US-Soldaten auf dem Vormarsch (Foto: dpa)

USA setzen zur Eroberung Tikrits an

  
Im Morgengrauen sind US-Panzer in das Zentrum der letzten Hochburg Saddam Husseins vorgedrungen.

  

  
US-Panzer stehen im Zentrum Tikrits

       US-Soldaten rücken weiter vor (Foto: Reuters)

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US-EInheiten rücken weiter in das Zentrum Tikrits vor.



US-Truppen haben am Morgen ihren Vormarsch in die irakische Stadt Tikrit fortgesetzt. Die Einheiten sind mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen in das Stadtzentrum der letzten Hochburg Saddam Husseins vorgerückt, berichtete der US-Nachrichtensender CNN.

 

Irakische Soldaten sind angeblich geflohen
Nach einem Bericht der kanadischen "National Post" gingen dem Vormarsch der Bodentruppen zahlreiche Luftangriffe in der Nacht voraus. Unklar ist derzeit, wie stark irakische Verbände die Heimatstadt des entmachteten Staatspräsidenten Saddam Hussein verteidigen werden. Zuvor hatte der arabische Fernsehsender El Dschasira gemeldet, viele irakische Soldaten seien vor den Amerikanern geflohen. CNN zeigte Bilder von verlassenen Panzern und dem verwaisten Hauptquartier der bisher regierenden Baath-Partei.

Gemeinsame Streifen in der Hauptstadt

 

US-Soldaten nehmen in Bagdad einen Plünderer fest (Foto: dpa)

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In Bagdad nehmen US-Soldaten einen Plünderer fest.


Im rund 150 Kilometer südlich gelegenen Bagdad bemüht sich das US-Militär inzwischen darum, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Marines sollen fortan gemeinsam mit rund 3000 reaktivierten irakischen Polizisten durch die eroberte Fünf-Millionenstadt patrouillieren, um Plünderungen zu verhindern.

 

Nächtliche Schießereien in Bagdad
In Bagdad lieferten sich in der Nacht US-Marines heftige Schusswechsel mit vermeintlichen Heckenschützen. CNN berichtete, die US-Soldaten seien in der Nähe des von ausländischen Journalisten bewohnten Hotels "Palestine" beschossen worden und hätten daraufhin das Feuer erwidert. Nach dem Gefecht seien drei Verdächtige festgenommen und verhört worden. Bei einem weiteren Schusswechsel in einem Vorort Bagdads sollen nach ersten Berichten vier US-Soldaten verletzt worden sein.

Gespräche über eine Übergangsregierung
Das US-Außenministerium gab bekannt, dass in der südirakischen Stadt Nasirija diese Woche Gespräche über die Bildung einer irakischen Übergangsregierung stattfinden sollen. Unterdessen bleibt das Schicksal von Saddam Hussein und der meisten seiner Gefolgsleute unklar. Der irakische Oppositionsführer Achmed Chalabi will Hinweise haben, dass sich Saddam mit Gefolgsleuten in der Nähe von Tikrit aufhalte.

 

 

 

US-Militär: Prüfen Saddams Schicksal mit dessen DNA

Saddam Hussein in verschiedenen Outfits: Sein Schicksal ist weiterhin ungeklärt (Foto: dpa)

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Der irakische Präsident Saddam Hussein in unterschiedlichen Outfits (Archivbilder): Immer wieder gibt es Flucht-Gerüchte. Die USA prüfen derzeit anscheinend anhand seiner DNA, ob Saddam Hussein tot ist. Das gab das US-Militär an.

 

Ist der irakische Präsident bei Luftangriffen auf Bagdad getötet worden oder lebt er? Diese Frage wollen die USA unbedingt klären. Anscheinend prüfen alliierte Streitkräfte derzeit anhand der DNA von Saddam Hussein, ob dieser tatsächlich tot ist. Das gab das US-Militär an.

 

Haben die USA Proben von Saddams DNA?
"Er ist entweder tot oder läuft lebendig herum. Solange ich nicht bestätigen kann, dass er tot ist, wird er wohl leben", sagte der Oberbefehlshaber der US-Truppen am Golf, General Tommy Franks, in einem CNN-Interview. Experten überprüften derzeit mit geeigneten Materialien, ob Saddam ums Leben gekommen sei. Auf die Frage, ob die Truppen auch über Proben von Saddams DNA verfügten, sagte Franks: "Oh, natürlich."

