Polizei soll Irakern zur Seite stehen

Plünderungen in Bagdad (Foto: dpa)

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Plünderungen in Bagdad.

Nach Angaben des US-Außenministeriums wollen die Vereinigten Staaten Polizisten und Justizbeamte als Berater in den Irak schicken. Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN will die Regierung zudem andere Länder bitten, eigene Polizeikräfte für einen Einsatz im Krisengebiet bereit zu stellen.

Polizisten sollen Organisationshilfe leisten
Die USA wollen zunächst ein Vorausteam von 26 Personen entsenden, um den Irakern bei der Wiederherstellung von Recht und Ordnung zu helfen, sagte Ministeriumssprecher Richard Boucher am Freitag in Washington. Insgesamt könne die Zahl der Berater auf 1150 steigen. Das Vorausteam soll zur Gruppe von Jay Garner gehören, dem von den USA vorgesehenen Leiter der irakischen Zivilverwaltung unter der US-Besatzung. Ein zweites Kontingent soll 150 Personen umfassen, die bei einem privaten Sicherheitsdienst beschäftigt seien, der Personal für US-Unternehmungen im Ausland stellt. Sie alle sollen Hilfe leisten und die Iraker bei der Organisation unterstützen. "Sie werden keine Polizisten auf Streife sein, sie werden keine Kontrollen in irakischen Städten durchführen", betonte Boucher.

 

Ausgangssperre verhängt

Plünderungen im Irak (Foto: rtr)

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Plünderungen im Irak: Zwei Männer haben ihren Karren mit einer kompletten Wohnzimmerausstattung bepackt.

 


Unterdessen herrscht weiter Chaos im Land. Um der Lage Herr zu werden und die Plünderungen einzudämmen, hatten die USA in mehreren Städten in der Nacht eine Ausgangssperre verhängt. In Bagdad standen in der Nacht mehre Gebäude - darunter Ministerien - in Flammen. Sie waren offenbar von Plünderern in Brand gesteckt worden.

Kurden patrouillieren in Mossul
Auch in der Erdölstadt Mossul, die kurdische Peschmergakämpfer am Freitag nahezu kampflos eingenommen hatten, kam es zu zahlreichen Plünderungen. Auch hier die wurde über Nacht eine Ausgehsperre. Am Samstagmorgen rückten auch die US-Truppen in die Stadt ein.

Kurden wollen Kirkuk schnell verlassen
In der Erdölstadt Kirkuk patrouillierten kurdische Kämpfer am Samstag durch die Straßen und nahmen Plünderern an eigens errichteten Kontrollpunkten ihre Beute ab. US-Truppen halten bereits die umliegenden Ölfelder sowie den Flughafen besetzt. Die Kurden wollen nach der Ankunft der US-Soldaten in der Stadt diese wieder verlassen. Die türkische Regierung hatte ultimativ den Abzug der Kurden aus Kirkuk verlangt, da sie die Errichtung eines Kurdenstaates fürchtet.

Fast alle wichtigen Städte unter US-Kontrolle
Nach der Einnahme der nordirakischen Stadt Mossul beherrschen die alliierten Truppen inzwischen mit Ausnahme von Tikrit, der Geburtsstadt Saddam Husseins, alle wichtigen Städte des Landes. Unterdessen kehrt in Basra nach Auskunft eines britischen Militärsprechers allmählich wieder Ruhe und Ordnung ein. "Es ist viel ruhiger geworden in den vergangenen Tagen", sagte Militärsprecher Ronnie McCourt vom Oberkommando in Katar am Samstag dem britischen Sender BBC.

