-Mandat mit Nato-Luftangriffen vertrieben wurden, ist die UN-Interimsverwaltung UNMIK zuständig. Dabei soll die von der Nato geführte Kfor-Truppe den Aufbau von demokratischen Strukturen sichern. Trotz vielfältiger Auslandshilfen blieb die Wirtschaft desolat. Mehr als 400.000 Menschen haben keine geregelte Arbeit.

Bosnien-Herzegowina: Seit 1995 wird das Land - gemäß einem in Dayton geschlossenen Friedensvertrag - von einem hohen Repräsentanten überwacht, der über große Vollmachten verfügt. Mit Milliardenhilfen der internationalen Gemeinschaft wurde die im Krieg von 1992 bis 1995 zerstörte Infrastruktur weitgehend wieder aufgebaut. Wirtschaftlich blieb der von 3,9 Millionen Muslimen und Christen gebildete Staat jedoch ein Armenhaus.

Deutschland: Noch vor Kriegende stellten die Siegermächte im Februar 1945 in Jalta die Weichen für die Nachkriegsordnung. Geplant war die Aufteilung in vier Besatzungszonen und die Zulassung von Parteien. Die Amerikaner setzten einen Weststaat durch, für den Osten beschloss die Sowjetunion, dass sich der neue Staat an dem eigenen Gesellschaftssystem zu orientieren hatte. Fundamente der wirtschaftlichen Überlegenheit des Westens bis zur Wiedervereinigung 1990 waren Marshallplan, Marktwirtschaft und die Währungsunion.

Japan: US-General Douglas MacArthur verordnete dem besiegten Land 1947 eine Verfassung mit parlamentarischen Institutionen. Der Kaiser war nur noch Symbolfigur. Die großen Industrie- und Bankkonzerne wurden zerschlagen, die Wirtschaft dezentralisiert. Als Japan 1952 seine Souveränität wieder erlangte, waren die Voraussetzungen für einen rasanten Wirtschaftsaufschwung