Angriff auf Saddam leitete den Krieg ein
Gleich zu Beginn des Irak-Krieges wollten die USA Saddam Hussein mit einem "Enthauptungsschlag" ausschalten: In den frühen Morgenstunden des 20. März wurde ein Anwesen in einer Vorstadt von Bagdad bombardiert. Die USA griffen nach eigenen Angaben gezielt Saddam und weitere Mitglieder des inneren Führungszirkels an. Dieser Angriff hat den Staatschef nach Vermutungen von Mitarbeitern des US-Geheimdienstes wohl verfehlt.

Restaurant im Visier
Amerikanische Geheimdienst-Informationen leiteten den zweiten Versuch ein, Saddam Hussein gezielt zu töten: Mit seinen Söhnen Udai und Kusai sowie anderen Mitgliedern der irakischen Führung soll er sich in einem Restaurant getroffen haben. Der Abwurf von vier schweren Bomben richtete in dem Stadtteil Mansur in Bagdad schwere Schäden an und hinterließ einen tiefen rauchenden Krater. 14 Menschen wurden vermutlich getötet.

 

US-Soldaten nehmen Gentests vor
Diese Toten untersuchen die USA mit Gentests, um ihre Identität zu klären. Falls die alliierten Streitkräfte tatsächlich über eine DNA-Probe von Saddam Hussein verfügen, könnten sie eindeutig feststellen, ob er sich unter den Toten befindet. Dafür fehlt bislang noch jeder Beweis.

US-Panzer rollen ins Stadtzentrum von Tikrit

US-Marines vor dem Sommerpalast Saddam Husseins in Tikrit (Foto: dpa)

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US-Marines vor dem Sommerpalast Saddam Husseins in Tikrit

US-Soldaten haben das Zentrum von Tikrit, der Heimatstadt Saddam Husseins, eingenommen. Das berichtete der Nachrichtensender El Dschasira. Die Stadt galt als die letzte Hochburg der Anhänger Saddams und seines Clans. Nach der Einnahme der Stadt halten die Alliierten ein baldiges Ende des Krieges für sehr wahrscheinlich. Tikrit war die letzte große irakische Stadt, die sich noch nicht unter Kontrolle der alliierten Truppen befand.

 

Kaum noch größere Kämpfe im Irak
Nach Darstellung der US-Armee leisteten die irakischen Truppen in Tikrit geringeren Widerstand als erwartet. Darüber hinaus seien die wenigen Kämpfe in der Stadt insgesamt die einzigen im Irak innerhalb von 24 Stunden gewesen, sagte General Vincent Brooks vom US-Zentralkommando. Diese Lage ermögliche es den Alliierten, sich zunehmend darauf konzentrieren zu können, die Voraussetzungen für einen "langfristig stabilen Irak" zu schaffen.

 

Mindestens 15 Tote bei Kämpfen
Aufnahmen von El Dschasira zeigten, wie US-Soldaten in der menschenleeren Stadt am Straßenrand sitzen und US-Panzer an einem zentralen Platz Position beziehen. "Die Stadt ist komplett abgeriegelt, niemand ist auf den Straßen zu sehen, außer den Marineinfanteristen", berichtete der Reporter. Zuvor hatten nach US-Angaben Soldaten eines Expeditionskorps die irakischen Kämpfer am südlichen Stadtrand angegriffen. Es sollen mindestens 15 irakische Infanteristen getötet und mehrere Panzer zerstört worden sein.

 

 

 

 


Republikanische Garden sind verschwunden

US-Militär vor einer Saddam-Statue in Tikrit (Foto: dpa)

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US-Militär vor einer Saddam-Statue in Tikrit


Einwohner berichteten dem Sender, die in Tikrit stationierten Einheiten der Republikanischen Garde hätten die Stadt bereits vor fünf Tagen verlassen. Wohin die Kämpfer und die politische Führung verschwunden sind, konnte niemand sagen. CNN zeigte Bilder von verlassenen Panzern und dem verwaisten Hauptquartier der bisher regierenden Baath-Partei. Inzwischen verhandeln die US-Truppen mit Vertretern der örtlichen Clans über die Verwaltung der Stadt.

