Mehrere Tote bei Anschlag in Bagdad
US-Soldaten in der Nähe des Anschlagsortes (Foto: Reuters)

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US-Soldaten in der Nähe des Anschlagsortes


Bei einem Selbstmordanschlag an einem militärischen Kontrollpunkt in Bagdad sollen am Donnerstag nach offiziellen Angaben mehrere US-Soldaten getötet worden sein. Auf die Frage, wie viele US-Soldaten ums Leben gekommen seien, antwortete ein US-Offizier: "Einige sind bei dem Anschlag getötet worden, ich weiß nicht wie viele." Nach anderen Angaben wurde ein US-Soldat getötet und drei weitere schwer verletzt. Der Anschlag habe sich nördlich dem Hotel "Palestine" im Zentrum der irakischen Hauptstadt ereignet.

Anschlag vor den Augen der Weltpresse
In dem Hotel haben sich viele ausländische Journalisten einquartiert, die über den Irak-Krieg berichten. Ein Reporter des US-Senders CNN hatte zuvor berichtet, bei einem Selbstmordanschlag seien vier US-Soldaten schwer verletzt worden. Seit Beginn des Irak-Kriegs vor drei Wochen sind bereits mehrere Anschläge auf die US-geführten Streitkräfte verübt worden.

 

Attentäter kam mit Sprengstoffgürtel
Die Agentur dpa meldete, ein Mann habe sich den Soldaten genähert und plötzlich Sprengstoff gezündet, den er sich auf den Körper gebunden hatte. Ein CNN-Reporter berichtete aus der irakischen Hauptstadt, er könne Rauch vom Ort des Anschlags aufsteigen sehen.

Nicht der erste Anschlag
Bereits am 29. März waren vier US-Soldaten bei einem Selbstmordanschlag ums Leben, als sich ein Mann mit einem Taxi in die Luft sprengte. Die irakische Führung hatte den Truppen der Alliierten mit Selbstmordanschlägen gedroht.


US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (Foto: dpa)

US-Soldaten rücken in Mossul ein


Nach dem Vorstoß in Kirkuk bereiten sich US-Soldaten auf die Einnahme von Mossul vor.

 

 

Rumsfeld sieht Chance für Übergabe Mosuls

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (Foto: dpa)

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US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sieht Chance für Übergabe Mosuls.

 

Nach der Einnahme der Stadt Kirkuk im Norden des Iraks mehren sich die Anzeichen, dass auch Mosul möglichlicherweise bald fallen wird. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld rechnet mit einer baldigen Übergabe Mosuls, einer der letzten irakischen Städte in der Hand des bisherigen Regimes. Er sehe Anzeichen, dass die irakischen Truppen in Mosul ihre Waffen bald niederlegen würden, sagte Rumsfeld in Washington. Dann würden amerikanische und kurdische Truppen in die nordirakischen Stadt einziehen.

Verhandlungen dauern an
Der US-Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf das Pentagon, dass derzeit Verhandlungen mit irakischen Kommandeuren in Mosul im Gange seien. Das dort stationierte 5. Korps der irakischen Armee wolle sich ergeben. Die Stadt, eines der Zentren der Ölförderung im Nordirak, war in den vergangenen Tagen erneut Ziel heftiger alliierter Luftangriffe. Nach einem Fall Mosuls könnten sich Kämpfe danach auf Tikrit, die Heimat Saddam Husseins konzentrieren, berichtete CNN unter Berufung auf Pentagonkreise.

Kurdische Milizen besetzen Kirkuk
Unterstützt von amerikanischen Spezialeinheiten hatten kurdische Milizen Kirkuk besetzt. Kurdische Milizen und US-Spezialeinheiten seien auf keinen Widerstand gestoßen, berichteten CNN, BBC und der türkische Nachrichtensender NTV.

Powell sichert US-Kontrolle zu
Die Türkei hatte mehrfach gewarnt, dass die Ölfelder von Kirkuk und Mosul nicht unter den Einfluss der irakischen Kurden geraten dürften. Für diesen Fall hatte sich Ankara den Einmarsch eigener Truppen vorbehalten. Nach türkischen Angaben sicherte US-Außenminister Colin Powell zu, dass US-Soldaten die Stadt unter ihre Kontrolle bringen werden.

 

 

 

 

 

 

 

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Zwei irakische Frauen tragen Möbel aus einem Regierungsgebäude in Bagdad.

 

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Einwohner Bagdads transportieren geplündertes Gut auf einem Auto. Nach dem Sturz des Regime Saddams herrscht Chaos in der Haupstadt.

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Auch in Basra wurden nach der Übernahme durch alliierte Truppen Regierungsgebäude und Geschäfte geplündert. Nicht einmal Krankenhäuser blieben verschont. Im Bild: Ein Mann in einem leergeräumten medizinischen Zentrum in Basra.

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Ein kleiner irakischer Junge kommt mit seinem gelben Lebensmittelpaket von einer Ausgabestelle zurück, die von den US-Marines in Nasirija im Süden des Irak geleitet wird. Im Hintergrund wartende Irakis.

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In einem Krankenhaus in Bagdad wird ein Mädchen behandelt, dass angeblich bei einem alliierten Bombenangriff verletzt wurde.

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Ein US-Soldat bewacht Ölfelder bei Kirkuk im Nordirak.

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Neu veröffentliches Bild der US-Armee, wie Soldaten bei Kerbela Anfang April bei Kerbala Kämpfer der Republikanischen Garde als Kriegsgefangene nehmen.