Bush: Krieg ist noch nicht zu Ende
Der Krieg sei noch nicht zu Ende, betonte US-Präsident George W. Bush in einer Rede am Freitag. Es sei zu früh, bereits von einem Sieg zu sprechen. "Der Krieg ist dann vorbei, wenn Oberbefehlshaber Tommy Franks erklärt, dass wir unsere Ziele erreicht haben", sagte Bush in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme seit dem Fall von Bagdad. Er hoffe, dass aus dem Chaos eine irakische Nation entstehe, die in Frieden mit ihren Nachbarländern lebe, sagte der Präsident, der in einem Krankenhaus in der Nähe von Washington verwundete Soldaten aus dem Irak-Krieg besucht hatte.

 

Letzter Widerstand löst sich auf
Beamte des Verteidigungsministeriums in Washington erklärten, in Irak gebe es keine größeren Militärverbände mehr. Reste von Einheiten oder Widerstandszellen seien jedoch noch vorhanden. Nach den heftigen Luftangriffen auf Tikrit in den vergangenen Tagen gibt es nach US-Militärangaben inzwischen viele Hinweise darauf, dass sich auch die irakischen Verteidigungskräfte in der Heimatstadt Saddam Husseins auflösen. Ein von einer Drohne aufgenommenes Video zeige keinerlei Truppenkonzentration oder andere Verteidigungsvorbereitungen, berichtete am Freitag die "Washington Post" in ihrer Online-Ausgabe.

Spekulationen um Saddam
Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters, der nicht genannt werden wollte, fing der Geheimdienst ein Gespräch von Mitgliedern des irakischen Regimes auf, in dem es hieß, dass Saddam Hussein tot sei. Der Regierungsvertreter sagte, dabei könne es sich aber möglicherweise um Spekulationen oder ein Täuschungsmanöver gehandelt haben.

 

Verhandlungen über das Danach
Zu ersten Sondierungsgesprächen über eine künftige Nachkriegsregierung in Irak wollen am Dienstag der US-Gesandte Zalmay Khalilzad und Vertreter der irakischen Opposition in Nassirijah zusammenkommen. Ein Sprecher des US-Oberkommandos Mitte in Doha erklärte am Freitag, bei dem Treffen sollten die Prinzipien zur Sprache kommen, auf denen eine künftige Regierung aufgebaut werden könne. "Dies ist nur der erste Schritt von vielen, vielen weiteren", sagte Hauptmann Frank Thorp. An dem Treffen sollten Iraker aus dem gesamten Land und dem gesamten Spektrum der Gesellschaft sowie Exil-Iraker teilnehmen.

 

 

 

 

 

 

 

Erste kurdische Kämpfer ziehen sich zurück

 

Brennendes Regierungsgebäude in Mossul (Foto: dpa)

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Aufnahmen eines brennendes Regierungsgebäude in Mossul vom arabischen Fernsehsender Abu Dhabi.

In die von kurdischen Peschmergakämpfern am eingenommenen nordirakischen Erdölstädte Kirkuk und Mossul sind inzwischen auch weitere US-Soldaten eingerückt. Das US-Militär weite seine Kontrolle aus, berichtete der britische Sender BBC. Gleichzeitig hätten bereits erste kurdische Peschmergakämpfer mit dem Rückzug aus Kirkuk begonnen.

 

 

 

 

US-Verband erreicht Mossul

Das Ende eines Diktators (Foto: dpa)

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Als Teufel verhöhnt und mit Farbe beschmiert - das Ende des Diktators Saddam Hussein im Irak.

 


Ein US-Verband von etwa 40 Militärfahrzeugen stieß am Samstag in die Stadt Mossul vor. Ein Fernseh-Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, die US-Soldaten sicherten Schlüsselpositionen. Die Kolonne bestehe im wesentlichen aus schweren, Gelände gängigen Jeeps vom Typ "Humvee" und Lastwagen. Auf vielen Fahrzeugen seien schwere Maschinengewehre und Raketenwerfer aufgebaut. Viele Fahrzeugen waren auch mit der US-Flagge geschmückt. Nach Angaben eines kurdischen Kämpfers sollen US-Soldaten auch den Flughafen der Stadt erreicht haben. Von dort waren schwere Explosionen zu hören, ohne dass aber zunächst die Ursache bekannt wurde. Kurdische Kämpfer hatten unterstützt von nur einigen US-Soldaten am Freitag die drittgrößte Stadt des Landes kampflos besetzt. Die US-Luftlandetruppen waren in von Kurden kontrolliertem Gebiet auf dem Feldflugplatz Harir gelandet.