Vielerorts kehrt bereits der Alltag zurück
Brooks zufolge kehrt in vielen Teilen des Landes nach und nach "das alltägliche Leben zurück". In immer mehr Orten bildeten sich unter Leitung lokaler Führungspersönlichkeiten Gruppen, die für Ordnung sorgten und polizeiliche Aufgaben übernähmen. Zudem kontrollieren die Alliierten alle Ölfelder im Irak. Vor diesem Hintergrund habe nun eine "Übergangsphase" begonnen, meint Brooks. Das militärische Hauptziel, die Vertreibung des Regimes von der Macht, sei erreicht. Es werde aber auf absehbare Zeit noch Kämpfe auf "lokaler Ebene" geben.

Gemeinsame Streifen in der Hauptstadt
Im rund 150 Kilometer südlich gelegenen Bagdad bemüht sich das US-Militär inzwischen darum, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Marines sollen fortan gemeinsam mit reaktivierten irakischen Polizisten durch die eroberte Fünf-Millionenstadt patrouillieren, um Plünderungen zu verhindern. Inzwischen haben sich mehr als 2000 irakische Polizisten bei den US-Truppen gemeldet, um den Dienst wieder aufzunehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto-Serie - Aktuelle Bilder aus dem Irak


Ein US-Soldat bewacht in Bagdad einen Mann, der in einer Bank beim Plündern erwischt worden ist. Das alliierte Militär bemüht sich verstärkt darum, die chaotische Lage in der irakischen Hauptstadt unter Kontrolle zu bringen.

 

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Ein irakischer Junge hält sich am den Gewehr eines britischen Soldaten fest, der durch Al Kurna bei Basra patroulliert.

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Ein irakischer Zivilist redet auf einen US-Soldaten ein, der ein Hotel in Bagdad bewacht. In der Stadt herrscht gespannte Ruhe. Immer wieder kommt es zu Feuergefechten zwischen Heckenschützen und den Besatzern.

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Alliierte Soldaten führen nach Feuergefechten vor dem Palestine-Hotel in Bagdad einen Mann ab.

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Gemeinsam mit anderen Irakern bittet ein Junge vor dem Rot-Kreuz-Zentrum in Basra um Wasser.

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Aus einem Hahn im El Kurna-Krankenhaus in Basra fließt frisches Wasser. Britische Truppen hatten die Klinik nach Plünderungen wieder hergerichtet.

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Ein Vater begleitet seinen 13-jährigen Sohn, der von britischen Truppen nach Kuwait ausgeflogen wird. Die Hand des Jungen war abgerissen worden, als er versuchte, nicht explodiertes Militärmaterial aufzuheben.

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Britische Soldaten in Almara vor einem Porträt des untergetauchten Diktators Saddam Hussein.

  

 

 

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Saddam Husseins Halbbruder, Watban Ibrahim Hasan al-Tikriti, auf einer Spielkarte. Das Spiel wurde von den USA herausgegeben; die 55 Karten zeigen die meistgesuchten Führer der irakischen Regierung. Watban Ibrahim Hasan al-Tikriti wurde nahe der syrischen Grenze gefasst.

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US-Präsident W. Bush spricht vor dem Weißen Haus zu Reportern. Er warf Syrien vor, chemische Waffen zu besitzen und warnte erneut, das Land müsse beim Sturz des irakischen Regimes mit den USA zusammenarbeiten.

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Druck auf Syrien nimmt zu

 

Sind sich einig: Außenminister Straw (l.) und Powell (Foto: dpa)

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Sind sich einig: Außenminister Straw (l.) und Powell (Foto: dpa)


Für Washington und London ist der Fall klar: Die Syrer stecken mit Saddam unter einer Decke. Jetzt drohen die USA mit Sanktionen

  

Ton gegen Syrien wird schärfer

Der Druck auf Syrien wird größer: Die USA drohen dem Land mit Sanktionen, weil Damaskus angeblich die irakische Regierung unterstützt hat. Außenminister Colin Powell drohte "Maßnahmen diplomatischer, wirtschaftlicher oder anderer Art" an. Sein britischer Amtskollege Jack Straw sagte, es gebe "jede Menge Beweise" für eine Zusammenarbeit mit dem Irak.