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Ein US-Soldat fordert an einer Straßensperre auf der Al-Durra-Straße in Bagdad eine Irakerin auf, das T-Shirt ihres Sohnes hochzuheben. Die Soldaten fürchten Hinterhalte und mögliche Selbstmordattacken.

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Ein US-Soldat patroulliert durch Bagdad.

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Irakische Jungen in Saddam-City in Bagdad amerikanisches Militär.

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Die zerstörte "Al Mansur", Yacht des irakischen Präsidenten Saddam Hussein, im Hafen von Basra.

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Spielkarten mit 55 gesuchten Irakern (Foto: AP)

Noch ist Saddams "Spiel" nicht aus

  
Nur Tikrit und Saddam sind noch nicht unter US-Kontrolle. Die Stadt wird bombardiert, nach dem Diktator wird mit Spielkarten gefahndet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mossul gefallen - 55 Iraker auf US-Fahndungsliste
Brigadegeneral Vincent Brooks mit dem 'Saddam-Spiel' (Foto: AP)

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Mit Fahndungs-Plakaten und Spielkarten wollen die USA Saddam Hussein und seine Führungsclique fassen.


Die Besetzung des Iraks durch die Invasionstruppen geht immer rascher voran. Der Widerstand regulärer irakischer Truppen ist nach Meldungen des TV-Senders CNN fast völlig erlahmt. Nach Bagdad und Basra hat das irakische Regime jetzt auch Mossul verloren. US-Spezialeinheiten sind in die nordirakische Stadt eingerückt. Wenige Stunden zuvor hatte sich das 5. Korps des irakischen Heers in Mossul ergeben und einem Waffenstillstand zugestimmt. Damit sind nur noch Tikrit, die Geburtsstadt von Saddam Hussein, der Diktator selbst und seine Führungsclique nicht unter der Kontrolle der USA. Aber auch damit soll bald Schluss sein.

USA verteilen das "Saddam-Spiel"
Um die ehemaligen irakischen Polit-Größen dingfest zu machen, haben die USA eine Fahndungsliste mit 55 Mitgliedern der gestürzten Führung erstellt. Die US-Kommandeure im Irak hätten die Liste zusammen mit Fotos der Gesuchten bekommen, teilte US-Brigadegeneral Vincent Brooks in Katar mit. Spielkarten mit den Fotos der meistgesuchten Iraker sollen die Bevölkerung zur Mithilfe bewegen. Außerdem würden überall im Land Fahndungs-Plakate aufgehängt. Der Oberkommandierende der US-Truppen, General Tommy Franks, hatte erklärt, entweder seien die wichtigsten irakischen Führer tot oder auf der Flucht.

 

Tikrit unter Bomben
Parallel zu der Suchaktion erhöhen die USA den militärischen Druck auf Tikrit. CNN und Sky-News meldeten übereinstimmend, die Stadt und ihre Umgebung würden verstärkt bombardiert. Dort wird von Militärexperten der letzte größere Widerstand gegen die Invasionstruppen erwartet. Ein CNN-Reporter berichtete, in den Hügeln östlich von Tikrit hätten sich islamische Mudschahedin-Kämpfer verschanzt und machten die Gegend unsicher. Aus Tikrit rekrutierte Saddam einen großen Teil seiner Führungsriege.

Chaos in Mossul


In Mossul herrschen nach der Eroberung durch US-Truppen und kurdischen Kämpfern Chaos und Plünderungen. Die Menschen schleppten alles, was nicht niet- und nagelfest sei, aus Verwaltungsgebäuden und sogar Krankenhäusern, so eine CNN-Korrespondentin. In Kirkuk soll die Sicherheitslage sogar völlig außer Kontrolle geraten

 

Kurdische Kämpfer vor Mossul (Foto: AP)

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Nach Kirkuk ist jetzt auch Mossul in die Hand der Invasionstruppen gefallen.

 

 

sein. Mehrere Menschen seien getötet oder verletzt worden, teilte der kurdische Gouverneur der Stadt mit. Die Einwohner würden alte Rechnungen begleichen. Auch in Bagdad und Basra herrscht nach dem Sturz des Regimes der Ausnahmezustand.

 

Kurdische Kämpfer verlassen Kirkuk
Das US-Militär warnte inzwischen die kurdischen Kämpfer, sie sollten nicht versuchen, die Kontrolle über Mossul zu gewinnen. Aus der am Donnerstag eroberten Ölstadt Kirkuk wollen die Kurdenverbände noch heute abziehen. Kurdenführer Dschalal Talabani sagte dem türkischen Nachrichtensender "CNN-Turk", kein einziger Peschmerga werde zurückbleiben. 2000 US-Soldaten seien bereits in Kirkuk, um die kurdischen Kämpfer abzulösen.

 

Türkei schickt keine Truppen
Die Türkei schickt nach den Zusicherungen der USA, die kurdischen Kämpfer zum Abzug aus den nordirakischen Städten zu bewegen, zunächst keine Soldaten über die Grenze. Das teilte Außenminister Abdullah Gül nach Beratungen der Regierung mit der Militärführung in Ankara mit.

