US-Außenminister Colin Powell vor zerstörter Wohnanlage in Riad (Foto: Reuters)

Möglicherweise über 100 Tote

  
Hinter der Serie von Selbstmordanschlägen in Riad steckt offenbar die Terror-Organisation El Kaida.

 

Möglicherweise über 100 Tote bei Anschlägen
US-Außenminister Colin Powell (Foto: Reuters)

Reuters

US-Außenminister Colin Powell vor zerstörter Wohnanlage in Riad.


Bei den vier koordinierten Selbstmordanschlägen auf drei Ausländer-Siedlungen sowie ein amerikanisch-saudisches Unternehmen in der saudiarabischen Hauptstadt Riad sind möglicherweise über 100 Menschen ums Leben gekommen, wie aus amerikanischen Regierungskreisen verlautete. Ein Mitarbeiter des saudischen Innenministeriums sprach dagegen von 29 Toten und 194 Verletzten. Darunter auch neun Attentäter. Des Weiteren sollen zehn US-Bürger und auch deutsche, britische, französische und australische Staatsbürger unter den Opfern sein. Dem Außenministerium in Berlin lagen dazu zunächst keine Angaben vor.

Vermutlich El Kaida verantwortlich
Hinter der Serie von Selbstmordanschlägen in der saudiarabischen Hauptstadt Riad steckt nach ersten Erkenntnissen die islamische Terrororganisation El Kaida von Osama bin Laden. Das vermuten die USA, die saudische Regierung und deutsche Sicherheitskreise. Die Art und Weise des Vorgehens bei den Anschlägen deute auf Zellen der El Kaida hin. Genauere Erkenntnisse würden unter anderem durch die Analyse des verwendeten Sprengstoffs erwartet.

 

 

 

 

Gewaltige Autobomben gezündet


Zerstörte Autos in Riad (Foto: reuters)

 

Nach den Attentaten: Zerstörte Autos in Riad (Foto: reuters)

 

Augenzeugen zufolge fuhren in der Nacht Bewaffnete in die nobel ausgestatteten Wohnanlagen, in denen westliche Staatsbürger abseits der islamischen Vorschriften ein abgeschottetes Leben führen. Dort brachten sie nach einer kurzen Verfolgungsjagd und einem Schusswechsel mit Wachleuten gewaltige Autobomben zur Detonation. Von fünfstöckigen Häusern blieb teilweise nur die Betonhülle übrig, Schutt bedeckte überall die Straßen, auf denen Leichen lagen. Eine weitere Explosion ereignete sich am Sitz der Firma Siyanco, einem Unternehmen in amerikanisch-saudischem Besitz. Berichte über Verletzte oder Schäden lagen zunächst nicht vor. Die Attentate hatten sich wenige Stunden vor Beginn des Besuchs von US-Außenminister Colin Powell in Saudi-Arabien ereignet.

 

Powell: El Kaida in aller Welt jagen
Die Anschläge tragen laut Powell die Handschrift der Extremisten-Organisation El Kaida von Osama bin Laden. "Ein weiteres Mal wurden wir daran erinnert, das Terrorismus ein globales Phänomen ist.", sagte er in Amman. Die Attentäter bezeichnete Powell als Feiglinge und fügte hinzu, die Anschläge trügen "die Handschrift von El Kaida". Die USA würden ihre Anstrengungen verdoppeln, um in enger Zusammenarbeit mit den Freunden in aller Welt El Kaida zu jagen und den Terrorismus zu bekämpfen. Auch der saudiarabische Innenminister Prinz Najef sagte, die Anschläge stünden im Zusammenhang mit einer Gruppe von 19 mutmaßlichen El-Kaida-Anhängern, nach denen seit dem 6. Mai gesucht werde.

 

 

 

Schusswechsel mit mutmaßlichen Terroristen

Verletzte Ausländer in saudischem Krankenhaus (Foto: AP)

AP

Erika Warrington und Sinead sind bei den Anschlägen auf westliche Wohnanlagen in Riad verletzt worden.

 

Bei der Verfolgung einer islamistischen Terrorzelle in Riad wurden Anfang Mai größere Mengen von Waffen und Munition sichergestellt. Die Verdächtigen waren nach einem Schusswechsel entkommen. Der Unterschlupf der 19 mutmaßlichen Terroristen, zu denen 17 Saudis, ein Kuwaiter und ein Jemenit gehören sollen, lag in der Nähe der Ausländersiedlung, in der in der Nacht die erste Bombe explodierte. Das saudische Herrscherhaus hatte in den vergangenen Wochen einige vorsichtige Reformen angekündigt, die in religiösen Kreisen auf wenig Gegenliebe stießen.

Vor Anschlägen in der Region gewarnt
Erst vor wenigen Tagen hatte das US-Außenministerium vor Reisen nach Saudi-Arabien abgeraten. Zur Begründung wurde eine erhöhte Terrorgefahr genannt. Aus Geheimdienstkreisen verlautete, es gebe Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag des Terrornetzwerks El Kaida auf Amerikaner im Königreich. In Saudi-Arabien leben rund 35.000 US-Bürger, von denen viele in der Öl-Industrie arbeiten.

Nicht der erste Anschlag in Saudi-Arabien
In den vergangenen zwei Jahren hatte es im Königreich mehrere Angriffe auf Ausländer gegeben. Dabei waren unter anderem Autobomben eingesetzt worden. Die saudischen Behörden hatten vor wenigen Wochen erstmals die Existenz islamischer Extremisten im Land eingeräumt und mehrere Festnahmen bekannt gegeben.