 

Kurden patrouillieren in Kirkuk
Auch in Kirkuk, wo es am Vortag zu zahlreich Plünderungen gekommen waren, wurden die US-Truppen erwartet. Dort herrschte am Morgen laut BBC wieder Recht und Ordnung. Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, kurdische Peschmergakämpfer pratrouillierten durch die Straßen und nähmen an eigens errichteten Kontrollpunkten den Plünderern ihre Beute wieder ab.

Erste kurdische Soldaten ziehen ab
Im Zentrum der Stadt regelten kurdische Polizisten den Verkehr. In einigen Stadtteilen kehrte am Samstag Normalität zurück: Einige Geschäfte öffneten und Menschen besuchten wieder rege die örtlichen Märkte. Zahlreiche Lastwagen mit kurdischen Soldaten verließen bereits wieder die Stadt. Die Türkei hatte zuvor ultimativ den Abzug der Kurden gefordert, weil sie die Errichtung eines Kurdenstaates befürchtete.

 

Kurdischer Rückzug aus Kirkuk geplant
"Die Stadt muss kontrolliert werden, um die Plünderungen zu verhindern", sagte ein kurdischer Befehlshaber. Ein anderer sagte, es seien bereits einige US-Soldaten vor Ort. Weitere würden folgen und dann würden die Peschmerga Kirkuk so schnell wie möglich verlassen. Die US-Truppen hatten bislang die umliegenden Ölfelder sowie den Flughafen besetzt gehalten. Die Türkei, die die Errichtung eines Kurdenstaates fürchtet, hat ultimativ den Abzug der Kurden aus Kirkuk verlangt.

 

Türkei schließt Einmarsch in Irak nicht aus
Nach Angaben des türkischen Außenministers Abdullah Gül schließt die Türkei auch weiterhin einen Einmarsch in Nordirak nicht aus. Gül sagte der Zeitung "Turkish Daily News" (Samstagausgabe), falls die kurdischen Kämpfer sich nicht aus den nordirakischen Städten Kirkuk und Mossul zurückziehen sollten, werde die Türkei nicht zögern, "die angemessenen Entscheidungen zu treffen" Derzeit gebe es aber offenbar keinen Grund für ein Eingreifen der Türkei, sagte Gül weiter. Die USA hatten der Türkei zugesichert, amerikanische Truppen würden die kurdischen Kämpfer in Kirkuk und Mossul ersetzen.

t-news/dpa/AP 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Bagdad und Kirkuk herrscht Anarchie
Plünderer in Bagdad (Foto: Reuters)

Chaos in Bagdad - Plünderer nehmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist. (Foto: Reuters)


Bagdad versinkt immer mehr im Chaos. Bewaffnete Männer ziehen randalierend durch die Straßen, melden Korrespondenten der Nachrichtenagenturen. Im Stadtbezirk Mansur hätten sie ein Kinderkrankenhaus gestürmt. In der Innenstadt habe ein Mann auf den Fahrer eines Kleinlasters geschossen, ihn dann aus dem Fahrzeug gezogen und sei mit dem Wagen weggefahren. Ob der Fahrzeugbesitzer tot oder verletzt sei, ist nicht bekannt.

 

Ladenbesitzer üben Selbstjustiz
Am Mittwoch hatten die US-Truppen die Kontrolle über die irakische Hauptstadt übernommen. Seither ist es immer wieder zu Plünderungen gekommen. Inzwischen haben Ladenbesitzer in Bagdad zur Selbstjustiz gegriffen und mehrere Menschen angeschossen. "Wenn uns die Amerikaner nicht verteidigen, dann verteidigen wir uns mit unseren Waffen selbst", sagte ein Beteiligter.