 

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Chaos in Bagdad: US-Armee rechtfertigt Untätigkeit


Bewohner plündern Bagdad weitgehend unbehelligt unter den Augen der US-Truppen. (Foto: dpa)

 

Bewohner plündern Bagdad weitgehend unbehelligt unter den Augen der US-Truppen. (Foto: dpa)


US-Präsident George W. Bush hatte den Bewohnern Bagdads in einer Videobotschaft zugesichert, die USA und ihre Verbündeten würden für Recht und Ordnung sorgen. Doch nach dem Zusammenbruch von Saddams Regime herrscht in Bagdad Chaos - und die US-Truppen sehen weg. Plünderei und Brandstiftung sind an der Tagesordnung, ohne dass die Einheiten der US-Armee einschreiten. Die Bewohner stellen den Soldaten immer wieder die gleichen Fragen, berichtet die Washington Post. "Wann haben wir wieder Wasser und Strom? Was ist mit den zerstörten Telefonleitungen?", wollen die Menschen wissen. Vor allem aber interessiert sie, warum die Soldaten nicht gegen Plünderer vorgehen.

 

Truppenstärke reicht nicht aus
"Wir haben einfach nicht genügend Truppen hier", zitiert die "New York Times" einen amerikanischen Offizier, der im Osten von Bagdad Einwohnern erklären muss, warum er die Banden gewähren lässt. Die "Washington Post" berichtet, dass lediglich einige strategisch wichtige Punkte, wie das Hauptquartier des Geheimdienstes, das Öl-Ministerium und Stromversorgungsanlagen von US-Truppen gesichert werden.

 

Gefechte zwischen Saddam-Gegnern und Anhängern
Während sich bewaffnete Anhänger ehemals unterdrückter Gruppen mit Saddam-Anhängern in Teilen der Fünf-Millionen-Stadt Gefechte liefern sollen, seien die amerikanischen Truppen vorrangig auf die eigene Sicherheit bedacht, berichten Korrespondenten. Den Soldaten fehle der politische Durchblick, sie fürchten Hinterhalte und weitere Selbstmordattacken.

Wo steckt Saddam? - Diskutieren Sie mit!

Warten auf den Alltag
US-Verteidigungsminister Rumsfeld wies eine Verantwortung der Alliierten für das Chaos in Bagdad zurück: "Das irakische Volk habe auf vieles verzichten müssen, weil Saddam Hussein nicht mit den Vereinten Nationen zusammengearbeitet habe. Die Situation jetzt sei nicht schlechter, sondern besser als vor dem Krieg." Man könne "nicht alles gleichzeitig machen", rechtfertigte Stanley McChrystal vom US-Generalstab die Untätigkeit der Armee. Wie in Basra würden die Plünderungen wohl bald nachlassen, sagte der Sprecher der britischen Streitkräfte Al Lockwood.

 

 

 

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Ein irakischer Junge schiebt in Bagdad einen Bürostuhl vor US-Panzern her. Öffentliche Gebäude seien vorwiegend den Plünderern zum Opfer gefallen. (Foto: Reuters)

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Auch die deutsche Botschaft in Bagdad blieb von Plünderern nicht verschont. (Foto: Reuters)

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Dieser Junge hat einen Sack Zucker aus einem Lager in Bagdad erbeutet. (Foto: Reuters)

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Selbst leere Plastikfässer sind den Plünderern willkommen, die alles forttragen, was sie kriegen können. (Foto: Reuters)

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Aus den Lagern der Republikanischen Garden beschaffen sich Iraker Lebensmittel. (Foto: Reuters)

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Öffentliche Einrichtungen und Gebäude der Regierung waren die ersten Ziele der Plünderer. Die Gebäude wurden erst leer geräumt und dann häufig in Brand gesteckt. (Foto: Reuters)

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Nachdem US-Truppen eine Saddam-Statue im Zentrum von Bagdad gestürzt haben, feiern Iraker den Sturz des Systems. Viele Einwohner zeigen ihre Agressionen gegen das alte Regime und demolieren öffentliche Gebäude. (Foto: Reuters)

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Chaos in Bagdad - US-Truppen müssen so schnell wie möglich Sicherheit und Ordnung herstellen. Sie sind unter anderem völkerrechtlich dazu verpflichtet. (Foto: Reuters)

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Diese Iraker haben den Gabelstapler für den Transport der geplünderten Gegenstände gleich mit erbeutet. (Foto: Reuters)

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In einer Bank haben Plünderer einen Safe erbeutet. (Foto: AP)

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US-Soldaten sehen untätig zu, wie Einwohner Bagdads ein Regierungsgebäude ausräumen. (Foto: AP)

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"Die USA müssen erst die ABC-Waffen finden"
Jeff Gedmin (Foto: dpa)

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Jeff Gedmin


Das Interview führte Andreas Oppermann (Berlin)

Einen Feldzug gegen Syrien oder den Iran kann sich Jeff Gedmin nicht vorstellen. Der Leiter des amerikanischen Aspen-Instituts in Berlin ist auch nach seiner Reise nach Washington davon überzeugt, dass die Regierung Bush zunächst die Probleme im Irak in den Griff bekommen will. Kurz nach seinen Gesprächen im Weißen Haus sprach T-Online mit dem Transatlantiker.

T-Online: Wo ist Saddam Hussein?

Jeff Gedmin: Ich habe keine Ahnung. Ich würde nicht ausschließen, dass er tot ist. Er könnte aber auch in Syrien oder immer noch in Bagdad oder Tikrit sein.

T-Online: Glauben Sie, dass der amerikanische Geheimdienst darüber Informationen hat?

Jeff Gedmin: Davon bin ich fest überzeugt. Aber ob das die richtigen Informationen sind, ist eine völlig andere Frage. Wenn wir ganz genau wüßten, wo er ist, dann wäre die Sache erledigt.