 

"Syrien soll Verhalten prüfen"
Das Land solle sein Verhalten prüfen, "nicht nur in Bezug darauf, wer Zuflucht in Syrien erhält, und auf Massenvernichtungswaffen, sondern insbesondere auf die Unterstützung von Terroristen", so Powell. Die US-Regierung kritisiert seit Tagen, Syrien habe die irakische Regierung im Krieg gegen die USA unterstützt und gewähre irakischen Führungsmitgliedern Unterschlupf. Außerdem verfüge Syrien über Chemiewaffen.

 

Syrer unter Bagdads Befehl
Damit nicht genug: Die Mehrheit der freiwilligen Kämpfer des Irak soll nach US-Angaben aus dem Nachbarland stammen. Syrische Kämpfer seien "in größter Dichte" im Land, sagte US-Armeesprecher Vincent Brooks. Über die Zahl ausländischer Freiwilliger in Bagdad sei nichts bekannt, räumte Brooks ein. 300 Westen, die in der vergangenen Woche in Bagdad gefunden wurden, hätten vermutlich von den Ausländern bei Selbstmordanschlägen benutzt werden sollen.

"Werden Nicht angreifen"
Vorwürfe auch aus Großbritannien: "Es gibt jede Menge Beweise für eine Kooperation zwischen der syrischen Regierung und dem Saddam-Regime in den vergangenen Monaten", sagte Außenminister Straw. Der Brite hatte zuvor allerdings versichert, London und Washington hätten nicht die Absicht, das Land anzugreifen.

Fischer mahnt zur Zurückhaltung
Der deutsche Außenminister Joschka Fischer und EU-Chefdiplomat Javier Solana mahnten indes zur Zurückhaltung gegenüber Syrien. Fischer sagte auf dem EU-Außenministertreffen in Luxemburg: "Wir sollten uns darauf konzentrieren, den Frieden zu gewinnen und nicht in eine neue Konfrontation zu geraten." Solana forderte die USA auf, sich im Ton gegenüber Syrien zu mäßigen.

Abhängig vom Öl Iraks
Die Regierung in Damaskus wies die Vorwürfe zurück: "Es gab niemals eine Zusammenarbeit zwischen Damaskus und Bagdad." In der Tat hatte Syrien den Irak zumindest im ersten Golfkrieg unterstützt. In der Bevölkerung war dies jedoch kritisiert worden. Obwohl auch in Syrien die Regierung von einer Baath-Partei gestellt wird, gab es jahrzehntelang Spannungen zwischen den Parteien und den Regierungen in Irak und Syrien. Das vergleichsweise arme Syrien gilt zudem als wirtschaftlich abhängig von irakischen Öllieferungen.

US-General: Elf mobile Labors entdeckt

Mobile Bio-Waffenlabors (Foto: dpa)

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Am 5. Februar legte US-Außenminister Colin Powell dem UN-Sicherheitsrat angebliche Beweise vor, die belegen sollten, dass der Irak im Besitz mobiler Labors zur Herstellung von chemischen und biologischen Waffen sei.

 

US-Soldaten haben nach Angaben des US-Senders CNN nahe der irakischen Stadt Kerbela bis zu elf mobile Labors entdeckt, die möglicherweise zur Herstellung von biologischen und chemischen Waffen gedient haben.

 

Im Boden vergraben
CNN zitierte einen amerikanischer General des Heeres mit den Worten, die Einrichtungen seien im Boden vergraben gewesen und befänden sich in der Nähe einer bisherigen Artillerie-Fabrik. Zusammen mit den Lastwagen seien Berge von Dokumenten sichergestellt worden, sagte Brigadegeneral Benjamin Freakly. Wie es weiter hieß, wurden am Fundort aber keine chemischen Stoffe entdeckt.

 

Noch keine Hinweise auf Massenvernichtungswaffen
Nach CNN-Angaben wurden die Ausrüstungen nach dem Jahr 2000 gekauft. Der Irak habe den Besitz dieser mobilen Labors den UN-Waffeninspekteuren in ihrer Erklärung Anfang Dezember nicht mitgeteilt. Dies sei nach Aussage des Generals möglicherweise ein Indiz dafür, dass das Regime in Bagdad die Vereinten Nationen und die USA täuschen wollten. Ob dies ein Hinweis auf irakische Programme zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen sei, müsse noch untersucht werden, betonte der General. Bis jetzt haben die alliierten Streitkräfte im Irak noch keine Massenvernichtungswaffen gefunden.