 

Krankenhäuser ohne Strom
Im El-Kindi-Hospital standen nur zwei Mediziner zur Verfügung, um die Verletzten zu behandeln. Nach den bewaffneten Plünderungen seien die meisten Patienten und Ärzte aus dem Krankenhaus geflohen, sagten Mitarbeiter. Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sind in Bagdad kleinere Krankenhäuser mittlerweile geschlossen, größere Krankenhäuser seien nicht zu erreichen. Die Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Rotes Kreuz: US-Truppen sollen Ordnung schaffen
Die Organisation hat die US-geführten Truppen nachdrücklich aufgefordert, für Ordnung zu sorgen. Wegen der gefährlichen Lage in Bagdad hatte das Rote Kreuz seine Arbeit vorübergehend eingestellt. Ein kanadischer Mitarbeiter war getötet worden, als sein Wagen in ein Kreuzfeuer geriet. Die US-Truppen bezogen daraufhin vor dem IKRK-Sitz in Bagdad Stellung.

Chaos auch in Kirkuk
Die Sicherheitslage ist auch in der eroberten nordirakischen Stadt Kirkuk außer Kontrolle geraten. Mehrere Menschen seien getötet oder verletzt worden, sagte der kurdische Gouverneur der Stadt, Risgar Ali Hamgam. Die Einwohner würden alte Rechnungen begleichen. Auch habe es die ganze Nacht über weitere Plünderungen gegeben. Das ehemalige Saddam-Hussein-Krankenhaus in der Stadt konnte die Angaben über Tote und Verletzte zunächst nicht bestätigen.

 

Ströbele: "Dürfen keine Handlanger der USA werden"

Christian Ströbele (Foto: dpa)

Grünen-Fraktionsvize Christian Ströbele (Foto: dpa)


Von Thorsten Denkler (Berlin)

In der rot-grünen Koalition gibt es keinen einheitlichen Kurs, wie mit der Frage des Wiederaufbaus im Irak umgegangen werden soll. Wie T-Online aus Regierungskreisen erfuhr, wolle man sich nicht auf eine Position festlegen lassen, die eine deutsche Wiederaufbauhilfe ausschließlich in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen ermögliche.

Optionen offenhalten
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte in einem Interview des Fernsehsenders RTL gesagt: "Deutschland kann und wird sich am Wiederaufbau beteiligen, wenn es ein Dach der Vereinten Nationen gibt." Was dies im einzelnen heiße, müssten die Uno und die Alliierten aushandeln. Eine Festlegung, ob damit eine Zusammenarbeit ohne UN-Beteiligung ausgeschlossen werde, sei dies nicht, hieß es. Man wolle sich die Option einer Zusammenarbeit mit den USA und Großbritannien offen halten

 

Zuammenarbeit ausschließlich mit den UN
Der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Christian Ströbele, hält diese Position für falsch. "Wir dürfen nicht zu Handlangern der Krieg führenden Parteien werden", sagte er T-Online. Eine Aufbauhilfe für den Irak könne es nur in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen oder einer legitimierten irakischen Regierung geben.

 

Bütikofer: Hilfe ist selbstverständlich
In der grünen Parteiführung wird die Frage differenzierter gesehen, während Parteichefin Angelika Beer Ströbeles Linie folgen würde, ist Parteichef Reinhard Bütikofer zurückhaltender. Ihm gehe es darum, dass der Aufbau des Friedens nicht gefährdet werde. Deutschland sollte sich unter diesen Umständen "selbstverständlich an der Hilfe für das irakische Volk beteiligen".

Weltbank soll helfen
Die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), will sich dafür einsetzen, dass die Weltbank einen Teil der Wiederaufbaukosten mit Krediten absichert. Da werde es eine einheitliche Position der europäischen Seite geben. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Weltbank dem Wunsch nachkommt.