T-Online: Der Grund für diesen Krieg waren die Massenvernichtungswaffen, die der Irak nach CIA-Informationen haben soll. Wie glaubwürdig waren diese Informationen?

Jeff Gedmin: Gute Frage. Das werden wir herausfinden müssen. Die Massenvernichtungswaffen müssen in den nächsten Wochen und Monaten gefunden werden. Wenn es keine gibt, dann gibt es ein Problem.

T-Online: Für die Bush-Administration?

Jeff Gedmin: Ja. Dann gäbe es zwar die gute Nachricht, dass wir das Volk befreit haben, aber die Begründung für den Krieg war die Abrüstung. Wenn sich herausstellt, dass es diese Waffen gar nicht gab, dann ist das ein Problem.

T-Online: Bleiben die USA dabei, dass die Uno keine zentrale Rolle bei der Reorganisation des Irak spielen kann?

Jeff Gedmin: Ich glaube, dass die Regierung Bush der Uno eine wichtige Rolle einräumt, aber keine zentrale. Das wird jeden Tag betont.

T-Online: Aber es wird auch immer betont, dass diese wichtige Rolle nicht die Administration des Irak betreffen wird, sondern lediglich den Wiederaufbau und die humanitäre Hilfe.

Jeff Gedmin: Richtig. Dabei wird die Regierung auch bleiben. Selbst UN-Generalsekretär Kofi Annan ist nicht von der Idee begeistert, dass die Uno alles übernehmen soll. Davon wollen nur die Deutschen, die Franzosen und die Russen. Ihnen geht es dabei um ihre eigene Rolle. Das kann man verstehen. Die Amerikaner denken pragmatisch: Was ist in den nächsten Wochen und den nächsten Monaten hilfreich.

T-Online: Wird die US-Army gleich weiter nach Syrien oder Iran marschieren?

Jeff Gedmin: Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Aufgaben im Irak sind enorm. Wir müssen die Massenvernichtungswaffen finden. Wir müssen Stabilität im gesamten Irak herstellen. Und wir müssen unbedingt einen einheitlichen Irak erhalten. Zudem werden wir bald anfangen, mit den Menschen im Irak eine gemäßigte Regierung aufzubauen. Das alles wird nicht einfach. Und dann gibt es noch ein weiteres Problem: George W. Bush ist Politiker. Er möchte wieder gewählt werden. Wir haben wirtschaftliche Probleme. Wenn er ein weiteres Land angreift, wird er nicht wieder gewählt. Dann ist es vorbei. Das gilt übrigens auch, falls im Irak noch etwas schief geht.

T-Online: Wie geht es mit dem deutsch-amerikanischen Verhältnis weiter?

Jeff Gedmin: Es gibt zwei Seiten. Was die wirtschaftlichen Beziehungen angeht, läuft alles wie gewohnt. Beide Seiten haben daran Interesse. Was die strategische Partnerschaft angeht, fragt man sich in Washington: Was will denn der Bundeskanzler? Wenn ich an das Meeting am Wochenende von Gerhard Schröder mit Putin und Chirac denke, frage ich mich, ob das das richtige Signal zum richtigen Zeitpunkt ist. Der Verdacht liegt nahe, dass es Schröder, Chirac und Putin nicht um Abrüstung oder um die Hilfe der irakischen Bevölkerung geht, sondern um eine zentrale Rolle ihrer Regierungen im Nachkriegs-Irak.

T-Online: Also werfen sich beide Seiten das gleich vor?

Jeff Gedmin: Ja genau. Und beide Seiten haben ein Problem mit der Glaubwürdigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorwürfe gegen Syrien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rumsfeld: Syrien gewährt Regime-Treuen Asyl


In einem palästinensischen Flüchtlingslager in Syrien zeigt ein Mann das Bild Saddam Husseins. (Foto: AP)

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In einem palästinensischen Flüchtlingslager in der Nähe von Damaskus zeigt ein Mann das Bild Saddam Husseins.


Die USA werfen Syrien vor, das geschwächte Regime Saddam Husseins zu unterstützen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, Damaskus habe irakischen Regierungsvertretern und Verwandten des Diktators zur Flucht nach Syrien verholfen. Konservativen in den USA ist das Land schon länger ein Dorn im Auge. Nach dem Fall Bagdads fordern sie jetzt, auch die Machthaber in Syrien und im Iran zu stürzen.

 

Saddam Hussein in Syrien?
In Washington sagte Rumsfeld: "Wir erhalten bruchstückweise Geheimdienstinformationen, dass sich Syrien kooperativ bei der Einreise von Personen aus dem Irak zeigt. In einigen Fällen bleiben sie dann dort und finden Zuflucht. In anderen Fällen bewegen sie sich von Syrien an andere Orte". Der Minister ergänzte zwar später, es handle sich nicht um sehr hochrangige Iraker. Die "Washington Post" hatte jedoch zuvor Mitarbeiter des Geheimdienstes zitiert, der Dikator persönlich sei womöglich in Syrien untergetaucht.

 

Syrien nächstes Ziel amerikanischer Raketen?
Nun rückt die Frage in der Vordergrund, ob Syrien möglicherweise das nächste Ziel amerikanischer Bombardements werden könnte. Rumsfeld antwortete bislang ausweichend auf die Frage, ob ein Militärschlag gegen das Regime unter Präsident Bashar al-Assad erfolgen könnte. Und der britische Premierminister Tony Blair sagte Anfang April, "die Amerikaner haben keinerlei Pläne für einen Angriff."

Genug Arbeit im Irak
Der Leiter des Berliner Aspen-Institutes, Jeff Gedmin, kann sich nicht vorstellen, dass George W. Bush die US-Army nach Syrien oder in den Iran einmarschieren lässt. Gegenüber T-Online sagte der Berater der amerikanischen Regierung, dass zunächst der Irak stabilisiert und als Einheit erhalten werden müsse. Außerdem könne Bush keinen neuen Krieg beginnen, wenn er wiedergewählt werden wolle. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Situation in den USA würde den Amerikanern dafür das Verständnis fehlen.

 

"Die anderen Herren des Terrors stürzen"
Zahlreiche Konservative in den USA sehen das anders: Sie fordern eine harte Haltung gegen Syrien und den Iran. Bush selbst zählte die Länder zur "Achse des Bösen". "Es ist Zeit, die anderen Herren des Terrors zu stürzen", schrieb zum Beispiel Michael Ledeen vom "American Enterprise Institute. "Syrien kann nicht allein gegen eine erfolgreiche demokratische Revolution bestehen, die tyrannische Regime in Kabul, Teheran und Irak stürzt". Der Iran biete den USA die Möglichkeit eines "denkwürdigen Siegs", weil das Volk die Regierung dort offen hasse, schrieb Ledeen.

Wachsende Sorge vor Angriff im Iran
Der iranische Präsident Chatami warnte bereits, dass die Lage für das Land nach dem Sturz Saddams gefährlich sei. "Wir sollten jetzt einen geeigneten und besonders pragmatischen Weg einschlagen", sagte er. Reformer riefen auf, vorsichtig mit anti-amerikanischer Polemik zu sein. Die USA nehmen die iranische Bevölkerung bereits mit Parolen im Visier, die an die Propaganda vor dem Irak-Krieg erinnern. "Wir unterstützen euer Bestreben nach Freiheit und Demokratie", heißt es im proamerikanischen Radiosender Farda. Über ihn ist auch zu erfahren, dass der US-Senat plane, iranischen Dissidenten ein Jahresbudget von 50 Millionen Dollars zu gewähren.

"Keine andere Wahl als militärische Mittel"
Frank Gaffney, ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums unter US-Präsident Ronald Reagan, fordert, dass ein Regierungswechsel in Syrien und im Iran zur US-Politik erklärt werden soll. Dabei dürfe auch die Anwendung von Gewalt nicht ausgeschlossen werden. "Falls die Bedrohung sich derart ausbreitet, dass wir aus unserer Sicht keine andere Wahl als den Einsatz militärischer Mittel haben, dann müsste das eine Option sein", sagte er. Die Versuche, einen Machtwechsel in Iran, Syrien "und vielleicht auch in anderen Teilen der Region" herbeizuführen, würden sich vermutlich als "natürliche Entwicklung" im Krieg gegen den Terror herausstellen.

Powell: Syrien wird die Konsequenzen tragen
Rumsfeld hatte Syrien schon Ende März davor gewarnt, sich in den Irak-Krieg einzumischen. Damaskus beliefere den Irak mit Nachtsichtgeräten und anderer Militärtechnologie. Rumsfeld sprach von einem "feindlichen Akt". Auch US-Außenminister Colin Powell hatte Ende März erklärt: "Syrien kann mit der direkten Unterstützung terroristischer Gruppen oder des sterbenden Regimes von Saddam Hussein fortfahren oder es kann einen anderen, hoffnungsvolleren Kurs einschlagen." So oder so werde Syrien die Konsequenzen für sein Verhalten tragen.

 

US-Militär schafft Super-Bombe in die Golfregion
Obwohl der Krieg im Irak seinem Ende nah scheint, bringt die amerikanische Luftwaffe mehrere der weltgrößten konventionellen Bomben in die Golfregion. Mehrere dieser "Moab-Bomben" (Massive Ordnance Air Blast) würden derzeit in die Region verschifft, so das Pentagon. Die Moab-Bomben wiegen je 9,5 Tonnen und haben die Sprengkraft einer kleinen Atombombe. Sie ist die schwerste Bombe im US-Arsenal. Der Grund für den Transport ist bislang völlig unklar.

Präsidentensprecher relativiert
Das Weiße Haus ab jedoch kurz nach Rumsfelds Vorstoß zu verstehen, dass nach dem Ende der Herrschaft Saddam Husseins im Irak nicht unbedingt mit weiteren Versuchen eines Regimewechsels in "Problemstaaten" zu rechnen ist. Sprecher Ari Fleischer erwiderte am Donnerstag in Washington auf eine entsprechende Frage, Präsident George W. Bush habe sehr klar gemacht, "dass der Irak einzigartig ist". Jeder Fall werde unterschiedlich behandelt.

 

US-Truppen in Bagdad mit Jubel begrüßt

Reuters

Iraker jubeln in dem Bagdader Stadtteil Saddam City. Im Hintergrund liegen Gegenstände, die aus einem Regierungsgebäude geplündert wurden. Hunderte von Irakern bejubelten den Einmarsch der US-Soldaten, die durch den Ostteil der Stadt mit seinen Wohnvierteln fuhren.

 

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US-Soldaten ziehen der Saddam-Statue auf dem zentralen Tahrir-Platz eine amerikanische Flagge über den Kopf.