 

Schuldenerlass möglich
Weltbank-Präsident James Wolfensohn hatte bereits Hilfe zugesagt, falls er gefragt werde. Bedingung: Eine neue UN-Resolution und eine demokratisch legitimierte Regierung im Irak. Wieczorek-Zeul, die heute nach Washington zur Frühjahrstagung der Weltbank reist, kann sich über Kredite hinaus vorstellen, dass dem Irak seine 82 Millionen Dollar Schulden bei der Weltbank erlassen werden: "Das Problem ist lösbar."

Ölquellen in schlechtem Zustand
Wie auch immer, der Irak braucht schnell finanzielle Hilfe, um damit solange den Aufbaujahre bezahlen zu können, bis er über den Verkauf von Öl selbst dazu in der Lage ist. Die Amerikaner wollen die Ölvorräte sofort dafür verwenden. Allerdings sind die Ölquellen nach Expertenmeinung in einem derart schlechten Zustand, dass sie frühestens in drei Jahren soweit in Stand gesetzt sind, dass sie zum Aufbau beitragen können.

 

Programm Brot für Öl überdenken
Der Grünen-Politiker Ströbele forderte, das UN-Programm "Brot für Öl" zu überdenken. Der Irak durfte auf Grundlage dieses Programms Öl verkaufen, wenn die Erlöse für Medikamente und Lebensmittel verwandt wurden. Dies sei jetzt obsolet, sagte Ströbele. Es müsse deshalb eine neue UN-Resolution verabschiedet werden, die kläre, wie mit den Ölvorkommen umgegangen werde.

Schwer verletzte Kinder sollen ausgeflogen werden
Die Bundesregierung hat in einem ersten Schritt 50 Millionen Euro für humanitäre Hilfe bereitgestellt, um die Menschen im Irak mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten zu versorgen. Falls notwendig, könne mehr Geld bereitgestellt werden, sagte Wieczorek-Zeul. Um den Kindern im Irak zu helfen, plane die Bundesregierung, die Schwerverletzten unter ihnen mit Maschinen der Luftwaffe nach Deutschland auszufliegen, um sie medizinisch besser behandeln zu können.

 

USA drohen Syrien mit Konsequenzen
In einem palästinensischen Flüchtlingslager in Syrien zeigt ein Mann das Bild Saddam Husseins. (Foto: AP)

AP

In einem palästinensischen Flüchtlingslager in der Nähe von Damaskus zeigt ein Mann das Bild Saddam Husseins.

 

 


Nach dem Irak könnte Syrien der nächste "Schurkenstaat" sein, der mit einem US-amerikanischen Militärschlag rechnen muss. Ein hochrangiger Berater des Pentagon sagte, wenn in dem Land irakische Massenvernichtungswaffen gefunden würden, könnte es zu einem Angriffsziel für die USA werden.

 

Perle: USA müssten auf Waffenfund reagieren
Richard Perle, Mitglied der Verteidigungspolitischen Kommission und ein Planer des Irak-Kriegs, sagte der Zeitung "International Herald Tribune", die USA müssten auf einen solchen Fund reagieren. "Zunächst würden wir von Syrien verlangen, dass sie alles abgeben, was in ihrem Besitz gelangt ist, um die Bedrohung zu beseitigen", ergänzte Perle. "Wenn das nicht geschieht, würde wohl keiner ausschließen wollen, dass wir die volle Breite unserer Möglichkeiten ausschöpfen."

 

Derzeit kein Feldzug in Vorbereitung
Das US-Militär bereite sich derzeit zwar nicht auf einen Feldzug gegen andere Länder vor, denen die USA ebenfalls die Unterstützung von Terrorismus und die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen vorwerfen, sagte Perle. "Die Botschaft an Syrien, den Iran, Nordkorea und Libyen sollte aber klar sein. Falls wir keine Alternative haben, sind wir bereit zu tun was notwendig ist, um Amerikaner und andere zu verteidigen."