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Symbolbild des Sturzes von Saddam: Ein US-Soldat sieht zu, wie die Statue des Diktators auf dem Tahrir-Platz vom Sockel gezogen wird. Der Platz gilt als das eigentliche Zentrum Bagdads.

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Ein Iraker zeigt stolz die Gewehre, die er aus einer Polizeistation in Bagdad herausgeholt hat.

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Irakische Kurden feiern in Sulaimaniya den Einmarsch der amerikanischen Truppen in Bagdad. Die Kurden sind von dem Regime Saddam Husseins brutal unterdrückt worden.

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Einwohner Bagdads versuchen eine Statue Saddam Husseins zu zerstören, die vor dem Ölministerium steht.

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Montage: T-Online; Fotos: AP


Bilder der Sieger: Ein amerikanischer Soldat raucht vor dem großen Saddam Standbild im Stadtzentrum seine Siegeszigarre.

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Iraker bejubeln die Soldaten eines Marine-Regiments im Herzen von Bagdad.

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Kurden feiern den Fall des Regimes von Saddam Hussein und zeigen Siegeszeichen.

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Jubel in den Straßen der nordirakischen Stadt Irbil.

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Ein Kurde umarmt und küsst einen US-Soldaten in Sulaymaniyah.

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(Foto: Kyodo / Reuters)

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Mit einem Lächeln im Gesicht trägt dieser irakische Mann in den Straßen von Bagdad das Blaulicht eines Polizeiwagens nach Hause.

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(Foto: David Leeson / Reuters)

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Nach dem Einmarsch der US-Truppen in Bagdad lassen irakische Zivilisten ihrem Hass auf den Ex-Diktator Saddam Hussein freien Lauf.

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Clark: Militärschlag gegen Syrien möglich
General Wesley Clark (Foto: dpa)

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Der frühere US-General und Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark hält einen Militärschlag gegen Syrien für möglich.


Nach dem Irak könnte Syrien der nächste "Schurkenstaat" sein, der mit einem US-amerikanischen Militärschlag rechnen muss. Der frühere Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark schließt nicht aus, dass Syrien Ziel eines US-Angriffs werden könnte.

"Kein Geld in Damaskus anlegen"
"Ich würde derzeit kein Geld in Damaskus anlegen", sagte der ehemalige US-General. Noch gehe es um Diplomatie. "Aber Syrien muss mit einem Angriff rechnen, wenn es seiner Regierung nicht gelingt, die amerikanischen Bedenken auszuräumen." Dabei gehe es um die Unterstützung von Saddam-Getreuen, Kontakte zu Terrorgruppen sowie den Besitz von Massenvernichtungswaffen.

 

Präsenz amerikanischer Streitkräfte hat Auswirkungen
Auf die Frage, ob die US-Regierung mit einem weiteren Krieg drohen werde, sagte Clark der "Berliner Zeitung": "Die Präsenz der amerikanischen Streitkräfte in der Region ist jetzt zu einer geostrategischen Realität geworden. Das wird natürlich nicht ohne Auswirkungen bleiben." In der Tat ist Konservativen in den USA das Land schon länger ein Dorn im Auge.

Genug Arbeit im Irak
Dagegen kann sich der Leiter des Berliner Aspen-Institutes, Jeff Gedmin, nicht vorstellen, dass George W. Bush die US-Army nach Syrien oder in den Iran einmarschieren lässt. Gegenüber T-Online sagte der Berater der amerikanischen Regierung, dass zunächst der Irak stabilisiert und als Einheit erhalten werden müsse. Außerdem könne Bush keinen neuen Krieg beginnen, wenn er wiedergewählt werden wolle. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Situation in den USA würde den Amerikanern dafür das Verständnis fehlen.

 

Rumsfeld weicht aus
Dennoch wachsen die Befürchtungen vor weiteren amerikanischen Militäreinsätzen in der Golfregion. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld antwortete bislang ausweichend auf die Frage, ob ein Militärschlag gegen das Regime in Syrien unter Präsident Bashar al-Assad erfolgen könnte.

"Die anderen Herren des Terrors stürzen"
Zahlreiche Konservative in den USA fordern eine harte Haltung gegen Syrien und den Iran. Bush selbst zählte die Länder zur "Achse des Bösen". "Es ist Zeit, die anderen Herren des Terrors zu stürzen", schrieb zum Beispiel Michael Ledeen vom "American Enterprise Institute. "Syrien kann nicht allein gegen eine erfolgreiche demokratische Revolution bestehen, die tyrannische Regime in Kabul, Teheran und Irak stürzt". Der Iran biete den USA die Möglichkeit eines "denkwürdigen Siegs", weil das Volk die Regierung dort offen hasse, schrieb Ledeen.

"Keine andere Wahl als militärische Mittel"
Frank Gaffney, ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums unter US-Präsident Ronald Reagan, fordert, dass ein Regierungswechsel in Syrien und im Iran zur US-Politik erklärt werden soll. Dabei dürfe auch die Anwendung von Gewalt nicht ausgeschlossen werden. "Falls die Bedrohung sich derart ausbreitet, dass wir aus unserer Sicht keine andere Wahl als den Einsatz militärischer Mittel haben, dann müsste das eine Option sein", sagte er. Die Versuche, einen Machtwechsel in Iran, Syrien "und vielleicht auch in anderen Teilen der Region" herbeizuführen, würden sich vermutlich als "natürliche Entwicklung" im Krieg gegen den Terror herausstellen.

Powell: Syrien wird die Konsequenzen tragen
Rumsfeld hatte Syrien schon Ende März davor gewarnt, sich in den Irak-Krieg einzumischen. Damaskus beliefere den Irak mit Nachtsichtgeräten und anderer Militärtechnologie. Rumsfeld sprach von einem "feindlichen Akt". Auch US-Außenminister Colin Powell hatte Ende März erklärt: "Syrien kann mit der direkten Unterstützung terroristischer Gruppen oder des sterbenden Regimes von Saddam Hussein fortfahren oder es kann einen anderen, hoffnungsvolleren Kurs einschlagen." So oder so werde Syrien die Konsequenzen für sein Verhalten tragen.

dpa/rtr/AP/AFP/t-news 

 

 

 

 

 

eMail aus Israel
11. April: Mit arabischen Augen

Der Nahe Osten - ein ewiger Krisenherd. Bringt der dritte Golfkrieg die versprochene Neuordnung der Region? Nahost-Korrespondent Ulrich W. Sahm berichtet für T-Online mehrmals wöchentlich über die aktuelle Entwicklung und Hintergründe aus Israel.

Von Ulrich W. Sahm (Jerusalem)

"Erinnerst du dich noch an den 11. 9.? Die Türme fielen genauso schnell wie die Statue in Bagdad." Die Augen des palästinensischen Tankwarts leuchteten. Diese primitive Analyse des ungebildeten Mannes kam aus dem Herzen und doch traf sie mit ihren gemischten Gefühlen ins Schwarze. Am 11.9. jubelten Palästinenser über die erlittene Schmach der Amerikaner, während bis Mittwoch Saddam Hussein für die Palästinenser der populärste aller arabischen Herrscher war. Zu Tausenden waren sie in Gaza und Ramallah auf die Straßen gegangen und hatten bis zuletzt Saddam Ulrich Sahm in Jerusalem (Foto: privat)aufgefordert, Tel Aviv zu bombardieren.

Ulrich Sahm

 

 

 

 

Die gleiche Sprache
Doch aus der Sicht des Tankwarts gibt es einen höheren Wert als Menschenleben, Krieg oder Politik: Die Ehre. So wie er intuitiv verstand, dass es Osama bin Laden darum ging, die Amerikaner ins Herz zu treffen, wobei die Zahl der Toten eher nebensächlich war, genauso haben die Amerikaner jetzt mit dem Sturz der Statue Saddam Husseins mitten in Bagdad "die gleiche Sprache gesprochen". Bei dem jerusalemer Tankwart ist das Ansehen der Amerikaner stark gestiegen.

Trauerrahmen auf dem Titelblatt
Gemischte Gefühle brachte auch die arabische Presse zum Ausdruck. Die palästinensische "Regierungszeitung" Al-Ayam erschien zur Feier des Falls von Bagdad mit einem schwarzem Trauerrahmen auf der Frontseite. Aber das Titelbild zeigte den "Befreiungsplatz" von Bagdad mit noch stehender Statue....

Mangelnder Widerstand
Al Hayat al Jadeeda beklagt den mangelnden Widerstand der irakischen Armee. Offenbar wünschte sich die Zeitung zwecks arabischer Ehrenrettung blutige Straßenkämpfe, wie sie der irakische Informationsminister Sahaf bis Dienstag angekündigt hatte. Denn "wo waren die Barrikaden, die Tunnel, die verminten Straßen und Befestigungen", fragt der Chefredakteur. Da Bagdad ohne Kampf fiel, hätte Irak auch vor dem Krieg per Vertrag kapitulieren und "eine Katastrophe vermeiden können."

"Samen für ein Wiedererstehen Bagdads"
El Kuds gelangt zur Selbsterkenntnis, dass die arabischen Nationen eine weitere Niederlage einstecken mussten. "Die arabische Nation und muslimische Welt befindet sich in einer Regression, ist kulturell hinterweltlerisch und uneinig, unfähig zur Kooperation mit sich selbst und mit der ganzen Welt." Doch der Fall von Bagdad könnte ein "neues Bewusstsein und tiefe Gedankenklarheit" schaffen. Denn die Weltgeschichte ende nicht. In den Bombentrümmern und den Überresten der Opfer, Frauen, Kindern und Alten, die mit Glorie und Ehre die Nation verteidigt hätten, "liegen die Samen für ein Wiedererstehen Bagdads".

Fernsehkameras zeigen nur einen Teil der Wirklichkeit
Der stellvertretende Planungsminister Adly Sadek redete über Saddam Hussein als einem "Dorn im Auge der Imperialisten". Fehler mache jeder große Führer, "der komplexe Gesellschaften in gefährlichen Regionen in komplizierten Zeiten beherrscht". Nur wenige Menschen hätten dem Sturz der Statue in Bagdad zugejubelt. Die Fernsehkameras ignorierten "Tausende", die Saddam Unterstützung versprachen, aber Bush für eine "kriminelle imperialistische Aggression" verantwortlich machten.

Wahn führt zu Gegenwahn
In Al Ayam prophezeit Abdullah Awad der amerikanischen "Kultur von Mord und Zerstörung" viele "Überraschungen". "Wahn löst Gegenwahn aus."