Bush warnt Syrien vor Asyl für Iraker
US-Präsident George W. Bush warnte Syrien unterdessen davor, flüchtenden Angehörigen des irakischen Regimes Zuflucht zu gewähren. "Syrien muss verstehen, dass wir volle Zusammenarbeit erwarten", sagte Bush. "Wir fordern Syrien dringend auf, keinem Mitglied der Baath-Partei, der Saddam-Familie oder Generälen Zuflucht zu gewähren." Falls sich bereits Mitglieder der irakischen Führung nach Syrien abgesetzt hätten, verlange Washington die Auslieferung.

 

Bericht: Gesuchte Expertinnen in Syrien
Nach Informationen der "Washington Times" sind eine Reihe führender irakischer Waffenexperten nach Syrien geflohen und wollen von dort möglicherweise nach Frankreich weiterreisen. Unter ihnen sollen sich Huda Sali Nahdi Ammasch, die den Spitznamen "Dr. Anthrax" trägt, und Rihab Taha, beide Top-Wissenschaftlerinnen des biologischen Waffenprogramms, befinden. Ammasch steht auf der Liste der 55 von den Alliierten meist gesuchten Spitzenkräfte.

Rumsfeld: Syrien hilft Irakern bei der Flucht
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte Syrien in der vergangenen Woche vorgeworfen, höher gestellten Irakern und ihren Familien bei der Flucht zu helfen und die Warnungen der USA vor einer Unterstützung des irakischen Regimes bewusst zu ignorieren. Dagegen bescheinigte der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage der Regierung in Damaskus, sie habe auf die US-Forderungen reagiert, das Regime von Saddam Hussein nicht zu unterstützen. Syrien habe seine Grenze zum Nachbarland Irak inzwischen geschlossen.

Rumsfeld-Vize Wolfowitz kritisiert Fischer
US-Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz hat unterdessen bestritten, in einem Gespräch mit Außenminister Joschka Fischer die Ansicht vertreten zu haben, "dass die USA eine ganze Reihe von Ländern von ihren terroristischen Regierungen notfalls auch mit Gewalt befreien müssten". In einem Brief an den "Spiegel" schrieb Wolfowitz, er habe diese Auffassung nie vertreten und sie gegenüber Fischer auch nicht geäußert.

Fischer gibt "das Gesagte ungenau wieder"
Er habe bei dem Treffen im September 2001 nur gesagt, dass "nicht nur das Militär, sondern das ganze Spektrum an Mitteln - unter anderem diplomatische, geheimdienstliche und strafrechtliche - benötigt werde, um den Terrorismus erfolgreich zu bekämpfen". Ferner habe er gesagt, "unsere Annäherung an verschiedene Länder müsste auf jeden Einzelfall 'zugeschnitten' werden". Wolfowitz schrieb: "Ich bin enttäuscht, dass der deutsche Außenminister die Inhalte eines privaten Treffens öffentlich diskutiert; noch mehr enttäuscht mich aber, dass er das Gesagte ungenau wiedergibt".

 

 

Baradei: Inspektoren sollten zurück

UN-Atominspekteur Mohamed El Baradei (Foto: dpa)

dpa

UN-Atominspekteur Mohamed El Baradei

 

 

UN-Chefwaffeninspekteur Mohamed El Baradei hat Zweifel an der Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak geäußert. "Bisher ist der Beweis, dass der Irak noch über Massenvernichtungswaffen verfügt, nicht erbracht", sagte der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), der vor Beginn des Golfkrieges zusammen mit Chefinspekteur Hans Blix die Suche nach Massenvernichtungswaffen in Irak geleitet hatte, der "Bild am Sonntag". Um glaubwürdige Aussagen über möglicherweise noch vorhandene Waffen treffen zu können, müssten gefundene verdächtige Substanzen von den UN-Waffeninspektoren überprüft werden, forderte El Baradei.