Sturz einer großen Lüge
Die Londoner Al-Sharq al-Awsat meint, dass Saddam "nicht alleine gefallen" sei. Gestürzt seinen auch die "großen Lügen, die ihn begleiteten, lobten und glorifizierten". Die Bürger von Bagdad hätten sich jetzt für die "Wahrheit in ihrer eigenen Stadt entschieden". Fehlgeleitet wurden die Massen in Kairo und anderen arabischen Städten, die für Saddam demonstrierten und sich freiwillig meldeten, im Irak zu kämpfen. Die arabischen Fernsehsender hätten bis zuletzt Saddam Hussein verteidigt. "Mit der Statue des Diktators, die mit Füßen getreten wurde und auf die sie urinierten, ist auch eine der ganz großen Lügen der arabischen Gegenwart gestürzt."

"Weitere Statuen werden fallen"
Die pro-Saddam Zeitung Al Quds el Arabi tat sich mit dem schnellen Fall Bagdads schwer. Zur Ehrenrettung prophezeit sie jetzt den Amerikanern und Briten einen "wenig erfreulichen und gefährlichen" Aufenthalt im Irak. Jenen arabischen Herrschern, die den Irak "verraten" hätten, prophezeit die Zeitung, dass "auch in anderen arabischen Ländern bald die Herrscherstatuen fallen werden." Die Zeitung habe "Informationen", wonach die Amerikaner schon am Regimewechsel in Ägypten, Saudi Arabien, Syrien und Iran arbeiten...

Die Bürger zur Hölle geschickt
Die ägyptische Presse titelte zwar zu dem "überraschenden Sturz des Saddam Regimes", kommentierte aber eher die humanitären Folgen. Nachdem die Iraker (nicht etwa die Amerikaner) gelernt hätten, ein despotisches Regime zu stürzen, würden sie sich gewiss schon bald zusammentun und gegen die fremde Okkupation erheben, so al Gumhurije. Saddam und seine korrupten Söhne hätten das irakische Volk und die arabische Welt betrogen. "Ganz egoistisch haben sie ihr Heimatland und ihre Bürger zur Hölle geschickt."

Der eigentliche Feind ist das Volk
Die Kuwaitische Al Siyasa fragt sich, weshalb "Bagdad wie Butter unter den Ketten der Panzer geschmolzen" sei. "Wo blieb Saddams Armee, die den Feind wie die Bäuche der Mongolen grillen wollte?" Die Antwort: "Die Armee hatte nur die Aufgabe, die Baath-Partei gegen den eigentlichen Feind zu verteidigen, nämlich das irakische Volk, und nicht etwa gegen Israel, die USA oder Großbritanien."

Syrische Medien schweigen
Aus Syrien kommt keinerlei Kommentar. Die Zeitungen erwähnen weder den Fall von Bagdad noch zeigten sie Bilder der gestürzten Statue "Saddam Husseins".

Schlafmangel macht Soldaten gefährlich

Navy Seals beim Training: Defizite in sämtlichen kampfrelevanten Bereichen, Quelle: DPAMangelnder Schlaf und Stress beeinträchtigen die Leistung von Soldaten auf erschreckende Weise, so eine US-Studie. Die Reaktionsfähigkeit von Soldaten leidet durch Schlafmangel und Belastung während eines Kampfeinsatzes stärker als durch einen Alkoholrausch, so Experten. Den eklantanten Leistungsabfall stellte der US-Militärforscher Harris Lieberman bei Tests mit den Eliteeinheiten Navy Seals und Army Rangers fest, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Besser betrunken als müde
Der Wissenschaftler vom Research Institute of Environmental Medicine der US-Armee hatte die Spezialeinheiten vor und nach mehrtägigen Kampfübungen Reaktionstests unterzogen. Das Ergebnis: Bei Navy Seals, die nur eine von 73 Stunden Dienst schlafen durften, schoss die mittlere Zahl der Fehler von ein bis zwei auf mehr als 15 hoch. Auch besser ausgeruhte Army Rangers zeigten einen deutlichen Leistungsabfall schon bei einfachen Aufgaben, berichtet Lieberman, der mit seiner Arbeit bereits auf einer Konferenz für Militärwissenschaften Ende 2002 in Florida für Wirbel gesorgt hatte. "Ihre Leistung war sogar schlechter, als wenn sie betrunken gewesen wären."

Fatale Fehler durch Kampfpausen
Lieberman beobachtete Defizite in sämtlichen kampfrelevanten Bereichen: Das Abfeuern einer Waffe etwa erfordere Wachsamkeit und Mustererkennung, um ein potenzielles Ziel anzuvisieren, logisches Denken, um die Notwendigkeit eines Schusses einzuschätzen, sowie das Kurzzeitgedächtnis, um den aktuellen Standort der eigenen Truppen nicht zu vergessen. "All diese Fähigkeiten waren substanziell beeinträchtigt", so Lieberman. Der Direktor des Walter Reed Army Institute of Research, Gregory Belenky, hält jedoch dagegen. Er ist der Meinung, dass in konkreten Kampfsituationen ein Adrenalin-Schub die Truppen wieder mobilisiert. Nach seiner Auffassung ist es eher "die banale Zeit dazwischen", in der die Müdigkeit zu fatalen Fehlern der Soldaten führen könne.

Schlafbedürfnis ausschalten
Durch die aktuelle Situation im Irak, wo Soldaten teilweise schon fast drei Wochen im Einsatz sind, gewinnt die Studie an Brisanz: Seit Beginn des Krieges gab es immer wieder Todesfälle durch so genanntes "friendly fire", also den Beschuss Verbündeter. Das US-Militär ist sich des Problems bewusst, geht es aber mit eigener Logik an: Es fördert seit einiger Zeit Forschungen, die auf ein Abschalten des Schlafbedürfnisses abzielen.

SpiegelOnline