 

UN-Inspektoren sollen im Irak weiterarbeiten
"Sollten verbotene Waffen gefunden werden, haben nur die Vereinten Nationen die Autorität, sie zu beseitigen - und nicht die USA". Zudem verlangte El Baradei, dass die UN-Inspektoren ihre Arbeit in Irak entsprechend den Vorgaben des UN-Sicherheitsrates fortsetzen sollten, sobald die Kämpfe beendet seien.

 

USA sollen Atomanlagen schützen
In einer offiziellen Erklärung forderte El Baradei zudem in seiner Funktion als Generaldirektor der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) die USA zum Schutz der Atomanlagen im Irak auf. Konkret gehe es um das in der Atomanlage von Tuwaitha gelagerte Nuklearmaterial, das 1991 von der IAEO versiegelt worden sei. "Ich habe (in dem Brief) darauf hingewiesen, dass die USA so lange für die Sicherheit in diesem wichtigen Lager zu sorgen haben, bis unsere Inspektoren wieder in den Irak zurückkehren können", schrieb der Atomexperte in seiner Erklärung weiter.

Nukleares Material beiseite geschafft?
Die IAEO-Kontrolleure hatten auf Anweisung der Alliierten kurz vor Kriegsausbruch den Irak verlassen. Die Atombehörde hatte sich davor im UN-Sicherheitsrat stets gegen ein militärisches Eingreifen ausgesprochen und stattdessen die Fortsetzung ihrer Kontrollen gefordert. "Die IAEO sollte (in den Irak) zurückkehren, sobald dies die Umstände erlauben, um zu kontrollieren, dass kein nukleares Material aus dieser Anlage beiseite geschafft wurde" betonte El Baradei.

 

Irakischer Präsidentenberater El Saadi stellt sich

 

Der irakische Präsidentenberater Amir el Saadi (Foto: dpa)

Der irakische Präsidentenberater Amir el Saadi

 


Der irakische Präsidentenberater Amir el Saadi hat sich am Samstag in Bagdad freiwillig den US-Streitkräften gestellt. Begleitet wurde der General dabei auf eigenen Wunsch von einem Team des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF).

 

Liste mit 55 gesuchten Irakern
El Saadi steht als letzter auf einer vom US-Oberkommando veröffentlichten Liste der 55 meist gesuchten irakischen Führungspersonen, derer die USA "tot oder lebendig" habhaft werden wollen. El Saadi ist damit offenbar der erste aus der irakischen Führungsriege, der sich freiwillig den US-Streitkräften gestellt hat.

El Saadi: Keine Informationen über Saddam Hussein
Über das Schicksal von Präsident Saddam Hussein sei ihm nichts bekannt, sagte El Saadi dem ZDF-Korrespondenten Ulrich Tilgner in Bagdad in einem Interview. Der Präsidentenberater sagte, er fühle sich in keinerlei Hinsicht schuldig. Daher habe er sich auch freiwillig gestellt.

 

Verhandlungspartner von Hans Blix
Der Chemie-Wissenschaftler El Saadi war vor dem Krieg im Irak unter anderem Verhandlungspartner der UN-Waffeninspekteure Hans Blix und Mohammed el Baradei. Alle seine damaligen Aussagen und Angaben entsprächen der Wahrheit und hätten "trotz der veränderten Situation" weiterhin Gültigkeit, sagte er. El Saadi betonte, dass er weder Mitglied der Baath-Partei noch Mitglied des irakischen Geheimdienstes gewesen sei.

Mit deutscher Frau verheiratet
Saddam Hussein hatte ihm den Rang eines Generals verliehen. El Saadi, der mit einer Deutschen verheiratet ist, hatte sich nach eigenen Angaben auch nach dem Einrücken der US-Streitkräfte in seinem Haus in Bagdad aufgehalten. Aus Sicherheitsgründen habe er ein Fernsehteam dabei haben wollen, als er sich den US-Amerikanern gestellt hatte, sagte er.